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Blick vom Balkon: Die Bergkulisse wird bald verschwinden, wenn das Hostel an der Lagerhausstraße fertiggestellt ist.

Baustelle an der Lagerhausstraße

Bahnhofs-Projekt sorgt für schlechte Stimmung

Freude sieht anders aus: Anwohner der Lagerhausstraße  fühlen sich von Bau-Unternehmer Hummel und der Gemeinde hintergangen. Mit einem Banner machen sie ihrem Ärger Luft.

Garmisch-Partenkirchen – Die Verlegung der Lagerhausstraße am Bahnhofs-Areal in Garmisch-Partenkirchen steht seit den 1970er Jahren fest. Jetzt wird sie Realität, nachdem dort ein Hostel entsteht. Die Baugenehmigung für den Bereich, auf dem das 200-Betten-Haus Platz findet, liegt vor. Fakten, mit denen sich Anwohner Josef Schaan aber nicht abfinden will. Seinem Unmut hat er jetzt auf einem Plakat Luft gemacht.

Deutlicher Protest: Anwohner Josef Schaan macht seinem Unmut über das Bauprojekt am Bahnhofs-Areal auf einem Plakat an seinem Balkon Luft.

Er fühlt sich hintergangen. Und mit ihm alle Eigentümer des Wohnkomplexes an der Lagerhausstraße, direkt gegenüber des Bauprojekts. „Ich bin nicht der einzige, der aufgebracht ist“, versichert Schaan. Die Anwohner haben gegen die Baulinienveränderung zwischen dem Bahnhofsareal und dem Wohngebiet Klage eingereicht. Und diese wurde auch zugelassen. Schaan sowie die restlichen Kläger vermuten, dass mit der Baulinie etwas nicht ganz rechtens ist. Trotz der offiziellen Vermessung von vor Jahrzehnten. „Das Haus dürfte durch den Knick nicht so nah an uns herankommen“, glaubt der Anwohner. Möglich ist dies, so meint er, weil das Gebiet wegen des Hostel-Neubaus nun zum Sondergebiet Tourismus deklariert wird.

Dem 67-Jährigen stößt nicht nur das verminderte Tageslicht und der verlorene Bergblick auf. Das sind Aspekte, mit denen er sich notgedrungen arrangieren könnte. Für ihn ist es in erster Linie eine finanzielle Misere. „Mein Eigentum hat extrem an Wert verloren“ klagt er. Die Gegend sei seiner Auskunft nach immer schon schwer zu vermieten gewesen. „Die ganzen Billig-Touristen, die das Hostel anziehen wird, verschlimmern die Lage noch.“

Mit Blick auf Franz Hummel spricht Schaan von Rücksichtslosigkeit. „Es ist unverschämt, dass nicht über die Konsequenzen des Vorhabens nachgedacht wird.“ Der Bau-Unternehmer hat grundlegend Verständnis für Schaans Situation. „Ich kann mich in seine Lage versetzen“, sagt er. Gleichzeitig betont Hummel aber auch, dass der Hostel-Bau rechtens ist. „Andere umliegende Häuser wie das Post-Gebäude sind genauso hoch.“ Alle städtebaulichen Aspekte sind eingehalten.

Das gelbe Banner am Balkon von Josef Schaan macht aber auch klar, dass er nicht nur das Vorgehen Hummels missbilligt – er rügt ebenfalls das Verhalten der Marktgemeinde. Er hätte sich gewünscht, dass diese die Straße kauft und der alte Verlauf, ohne besagten Knick, erhalten bleibt. „Dann wären wir jetzt nicht so zugebaut.“

Ute Leitner, Sprecherin des Markts, insistiert indes, dass der Öffentlichkeit sehr wohl das Recht auf Beteiligung eingeräumt worden ist. „Die Bürger wurden umfassend informiert.“ Auch die Anwohner der Lagerhausstraße hatten in diesem Zuge die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. „Von diesem Recht ist nur vereinzelt Gebrauch gemacht worden“, teilt Leitner mit. Nur vier bis fünf Meinungen gingen im Rathaus ein. Alle bezogen sich jedoch nicht auf die Streitpunkte, die nun unter den Anwohnern für Unmut sorgen – und denen Schaan auf seinem Plakat Luft macht.

Martina Baumeister

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