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Aus dem gesellschaftlichen Leben im Landkreis ist die Volksmusik, hier die Mittenwalder Zithermusik, nicht wegzudenken.

„Abgeschoben ins Reservat“

Bayern 1 verbannt Volksmusik: Abgeordneter plant Petition

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Garmisch-Partenkirchen  - Die Programmreform des Bayerischen Rundfunks stößt auf massive Kritik. Landtagsabgeordneter Florian Streibl plant eine Unterschriftenaktion. Ex-MdL Johann  Neumeier schreibt einen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer.

Sie verkörpert das Leben in Bayern. Wie die Prozession an Fronleichnam, das Maibaumaufstellen, die Lederhos’n, das Bier, die Weißwurst, Trachtenfeste und so weiter. Echte, überlieferte Volksmusik ist ein Eckpfeiler im Freistaat. Im Radiosender Bayern 1 ist dafür künftig kein Platz mehr. Ab Pfingsten ändert der Bayerische Rundfunk sein Programm und zieht die Volksmusiksendungen, die bisher auf Bayern 1 laufen, komplett zu „BR Heimat“, der neuen Digitalwelle. Für Peter Egner, Gausängerwart der Oberländer Trachtenvereinigung, ist’s „wie ein Schlag ins Gesicht“ – und er meint weiter: „Jetzt stecken’s die Volksmusik ins Reservat, wie früher die Indianer.“

Betroffen von der Entscheidung des BR sind die sonntägliche „Blasmusik“ sowie die vor allem in ländlichen Gebieten sehr beliebte, tägliche Volksmusiksendung zwischen 19 und 20 Uhr. Hintergrund dieser groß angelegten Programmreform sind Bestrebungen zur Neuausrichtung. Im Umfeld von stetig zunehmender Rock- und Popmusik sei klassische Volksmusik laut Hörfunkdirektor Martin Wagner „immer weniger erwartbar“. Ab dem 15. Mai zieht die Volksmusik komplett zum Digitalkanal „BR Heimat“ um, der es seit dem Start im Februar 2015, so der Sender, schon auf rund 110 000 Hörer gebracht habe. Volks- und Blasmusik hätten dort künftig mehr Platz denn je, sagen die BR-Leute. Allerdings ist die Musik dann nicht mehr wie bisher analog über UKW zu hören, sondern nur noch digital. Dazu braucht’s aber ein eigenes Digitalradio oder man rüstet nach.

Eine klare Meinung vertritt Georg Mangold, Ehrenvorsitzender der Oberländer Trachtenvereinigung: „Stück für Stück wird immer mehr von unserem Kulturgut zurückgefahren. Es heißt ,Bayerischer Rundfunk‘, oder? Da gehört doch bayerische Musik dazu.“ In selbe Horn stößt Peter Egner: „Es gibt ein Rundfunkgesetz, und nach dem hat der BR einen Kulturauftrag. Der wird von dem Sender aber schon seit Jahren sträflich missachtet. Und jetzt werden die letzten verbliebenen 50 Minuten Volksmusik auch noch gestrichen und in ein Ghetto verbannt, sauber!“ Egner gibt zu, dass er persönlich inzwischen immer häufiger auf Radio Tirol und Radio Salzburg umschalte: „Die bringen noch unverfälschte Volksmusik.“ Der Garmisch-Partenkirchner hat nachgerechnet: „Der BR hat fünf Programme im UKW-Bereich, die 24 Stunden am Tag senden, das sind 120 Stunden. Nicht einmal für eine Stunde bayerische Volkskultur bleibt da Zeit, das ist schon beschämend.“

Dem Bayerischen Rundfunk bläst inzwischen auch politisch ein immer heftigerer Gegenwind ins Gesicht: Gestern kündigte der Oberammergauer Landtagsabgeordnete Florian Streibl von den Freien Wählern an, er wolle eine Unterschriftenaktion „gegen diesen Fehlgriff starten“. Die Aktion sei ein medialer Raubbau am Brauchtum; der Sender solle doch stolz sein auf das, was Musikanten aus dem Werdenfelser Land, dem Tegernseer Tal, aus Miesbach und Umgebung, aus dem Pfaffenwinkel und dem Tölzer Land leisten.

Auch der frühere CSU-Landtagsabgeordnete Johann Neumeier aus Unterammergau fühlt sich „aufgeschreckt“. Er schrieb sogar einen Brief an Ministerpräsident Seehofer, in dem er diesen auffordert, „Deinen Einfluss beim BR dahingehend geltend zu machen, dass . . . die angedachte ,Verjüngung’ nicht zu Lasten der Volksmusik erfolgt“. Der Verweis des BR aufs Digitalradio sei eine Frechheit: „Das sollten wir uns nicht gefallen lassen.“

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