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Django 3000-Geiger Florian Starflinger animiert die Party-Besucher. Vergeblich.

Stimmungs-Eiszeit bei Bayern 3-Party 

Müdes Pisten-Party-Volk bei Django 3000

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Garmisch-Partenkirchen - Gute Band, fades Publikum: Bei der Bayern 3-Pistenparty an der Drehmöser 9 heizten Django 3000 kräftig ein. Doch die Besucher ließ das eher kalt. 

Ihre Heimat ist das Chiemgau. In Wirklichkeit aber sind die vier Musiker der Band Django 3000 auf den kleinen Bühnen dieser Republik zu Hause. Je enger der Saal, jeder finsterer die Spelunke, je mehr Menschen sich auf einen Quadratmeter in den Turnhallen und Bierzelten pressen, desto wuider und besser die Party. Da würde selbst die Verordnung für Legehennen missachtet werden – wer die Djangos liebt, darf keine Platzangst haben. Und selbstverständlich muss es duften in diesen Schuppen und Schenken. Nach Schweiß, Alkohol und uralten Lederjacken. Nicht umsonst lädt Sänger und Gitarrist Kamil Müller gleich zu Beginn eines jeden Konzerts zur „wuiden und dreckigen Django-Party“ ein.

Bloß diese Einladung nahmen die paar hundert Skifahrer, die zur Bayern 3-Pistenparty an die Drehmöser 9 im Skigebiet Garmisch-Classic gekommen waren nicht an. Vielleicht weil die Skihaserl lieber auf Après-Ski-Hits von Helene Fischer bis Wolfgang Petry gehofft hatten, die nach dem Django-Konzert bis in die Nacht hinein liefen. Weil sie um 16.30 Uhr noch den Skifahr- aber noch lange nicht den Party-Modus eingelegt hatten. Weil die dunklen Gestalten, die eben am liebsten in dunklen Löchern auftreten, auf dem Balkon bei Tageslicht einfach im falschen Ambiente losrockten. Schweiß-Geruch? Alkohol-Duft? Fehlanzeige. Weil die Besucher keine Angst haben mussten, beim Abtanzen ihrem Nebenmann den Glühwein aus der Hand zu schlagen. Weil, weil, weil – das waren ganz schön viele weils, die alle ein wenig dazu beitrugen, dass nicht so recht Stimmung aufkam. Ein paar mal Arme Hochreißen. Mehr ging nicht.

An den vier Musikern lag’s kaum. Die alleine wären ja schon eine Attraktion gewesen. Schräge Typen sind die Chiemgau-Djangos, hemmungslos und dunkel. Von oben bis unten. Ihre Kleidung, ihre Sonnenbrillen – ja, die dürfen auch im Winter nicht fehlen –, oft auch ihre Musik. Zigeuner-Sound hätte man die Klänge früher getauft. Jetzt sagt man – damit die Politische Korrektheit gewahrt bleibt – lieber Gipsy-Musik. Die Djangos aber sind gewaltige Kerle. Und erst die Bärte. Gott sind das Prachtstücke. Längere und auffallender haben im Musikgeschäft wohl nur die Alt-Rocker von ZZ Top.

Nur Bassist Michael Fenzl spart sich die Haare im Gesicht. Sein Ersatz ziert seine Arme. Tätowierungen von oben bis unten. Trotzdem gibt er den Gegenpool der Gruppe. Hoch-gegelte Haare, kein wucherndes Barthaar. Er wirkt wie der trendige kleine Bruder, wie der Rebell. Seine Klänge aber machen Django 3000 zu etwas Besonderem. Was Fenzl aus seinem Kontrabass rausholt, unfassbar. Wenn er dann auf seinem Kontrabass reitet, wie ein Cowboy auf dem wildgewordenen Bullen, ja dann drehen sie eigentlich alle am Radl. Eigentlich. Selbst Florian Starflingers Kniffe kommen diesmal nicht richtig an. Teuflische Dinge stellt der mit seiner Geige an. Mal funktioniert er sie zur Gitarre um, mal flitzt sein Bogen so schnell über die Seiten, dass einem beim Zuschauen schwindlig wird. Die übrigen Zweifler überzeugt Sänger Kamil Müller. Ein einge-chiemgauerter Slowake mit Reibeisenstimme zwischen Joe Cocker und Russ Bray. Bray? Ja, kennen Sie. Der Typ, der beim Darts immer „180“ ins Mikrofon brüllt.

Müller plärrt andere Dinge hinein. Er singt von Lagerfeuer, von Freiheit, von Schnaps. Die perfekte Musik zum Abschalten. Alltag ist schließlich oft genug. Fesche Madeln gehören natürlich auch dazu. Solche wie die Heidi. Ein richtig heißer Feger. Der größte Hit der Chiemgau-Djangos (Titelmelodie der Garmisch Cops) läuft erst am Schluss auf ihrer Bonaparty-Tour, nachdem das dunkle Quartett von der Bühne huscht und die Meute „Zugabe, Zugabe“ grölt. Das macht bloß fast keiner. Also schleichen die Djangos einfach so zurück auf den Balkon. Peinlich berührt. Am Ende gibt’s ein wenig Applaus. Und gut ist. Kleiner Trost für die vier: Bei Bayern 3-Moderator Bernhard Fleischmann, ebenfalls eine Stimmungsgranate, hatte das Pisten-Publikum davor ebenso wenig mitgezogen.

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