In der heißen Phase befindet sich die Neugestaltung des Mittenwalder Bahnhofs. (v.l.) Bürgermeister Adolf Hornsteiner, Bahnhof-Besitzer Wolfgang Schwind, Bernhard Rangger, Michael Schwind und der künftige Restaurant-Pächter Martin Wild machen sich ein Bild von der Baustelle. foto: Tomaschek

Bahnhof: Ruine wird zu modernem Treffpunkt

Mittenwald - Restaurant mit Kamin-Lounge, abgetrennter Wartebereich im ersten Stock und alles für den täglichen Bedarf: Der neue Mittenwalder Bahnhof soll hohen Ansprüchen gerecht werden - und junge Leute anlocken...

Vier Monate noch, dann sollen die Postagentur mit Reisebüro und Bahnticket-Verkauf, Shop und Restaurant im völlig neu gestalteten Mittenwalder Bahnhof bezugsfertig an die Pächter übergeben werden. Für Bauherr Wolfgang Schwind „ein massiver Termindruck“.

Er bleibt aber optimistisch: „Das werden wir schaffen.“ Auch wenn ihm der Boom in der Baubranche zusetzt. Die Firmen sind nahezu ausgebucht. „Man verschickt 16 Anfragen und bekommt nur zwei Antworten. Auch beim Material ist Geduld gefragt. „Zum Teil dauert eine Lieferung sechs Wochen“, fügt sein Sohn Michael hinzu. Der Rohbau steht. Nun gilt es, Heizungs-, Sanitär- und Elektroarbeiten zu erledigen, Fußböden zu verlegen und die Läden einzurichten.

Für einen Großteil des Erdgeschosses wird Martin Wild bei der Innen-Gestaltung ein Wörtchen mitreden. Der 35-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen kümmert sich als Pächter im Shop und Restaurant um die Reisenden und Gäste. Als Bistro will er die Gastronomie im linken Teil des Erdgeschosses nicht verstanden wissen. „Es ist mehr“, betont Wild. Mediterrane und euro-asiatische Küche will er anbieten, dazu Kaffeespezialitäten aus der Garmisch-Partenkirchner Rösterei seines Bruders und Ex-SCR-Torhüters Hardi Wild - alles in Lounge-Atmosphäre mit offenem Kamin und zwei Sonnen-Terrassen.

Schwind ist froh über die Zusammenarbeit mit Wild. Shop und Restaurant sind für ihn „die Seele“ des Bahnhofs. Das Konzept des Gastronomen erscheint ihm bestens geeignet, um „das Defizit an Lokalen für junge Leute in Mittenwald“ wettzumachen.

Im direkt angrenzenden Bereich an das Restaurant bekommen Reisende Getränke und Speisen zum Mitnehmen. „Ich will aber nicht der 15. sein, der Leberkas-Semmeln verkauft,“ betont er und lacht. „Das können andere besser.“ Seine Spezialitäten sind hier ebenfalls mediterrane Kleinigkeiten. Daneben finden Besucher alles für den täglichen Bedarf - von der Zahnbürste bis zur Zeitung.

Entspannt lesen können diese die Wartenden - rund 1300 Menschen verkehren derzeit täglich am Bahnhof - eine Etage höher. Denn von der Bahnhofshalle führt eine spiralförmige Treppe ins erste Obergeschoss. Dort ist ein gemütlicher Sitzbereich geplant, wo sich „die Leute zurückziehen können“, erläutert Schwind die Idee. Die Ruhebänke mitten im Trubel der Garmisch-Partenkirchner Bahnhofshalle empfindet er als „ein Negativ-Beispiel“.

Links vom Wartebereich kümmern sich Physiotherapeuten in Praxen um ihre Patienten - mit direktem Zugang über eine gläserne Galerie zum geplanten Ärztehaus.

Schwind nennt Zahlen: „Mit dem Zollhaus wird das Projekt viereinhalb bis fünf Millionen Euro kosten.“ Eine Investition, die Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) sehr zu schätzen weiß: „Ich bin sicher, dass etwas Großartiges entsteht.“ Aus einem Ort der reinen Verkehrsanbindung, die in den vergangenen Jahren „zur Bauruine mutierte“, werde nun ein Ort der Begegnung.

Janine Tokarski

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