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Da muss gehandelt werden: Thomas Schwarzenberger zeigt schadhafte Stellen an einer der beiden Brücken in der Flutmulde.

Hochwasserschutz in Krün

Marode Brücken - Gemeinde reagiert

Krün - Für Bürgermeister Thomas Schwarzenberger gibt es keine Alternative. „Wir können auf die Brücken nicht verzichten.“ Gemeint sind marode Übergänge an der Flutmulde.

Still und leise schlängelt sich der Kranzbach durchs Isartal. Dabei kann er auch anders. Nicht nur einmal flutete er in Krün ganze Ortsteile. Tendenz steigend, wie die Hochwasser-Ereignisse in jüngster Vergangenheit bewiesen. Um dem entgegenzuwirken, wurde in den 1930ern ein Abflusskanal am Kranzbach gegraben, der seither den Ortskern vor den Wassermassen bewahrt: die sogenannte Flutmulde. Allerdings müssen die beiden Brücken, die den Kanal überspannen, nun abgerissen und neu errichtet werden – für geschätzte 480 000 Euro.

Das Projekt kommt nun sogar um 180 000 Euro teurer, weil die Baumaßnahmen entgegen der ursprünglichen Erwartung „nur“ mit 60 beziehungsweise 65 Prozent vom Staat bezuschusst werden. „In den sauren Apfel müssen wir wohl beißen“, stimmte Bürgermeister Schwarzenberger den Gemeinderat auf zusätzliche Kosten ein. „Aber wir können auf die Brücken nicht verzichten.“ Der Gemeinderat sah’s genauso und segnete das Vorhaben einhellig ab. Eile ist geboten. Denn der Zuschuss-Antrag an den Freistaat muss bis spätestens 30. Juni gestellt sein.

Wie gesagt: Für den Bürgermeister ist die Brücken-Sanierung nicht zuletzt wegen der Erschließung landwirtschaftlicher Flächen alternativlos. Wenn Schwarzenberger den Feldweg an der Flutmulde entlang geht, kommen ihm Kindheitserinnerungen. Nur einen Steinwurf entfernt liegt sein Elternhaus. Als der Bürgermeister ein Lausbub war, war das Gerinne größtenteils ausgetrocknet. Mittlerweile würde viel öfters in dem künstlichen Bypass Kranzbach-Wasser fließen.

Anfang des 20. Jahrhunderts bereitete der Bach den Krünern enormen Kummer. Im Frühjahr und nach regenreichen Tagen trat er über das Ufer und überschwemmte große Teile des Ortes. „Es müsste sogar noch Bilder geben, wo am Dorfplatz mit dem Floß gefahren wurde, so hoch stand das Wasser“, erzählt Schwarzenberger. Um dem entgegenzuwirken, errichtete in der NS-Zeit der damalige Reichsarbeitsdienst einen Kanal, der auf Höhe Finzbachstraße Richtung Norden verläuft, um kurz vor Wallgau in das dortige Finzbachbett zu münden. Damit Bauern ihre Felder bewirtschaften können, wurden jene zwei Brücken errichtet.

Diese mehr als 80 Jahre alten Konstrukte haben heute nun ausgedient. „Sie beginnen bereits zu brechen“, betont der Bürgermeister den Ernst der Lage. „Zu retten sind sie nicht mehr.“ Deshalb können diese stummen Zeugen der NS-Zeit nicht mehr saniert werden, sondern müssen abgerissen werden.

Die neuen Übergänge werden die Hochwassersituation deutlich entspannen, weil nicht zuletzt der Durchfluss verbessert wird. „Wir werden dafür die Unterseite erhöhen“, kündigt Schwarzenberger an. Dadurch sollen die Brücken auch länger halten. Josef Hornsteiner

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