Notdurft auf der Hüttenterrasse

Corona-Skitouren-Wahnsinn auf Bayerns Pisten: Jetzt reagieren Betreiber mit Maßnahme

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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  • Veronika Mahnkopf
    Veronika Mahnkopf
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Am Wochenende tummelten sich bei Neuschnee die Skitourengeher an den Pisten der Garmischer Berge. Verbotsschilder wurden teils ignoriert. Nun gibt es eine deutliche Maßnahme der Liftbetreiber.

  • Die Skilifte und Bergbahnen sind in Bayern wegen der Corona-Pandemie geschlossen, viele steigen auf Tourenski um.
  • Am Wochenende gab es zum Beispiel am Hausberg volle Parkplätze und Massen von Skitourengehern auf zum Teil gesperrten Pisten.
  • Nun haben die Liftbetreiber mit hohen Parkplatzgebühren reagiert.

Update vom 11. Dezember: Als Reaktion auf den Ausflügler-Andrang trotz geschlossener Skilifte hat die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen neue Parkgebühren beschlossen. Mit Beginn der Weihnachtsferien am 18. Dezember werden am Hausberg und Kreuzeck pro Tag 15 Euro fällig, wie die Bayerische Zugspitzbahn am Freitag mitteilte. Dafür öffnet das Unternehmen Toiletten der Talstationen für die Besucher, räumt und streut die Parkplätze regelmäßig.

Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) sagte, sie verstehe, dass viele Menschen in Corona-Zeiten in die Natur wollten. Dafür sei aber eine „angemessene Parkplatzsituation“ in der Gemeinde nötig, deshalb habe man gemeinsam „schnell gehandelt“. 

Auch andernorts versucht man, auf den Ausflügler-Andrang zu reagieren. Wo es möglich sei, würden die Toiletten der Lifte geöffnet, sagte eine Sprecherin des Liftverbundes Alpen Plus in Oberbayern. Teils steigen die Parkgebühren. „Wenn wir die Parkplätze räumen und streuen, müssen wir unsere Kosten decken.“

Update vom 8. Dezember: Nach den Berichten von einem Ansturm an Skitourengehern auf die Garmischer Berge, haben sich nun die Verantwortlichen aus dem Garmischer Rathaus und anderen Institutionen zu Wort gemeldet.

„Unsere Prognose ist vollumfänglich eingetroffen“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Koch nach dem ersten Winter-Wochenende. Von einem Chaos spricht niemand. Doch waren die Parkplätze am Hausberg und – laut Koch – am Kreuzeck voll. Die offizielle Aufstiegsstrecke glich einer Ameisenspur. Und das an einem Sonntag, an dem der Nebel über dem Ort hing, es unten zum Teil nieselte, oben der Niederschlag als Schneeregen daherkam. Auf den sozialen Plattformen wurde das Thema heftig diskutiert. Koch sagt zur Situation: „Das ist doch Wahnsinn.“

Gap-Bürgermeisterin fragt sich, wer haftet, wenn einem Skitourengeher etwas passiert?

Die Rathauschefin beschäftigt der rechtliche Punkt. Wer haftet? Wer übernimmt Verantwortung? Wer kontrolliert? Wer bestraft? Viele Fragen, kaum Antworten. Koch spricht von einer Hängepartie. Der Handlungsspielraum der Gemeinde ist überschaubar – positiv formuliert.

In diesen Tagen wird der Markt eine Verordnung erlassen, wonach Pisten während der Präparierung gesperrt sind – wie seit Jahren. Am Ansturm ändert das nichts. Auch nicht an der Ignoranz, die Koch beobachtet hat und beobachtet. „Viele halten sich nicht an Regeln.“ Die verschärften Corona-Beschränkungen, die morgen in Kraft treten, würden die Lage nicht entspannen. „Die Leute dürfen ja raus“, sagt Koch. Das Innenministerium äußerte sich am Montag nicht dazu, ob die Skitour etwa eines Münchners in Garmisch-Partenkirchen als triftiger Grund gilt. Man müsse den Verordnungstext zum Thema Skitouren abwarten.

Generell rechnet Koch damit, dass Pistengehen erlaubt bleibt. Mit BZB-Vorstand Matthias Stauch arbeitet sie an Steuerungsinstrumenten. Die viel diskutierte Parkplatzgebühr erscheint – in der Zeit ohne Bahnbetrieb – wahrscheinlicher denn je. „Natürlich müssen wir das jetzt machen“, sagt Koch. Zehn Euro pro Auto am Hausberg und an der Kreuzeckbahn schweben ihr vor.

Skitouren in Gap: Wo verrichten die Sportler alle ihre Notdurft?

Ein weiterer Punkt: „Wo verrichten die alle ihre Notdurft?“, fragt Koch. Um die Antwort selbst zu geben: in der Natur. Im Wald neben den Pisten. Um Liftanlagen herum. Schlimmer noch: sogar auf den Terrassen der Hütten. In einem Online-Forum der Initiative Dein Winter. Dein Sport. hatte Stauch davon berichtet, wo seine Mitarbeiter schon überall Dreck – jeglicher Art – weggeräumt haben. „Man glaubt es nicht.“ Deshalb überlegt das Unternehmen, am Parkplatz die Toiletten aufzusperren. „Das wäre ein Beitrag für die Natur“, sagt Schanda.

Die Natur und die Bewegung hat Christian Pritzl auf den Plan gerufen. Er gehört zum Vorstand des Skitourensportlervereins Garmisch-Partenkirchen, der sich während der Debatte vor einigen Jahren gegründet hatte. Auch er hat Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) geschrieben. Skipisten für die Corona-Bekämpfung zu Sportstätten zu deklarieren und zu sperren, hält er für „dogmatisch und nach der Ratio Legis wenig nachvollziehbar“, schreibt Pritzl, früherer Leiter des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen. Er verweist auf das Urteil vom 12. November 2013. Zudem bestehe weder beim Aufstieg noch bei der Abfahrt eine erhöhte Ansteckungsgefahr, Abstände ließen sich einhalten. „Andernfalls müssten Berg- und Wanderwege auch gesperrt werden, weil hier ein großräumiges Ausweichen oft nur schwer möglich ist.“

Garmisch-Partenkirchen: Skitourengeher tummeln sich für Aufstieg am Hausberg

Ursprünglicher Artikel vom 7. Dezember: Garmisch-Partenkirchen - Genau das hat Elisabeth Koch befürchtet: Skitourengeher bestiegen am Wochenende in Massen die gesperrten Pisten der Berge in Garmisch-Partenkirchen. Am Hausberg - der Parkplatz dort war in kürzester Zeit voll - reihten sie sich beispielsweise wie auf einer Kette aufgefädelt am Berg aneinander.

Die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen (CSU) hatte erst in der vergangenen Woche einen Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben. Der Tenor: Wenn der erste Schnee kommt, werden die Garmischer Berge von Skitourengehern bevölkert werden. Und wenn denen was passiert, wird es für die Bergwacht schier unmöglich, zu retten. Denn die Skilifte und Bergbahnen, die die Retter normalerweise zu Verletzten bringen, sind geschlossen. Das hat Söders Ministerium wegen der Corona-Pandemie verfügt. Sie lehne „jede Verantwortung ab“, stellte Koch klar.

Skitourengeher am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen: In Corona-Zeiten verboten?

Am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen sind am Wochenende Massen von Skitourengehern auf der Piste aufgestiegen.

Jetzt war es also so weit. Skitourengehen ist freilich nicht verboten. Auf - wegen Präparierungsarbeiten - gesperrten Pisten allerdings schon. Das war schon vor der Corona-Pandemie so, auch da hat sich nicht jeder dran gehalten. Auch jetzt werden immer wieder Tourengeher beobachtet, die die rot blinkenden Verbotsschilder ignorieren. Ein weiteres Problem in diesem Jahr: Viele Menschen gehen Skitouren, die zuvor nur Skifahrer waren und keine Erfahrung mit Touren haben. Sie tummeln sich nun auf den Pisten. Es ist eben der einfachste Weg hinauf auf den Berg - und auch für jene machbar, die sich mit dem Begehen von einsamen Wegen hinauf und den Örtlichkeiten überhaupt nicht auskennen. Ob die Pisten im Corona-Lockdown als Sportstätten gelten und sie daher generell tabu sind, muss die Bayerische Zugspitzbahn selbst in diesen Tagen erst noch klären.

Garmisch-Partenkirchen: Auf Facebook wird Situation mit Skitourengehern kontrovers diskutiert

In der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Garmisch-Partenkirchen, wenn...“ hat jemand ein Foto vom Hausberg am Wochenende gepostet. Die Bilder haben eine hitzige Debatte ausgelöst. Während die einen kein Problem sehen - trotz Verbotsschild - , es befürworten, wenn sich die Menschen an der frischen Luft bewegen, schlagen die meisten die Hände über dem Kopf zusammen. „Geht gar nicht“, schreibt einer. Ein anderer vermutet, „falls was passiert, wird per Rechtschutzversicherung doch versucht, den Pistenbetreiber dafür verantwortlich zu machen!“

GAP soll Skitourengeher abkassieren, fordert eine Anwohnerin

Eine Garmisch-Partenkirchenerin schlägt vor, aus der aktuellen Lage Profit zu machen: Die Skitourengeher sollen für den Aufstieg bezahlen, ein Ticket lösen, als würden sie Lift fahren. „Dann haben alle was davon, auch die Liftbetreiber. Pisten präparieren und abkassieren. Dann ist es gerecht.“ Auch „unsere Münchner“ könne man dann zur Kasse bitten.

Was die Gemeinde zu diesem Vorschlag sagt, welche Regelungen nach den neuen Bestimmungen ab Mittwoch für Skitourengeher gelten, ob Markus Söder auf Kochs Brandbrief reagiert hat und was nach diesem Ansturm auf die Garmischer Berge passieren muss, lesen Sie später an dieser Stelle.

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Rubriklistenbild: © PETER KORNATZ

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