Bahnhof-Sanierung: Allgäuer Modell als Vorbild?

Murnau - Eine Initiative im Allgäu könnte ein Vorbild für Murnau sein: In der Stadt Leutkirch haben Bürger eine Genossenschaft gegründet und nehmen die Bahnhof-Sanierung selbst in die Hand.

Was soll aus dem Murnauer Bahnhof werden? Diese Frage beschäftigt die Ortspolitik. Die setzt darauf, dass sich ein privater Investor findet, der das historische Gebäude dem bisherigen Eigentümer abkauft und auf Vordermann bringt. Wie berichtet, will die Münchner Ideal Mobil AG die Immobilie loswerden. Eine Anregung, wie die Bürger den Wunsch nach einem schönen Bahnhof in Eigenregie umsetzen können, kommt jetzt aus dem Allgäu. In der 22 000 Einwohner-Stadt Leutkirch wurde eine Genossenschaft gegründet. Mit dem Verkauf von Anteilen soll die Sanierung finanziert werden. Das Konzept scheint zu funktionieren.

Christian Skrodzki, ehrenamtlicher Vorsitzender dieser Genossenschaft, stieß zufällig im Internet auf die Murnauer Bahnhofsdebatte. Der Allgäuer will mit seinen Erfahrungen helfen und diese an den hiesigen Gemeinderat weitergeben. Er ist sich sicher: „Unser Modell kann Denkansätze liefern.“ An einen privaten Investor glaubt der Werbefachmann nicht. Dafür sei die Mietrendite alter Bahnhöfe zu unattraktiv.

In seiner Heimatstadt hatte die Kommune das schmucke Bauwerk, das aus dem Jahre 1890 stammt, von der Deutschen Bahn AG erworben. Doch es fehlte das Geld für die überfällige Renovierung. Also hoben Skrodzki und einige Mitstreiter - nach zähen und schwierigen Diskussionen im Stadtrat - im Oktober 2010 eine Genossenschaft aus der Taufe.

Diese Organisation übernimmt das Bahnhofsgebäude auf Erbpachtbasis von der Stadt Leutkirch. Sie erstellt das Nutzungskonzept, saniert das Haus, sucht Mieter - vorgesehen ist unter anderem eine Gastronomie - und kümmert sich um den laufenden Geschäftsbetrieb. Gut zwei Millionen Euro kostet der Umbau, etwa die Hälfte davon soll mit Zuschüssen abgedeckt werden.

Doch woher kommt die andere Million? Die Allgäuer hatten eine findige Idee. Sie verkaufen Genossenschaftsanteile zu jeweils 1000 Euro. Die Resonanz ist riesig. „Die Bürger sind begeistert. Sie merken, dass sie selbst etwas gestalten können“, freut sich Skrodzki über den Erfolg der Aktion. Innerhalb kürzester Zeit konnten laut dem Chef der Genossenschaft Anteile im Gesamtwert von 820 000 Euro abgesetzt werden - nicht nur an Privatpersonen, auch an Firmen und Banken. „Die restlichen 180 000 Euro bekommen wir auch noch zusammen“, gibt sich der Leutkircher optimistisch.

Mit ersten Sanierungsarbeiten wurde bereits begonnen. Skrodzki hofft, im Frühjahr 2012 Eröffnung zu feiern. Die Anteilseigner gehen nicht leer aus, sie erhalten eine Dividende. Skrodzki rechnet mit einer Verzinsung von mindestens zwei Prozent. „Das ist nicht viel. Aber die Rendite ist nicht entscheidend.“ Den Investoren gehe es darum, die Idee eines Bürgerbahnhofs zu verwirklichen. Gerade ältere Menschen hätten eine emotionale Bindung zu dem Gebäude. Es sei nicht zu verantworten, diese „Visitenkarte des Ortes“ verfallen zu lassen.

In Murnau stößt das Allgäuer Modell auf Skepsis. Dieses höre sich zwar ganz gut an, meint Welf Probst von den Freien Wählern. Aber der Markt habe genügend Baustellen offen, die er erstmal bewälten müsse - ob nun die Museumserweiterung oder den Kemmelpark. Da könne er nicht noch ein weiteres Großprojekt starten. (as)

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