Ausgehängt und in die falsche Richtung gedreht: die Schranke in der Erlestraße.
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Ausgehängt und in die falsche Richtung gedreht: die Schranke in der Erlestraße.

Unbekannte randalieren im gesamten Ort

Zerstörungswut in Bad Kohlgrub gibt Rätsel auf - Bürger sollen Augen offen halten

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Drei Vorfälle in jüngster Zeit – Unbekannte randalieren an mehreren Orten in Bad Kohlgrub. Nun appelliert die Gemeinde an die Bürger, wachsam zu sein.

Bad Kohlgrub – Beim ersten Vorfall, Mitte Oktober, als Unbekannte in den Trausaal einbrachen und einen Feuerlöscher leer spritzten, hätte man noch sagen können: ein missglückter, ganz fieser Jugendstreich. Mit ganz viel Wohlwollen hätte man das verwüstete Schul- und Kindergartengelände in der Nacht auf 1. November auch noch in diese Kategorie packen können. Doch jetzt gibt es einen dritten Vorfall in Bad Kohlgrub, eine ausgehängte Schranke (!), der schön langsam die Frage aufwirft: Passieren diese Dinge eigentlich komplett zufällig? Gemeinderat Andreas Wojciak meint, man könne „fast schon von einem Schildbürgerstreich“ reden. Bürgermeister Franz Degele betont: „Das sind keine Kavaliersdelikte mehr“, nicht vergleichbar mit einer zersplitterten Flasche Bier, die gelegentlich den Kurpark verunstaltet.

Die Gemeinde steht vor einem Rätsel. Wer macht so etwas nur? Hinter den ersten beiden Taten vermuten Degele und viele im Dorf Jugendliche, die das Wort Zeitvertreib gehörig missverstanden haben. Am Wochenende 10./11. Oktober, waren die Vandalen über ein offensichtlich dafür präpariertes Fenster in den kleinen Saal im Haus des Gastes eingestiegen, hatten dann einen Feuerlöscher von der Wand genommen und anschließend das weiße Pulver im ganzen Raum versprüht. „Hat übel ausgeschaut“, erinnerte sich Degele jetzt in der Gemeinderatssitzung. Der Schaden: 500 Euro.

Unbekannte schneiden Bäume um, stürzen Tische und Bänke um, gefährden den Straßenverkehr

Drei Wochen später: Lehrer finden umgestürzte Tische und Bänke auf dem Pausenhof vor. Am Eingang des Kindergartens ist ein kleiner Kugelahornbaum umgeschnitten worden. Die Unbekannten müssen mit einem Taschenmesser hantiert und minutenlang an dem Stück Holz herumgesägt haben, wie die Spuren zeigen.

Für die Tat eine Nacht später, von 1. auf 2. November, drehten Übeltäter eine mobile Schranke an der Erlestraße in die falsche Richtung, die somit den Straßenverkehr gefährdete. Passierte gleich zweimal in der vergangenen Woche. Die Schranke ist zwar mit einem Bolzen gesichert, doch der lässt sich mit etwas Finesse aushebeln. „Das war gezielt“, vermutet der Bürgermeister.

Beamte finden sogar kompromittierende Spuren im Kursaal

Alle Fälle hat die Gemeinde bei der Polizei angezeigt. Die Beamten fanden sogar kompromittierende Spuren im Kursaal. Doch bis die ausgewertet sind, vergehen noch Wochen. Die Gemeinde hat sogenannte sicherheitsrechtliche Anordnungen erlassen und erwägt unter Umständen, ob nicht Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen helfen. Doch die Tatorte sind in Bad Kohlgrub so wild verstreut, dass die Frage des Ersten Bürgermeisters durchaus berechtigt ist: „Wo stellst du sie auf?“ Man könne schlecht den ganzen öffentlichen Raum mit Kameras zupflastern. Die Gemeinde will ihre Bürger für die Thematik mehr sensibilisieren, sie sollen genauer hinschauen in den nächsten Wochen. Fest steht aber auch: Sollte diese Form von Vandalismus, die im Ort jahrelang nicht aufgetreten ist, noch öfters vorkommen, „müssen wir uns was überlegen“, so der Gemeindechef.

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