Sehr umstritten: Unterhalb der Pfarrkirche St. Nikolaus sollen zwei Wohnhäuser errichtet werden. Rechts ist das Gerberhäusl und das Näckergassl zu sehen. Foto: Lory

Bauvorhaben unterhalb der Pfarrkirche: „Verbrechen an folgenden Generationen“

Murnau - Der geplante Bau zweier Wohnhäuser am Näckergassl unterhalb der Pfarrkirche St. Nikolaus löst heftige Kritik aus.

Dieter Wieland, Vorsitzender des Förderkreises Murnauer Parklandschaft, Pfarrer Siegbert Schindele sowie Dr. Brigitte Salmen, ehemalige Leiterin des Schloßmuseums, können sich mit dem Vorhaben überhaupt nicht anfreunden.

Rückblende: Bereits in den Jahren 1997 und 1998 gab es Pläne, südlich des Näckergassls, das durch die Obstwiesen hinauf zum Friedhof führt, vier Häuser hinzustellen. Das Landesdenkmalamt lehnte seinerzeit die Bebauung „diese letzten Freiraumes im historischen Ortskern“ ab. Der damalige Generalkonservator Michael Petzet bat die Gemeinde, ihr „großes kulturelles Erbe zu schützen und zu bewahren“. Die vier Häuser wurden letztlich nicht gebaut. Und das Gerberhäusl, das abgerissen werden sollte, blieb erhalten. Es wird heute von den Gebirgsschützen genutzt. Die Gemeinde kaufte die betreffende Fläche damals zusammen mit der örtlichen katholischen Kirche. Auch die überregionale Presse griff den Fall auf.

Nun beginnt die Diskussion von vorne. Denn eine Grundeigentümerin möchte nördlich des Näckergassls zwei zweistöckige Häuser mit je 90 Quadratmeter Grundfläche errichten. Der Bauausschuss befasste sich kürzlich mit dem Vorbescheids-Antrag. Das Gremium beschloss, zunächst einen Bebauungsplan aufzustellen (wir berichteten).

Beobachter haben erhebliche Bedenken. „Diese Fläche zu opfern, wäre ein Verbrechen an den folgenden Generationen“, wettert der Uffinger Filmregisseur Wieland. Er empfiehlt den Gemeinderäten, standhaft zu bleiben. „Die Stelle gehört zu den schönsten Plätzen im Ortszentrum.“ Es gehe um den Erhalt einer der letzten Kostbarkeiten der Gemeinde. „St. Nikolaus ist eine der schönsten Kirchen, die es in Bayern gibt“, so Wieland. Auch Pfarrer Schindele hat große Vorbehalte. „Es würde mich sehr traurig stimmen, wenn die Verantwortlichen die Bebauung absegnen würden.“ Er fände es sehr schade, wenn es den seit 300 Jahren bestehenden Blick auf die Kirche nicht mehr geben sollte. „Das wäre ein großer Verlust.“ Schindele ist überzeugt: „Eine Bebauung wäre nicht im Sinne des Großteils der Murnauer.“ Auch Salmen sieht das Bauvorhaben „persönlich sehr kritisch“. Und weiter: „St. Nikolaus ist ein architektonisch bedeutendes Bauwerk und braucht den entsprechenden Freiraum im Umfeld“, betont die Ex-Leiterin des Schloßmuseums. Zum anderen verweist Salmen auf die Ansicht von Westen Richtung Pfarrkirche, die auch Gabriele Münter auf einem bekannten Bild festhielt. „Dieser Blick ist zu wertvoll, um ihn zu verbauen.“

Dem Landratsamt liegt bis-her laut Sprecher Wolfgang Rotzsche noch kein Bauantrag vor. „Auch aus Sicht des Denkmalschutzes ist deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage möglich.“ Das Landesdenkmalamt hat von der Planung ebenfalls „bisher noch keine Kenntnis“, so eine Sprecherin. Auch Gemeinderat Michael Hosp (CSU), Referent für Denkmalschutz, sagt, er habe zu dem Bauvorhaben noch keine Unterlagen auf dem Tisch. Daher habe er sich noch keine Meinung bilden können. (roy)

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