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Wallgau hat viele schöne, potenzielle Bauplätze.

Landratsamt legt Veto ein

Wallgauer kämpfen um Bauplätze

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Wallgau - Die Behörden äußern massive Bedenken bei den Plänen der Gemeinde Wallgau. Die will an den Außengrenzen des Ortes Bauplätze für junge Menschen schaffen.

Hansjörg Zahler (CSU) hat es versucht. Und ist gescheitert. So sehr sich Wallgaus Bürgermeister bemüht hat, seine Worte mit Bedacht zu wählen und objektiv zu informieren, seine Gemütslage ließ sich vor den zahlreichen Zuhörern der Gemeinderatssitzung nicht verbergen. Schließlich geht es um die Zukunft des Ortes. Denn Wallgau will sich entwickeln. Neun Grundstückseigentümer wünschen sich zusätzliche Bauplätze, darunter teilweise Filet-Grundstücke. Das Problem: Die liegen an den Außengrenzen der Gemeinde. Zwar hat der Rathauschef damit gerechnet, dass sich die dafür notwendige Flächennutzungsplan-Änderung als Kraftakt herausstellen könnte. Dass die Behörden das Vorhaben allerdings gleich so niederbügeln, lässt ihn und viele seiner Räte nicht ganz kalt. Der Kampfgeist ist geweckt, das Gremium will nicht klein bei geben.

„Die Stellungnahmen sind ernüchternd“, drückte sich Zahler vorsichtig aus. „Es lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass die Herangehensweise der Genehmigungsbehörde negativ ist.“ Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen zeigt sich von den Neuausweisungen aus ortsplanerischer Sicht nämlich so ganz und gar nicht überzeugt. Entweder aus der städtebaulichen Perspektive oder aus Gründen des Naturschutzes. Zum Beispiel an der Krepelschroffen-Straße stünden der Bebauung „unüberwindbare Belange des Naturschutzes gegenüber“. Heißt konkret: Es handelt sich dort um Biotop-Flächen. Ein Ausschlusskriterium. Doch auch bei den anderen Vorhaben wie am nordwestlichen Ortsrand an der „Schanz“ oder am Barmereck hegt das Landratsamt große Bedenken. Einzig bei den drei Parzellen, die an das Einheimischenmodell Vorderbergleiten angrenzen, sieht das Ganze rosiger aus. Die Wohnflächen wurden als „hinnehmbar“ deklariert. „Das ist ja schon optimistisch“, sagt Zahler süffisant, „im Gegensatz zum Rest“.

Hansjörg Zahler von Haltung des Naturschutzes wenig überrascht

Im Vergleich zum Bürgermeister, den zumindest die „kompromisslose Haltung“ von Seiten des Naturschutzes wenig überraschte, brachte Robert Kuplwieser (CSU) sein Unverständnis deutlich zum Ausdruck. „Das ist doch Willkür“, sagte er mit scharfem Ton. Denn bei einer Begehung vor ein paar Jahren habe es keine Bedenken gegeben. Und jetzt doch.

Für Zahler ist die Situation eine reine Abwägungssache. Er weiß, dass die „Natur unser Kapital ist“, andererseits bräuchten junge Menschen eben Wohnraum. „Das wird massiv hintertrieben“, sagt er auf Tagblatt-Nachfrage. Denn der Empfehlung des Landratsamtes, die Grünflächen innerorts zu bebauen, kann die Gemeinde nicht umsetzen. Zwar gibt es Flächen, doch die gehören nicht der Kommune. Außerdem sei Zahler zufolge eine lockere Bebauung doch auch was wert.

Einer, der die Position der Behörden dagegen nachvollziehen kann, ist Bernhard Wilde. Der Gemeinderat des Wallgauer Wählervereins hakte immer wieder nach und mahnte zur Vorsicht. „Wenn ich Sätze lese wie ,Das ist nicht zu realisieren‘, finde ich es schwierig, den Leuten Hoffnungen zu machen.“ Zahler hat das gar nicht vor. Er sieht es schlichtweg als Aufgabe der Gemeinde, Interessen der Bürger gegenüber Behörden durchzusetzen.

Gemeinde schließt Normenkontrollklage nicht aus

Und genau deshalb will er nicht locker lassen. Rückenwind hat er von der Regierung von Oberbayern bekommen, die das Vorhaben moderater bewertet. „Das ist eine gute Sache“, betonte Zahler. „Die steht über dem Landratsamt.“ Vorerst läuft das Verfahren normal weiter, weil noch Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange fehlen. Gleichzeitig nimmt die Kommune Kontakt zu den Antragsstellern auf, um zu klären, ob sie bereit wären, auf eigene Kosten Gutachten erstellen zu lassen.

Ein sinnvoller Weg, wie die Volksvertreter mehrheitlich beschlossen. Denn so viel steht fest: Sie wollen dem Landratsamt gute Argumente für ein Umschwenken liefern. Und falls es am Ende doch hart auf hart kommen sollte, dann will Wallgau auf jeden Fall standhaft bleiben. Dann wird die umstrittene Änderung des Flächennutzungsplans notfalls vor Gericht ausgefochten. 

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