Bei Leiwand tanzt auch der Wirt eifrig mit

Ballon-Mann verzaubert die Menge

Oberammergau - Knapp 1000 Zuschauer erleben bei der Ammergauer Brettlnacht Musik und Show in 13 Lokalen. Eine gute Nachricht am Rande: Veranstalter Reggel will an Oberammergau festhalten.

Ungeduldig schauen einige auf die Uhr. Es ist 22.15 Uhr. Das Publikum wird langsam unruhig und schimpft vor sich hin. „Frechheit“, „wie nervig“, „unmöglich“. Sie alle drängen sich im Hotel Alte Post, um den gefeierten „European Balloon Entertainer of the Year“, Tobi van Deisner, live zu erleben. Doch die Bühne bleibt leer. Auch weitere zehn Minuten später. Manche verlassen verdrossen den Saal. Bei der dritten Auflage der Ammergauer Brettlnacht gilt es nämlich, keine Zeit zu verlieren. Schließlich treten noch viele andere namhafte Künstler auf. Was die Enttäuschten nicht wissen, sie gehen zu früh. Wenige Momente später ist der einstige Halbfinalist des RTL-Supertalents da. Mehr noch: Eindrucksvoll beweist er, dass sich das Warten gelohnt hat.

Schnell hat ihm das Publikum seine Verspätung verziehen. Nach einem kleinen Luftballon-Zauber fragt er in die Runde: „Wollt Ihr mehr?“ Die Antwort ist eindeutig. Ein lautes sehnsüchtiges „Ja“ rufen ihm die Zuschauer entgegen. Und sie bekommen mehr. Alle lechzen nach dem angekündigten Höhepunkt: den größten Ballon aller Zeiten. Van Deisner greift zu einem Laubbläser und richtet es gegen sein Gesicht. Seine Backen blähen sich auf, seine Haare stehen zu Berge, und seine Haut verzieht sich in alle Himmelsrichtungen. Dann pumpt er damit den rosa Ballon auf. Immer weiter und weiter, ehe der Künstler hineinsteigt, komplett darin verschwindet und wie ein Gummiball herumhüpft. „Sowas habe ich noch nie gesehen“, sagt Mathilde Schlichter (57) aus Bad Hersfeld.

Schon oft hingegen wurde Klaus Vogt mitgerissen. Allerdings von „Rock sel. Erben“, die „endlich wieder zu Hause spielen durften“, wie Sänger Johnny betont. Die Oberammergauer Gruppe heizt im Gasthof zur Rose mächtig ein. „Ich kenne die Band von früher und bleibe heute wohl wieder an ihr hängen“, sagt Vogt. Da war er nicht der einzige. Über viel Zulauf freuen sich aber auch sämtliche andere Künstler in den insgesamt 13 Lokalen. Bei der Cover-Band Leiwand im Theatercafé etwa ist kein Durchkommen mehr. Die Besucher und sogar der Wirt tanzen ausgelassen.

Während Leiwand nicht zum ersten Mal teilnahm, mussten sich die Brettl-Neulinge erst beweisen. Allen ist es gelungen. Ob Danny Kane im Hotel Kopa, der afrikanisch-bayerischen Kombo Paul & Iris im Bems’l, oder dem Haupt-Act Vino Rosso im Kleinen Theater - alle trugen zur Heiterkeit und guten Laune bei. Mit einer Ausnahme: Die DJ’s Doppelgänger, die bei der After-Show-Party mit Elektro für den Ausklang sorgen sollten, spalteten die Meinungen. Die einen tanzten vor der Bühne, die anderen flüchteten aus dem Kleinen Theater.

Für Veranstalter Rupert Reggel von „Holiday event“ kein Problem. „Das ist ein Versuch für die Jüngeren.“ Ein vieldiskutiertes Experiment am Brettl-Samstag. Reggel selbst zeigte sich mit knapp 1000 Zuschauern und den Auftritten mehr als zufrieden. „Oberammergau ist eine besondere Veranstaltung“, sagt er. „Kulturell die Hochwertigste“ im Vergleich zur Kunstnacht in Murnau, der Mittenwalder Mittnacht und zur GAP-Live-Night. „Und die kostenintensivste.“ Aber er will sie fortsetzen. Auf jeden Fall. „Sie hat schon was Kultiges hier.“ (Manuela Schauer)

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