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Das Estergebirge ist eine schützenswerte Naturlandschaft.

Runder Tisch zu Natura 2000

„Einstieg in die Öko-Diktatur“

Dem Wallgauer Bürgermeister schwant Übles: „Der Managementplan ist zutiefst undemokratisch. Das ist der Einstieg in eine Ökodiktatur.“ Damit gießt Hansjörg Zahler (CSU) bereits im Vorfeld des Runden Tisches Öl ins Feuer.

Wallgau – Die  Kritik Zahlers richtet sich an das Weilheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das am Montag, 16. September, in Wallgau (10 Uhr, Haus des Gastes) über den von Zahler so gegeißelten Managementplan zu den zwei Natura-2000-Gebieten im Estergebirge informiert.

Soviel ist sicher: Es wird ein Treffen voller Brisanz und gegenteiliger Meinungen. Bei dieser Konferenz unterrichtet die Behörde die Grundstückseigentümer, Waldbesitzer, Jäger, Alpenverein, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Almbauern über die Umsetzungen der Natura-2000-Initiative, die nicht wenige als staatlich verordnete Enteignung betrachten.

Dahinter steckt ein europäischer Biotopnetzverbund, durch den die biologische Vielfalt der natürlichen Lebensräume und der wild lebenden Pflanzen und Tiere aufrechterhalten werden soll. Grundlage für den Aufbau von Natura 2000 im Estergebirge sind die 6075 Hektar große FFH-Fläche (Flora-Fauna-Habitat) und das 11 993 Hektar umfassende SPA-Gelände (Special Protection Areas), das einem Vogelschutzgebiet entspricht.

Zahler findet es „befremdlich, wie hier vorgegangen wird“. Das AELF gebe Ziele vor, stelle Planungen auf, „ohne Rückbezug auf die tatsächlichen Besitzverhältnisse“. Der Bürgermeister bemängelt darüber hinaus, dass die Gemeinden und Grundstücksbesitzer kein Mitspracherecht beim Managementplan hätten.

Alois Kramerist Chef der Krüner Forst- und Weidegenossenschaft. foto: prei/A.

In die gleiche Kerbe schlägt Alois Kramer aus Krün. Es gebe im Rahmen des Managementplans Formulierungen des Landwirtschaftsamts und Kartierungen in Bezug auf Mähwiesen, „die sind nicht in Ordnung“, betont der CSU-Gemeinderat und gleichzeitig Vorsitzender der Forst- und Weidegenossenschaft. Generell sei der Runde Tisch für die beiden Natura-2000-Gebiete im Estergebirge „eine diffizile Sache, sehr kompliziert“, sagt Kramer.

Auf der einen Seite steht das gut 400 Seiten starke Werk der Behörde. Die EU fordert einen guten Zustand der Natura-2000-Areale. Naturschutz- und Forstbehörden erfassen im Managementplan Lebensräume sowie Arten und formulieren Vorschläge für Erhaltungsmaßnahmen. Dies steht jedoch häufig im krassen Gegensatz zu den Bedürfnissen von Wald- und Grundbesitzern. „Wir wollen die Almbeweidung aufrecht erhalten“, betont Kramer. Zudem sei es ihnen wichtig, Tränkestellen und Lichtweideflächen zu nutzen sowie die Infrastruktur zur Verfügung zu haben, um die Weidewirtschaft fortzuführen. Kramer fordert deshalb, die Beweidung im Managementplan zu verankern.

Ob derlei Anregungen aufgenommen werden können, hängt Markus Heinrich zufolge davon ab, inwieweit Schutzgüter betroffen sind. Der AELF-Experte nennt dabei Rückzugsgebiete für Arten im Estergebirge und schützenswerte Naturlandschaften. Er appelliert an den Zusammenhalt: „Nur durch gemeinsames Handeln aller Beteiligten lässt sich der Zustand der Gebiete und damit die wertvolle Kulturlandschaft erhalten.“ Heinrich gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus: „Anregungen und Wünsche werden am Runden Tisch diskutiert und gegebenenfalls in den Managementplan einfließen.“

Alexander Kraus

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