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Eisiges Vergnügen: Zwei Bundespolizisten tauchen im vier Grad kalten Ferchensee.

Spezialtraining im Ferchensee

Bundespolizei auf Tauchstation

Mittenwald - Erstmals hat die Bundespolizei ein Spezialtraining in Mittenwald absolviert. Bei Minustemperaturen lernte sie den Ferchensee von einer anderen Seite kennen.

Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben eines Berufstauchers: Das Arbeiten und Agieren unter zentimeterdickem Eis. 17 Einsatzkräfte der Bundespolizei trainierten hierzu unter sibirischen Verhältnissen am Mittenwalder Ferchensee.

Das Einstiegsloch, nur wenige Meter breit, die Eisdecke 30 Zentimeter dick und mit Schnee bedeckt. Im vier Grad kalten Wasser steigen sie hinab in eine völlig abgeschirmte Welt, die mit der eines üblichen Tauchgangs im warmen See oder tropischen Meer nichts mehr gemein hat. Die Kälte lässt fast das Gesicht erfrieren, die ausgeatmete Luft tänzelt in kleinen und großen Blasen an der Unterseite der Eisdecke.

„Selbst bei Tag ist es da unten stockfinster“, beschreibt Einsatzleiter Falko Steinmetz die Szenerie. Er und seine 16 Kollegen aus Lübeck, Berlin und Bonn verbrachten fast eine Woche im Oberen Isartal. Kein Fehler wird bei diesem speziellen Tauchgang verziehen. Bis auf das kleine Einstiegsloch führt kein Weg mehr nach oben. Deshalb bilden sich die Taucher der Bundespolizei einmal im Jahr in dieser Disziplin fort. „Es müssen besondere Sicherheitsstandards erfüllt werden“, erklärt Bundespolizist Steinmetz. Schon beim Fertigmachen behängen sich die Taucher mit zahllosen Messgeräten, Uhren und vielen Lampen. Eine Vollgesichtsmaske sorgt dafür, dass die Polizisten auch unter Wasser mit der Einsatzleitung kommunizieren können – und vor allem untereinander. Denn alleine geht keiner ins Wasser.

Mit einer ungeölten Motorsäge schnitten die Beamten ein etwa zwei Quadratmeter großes Loch in die Eisdecke des Ferchensees. Dort werden die Taucher mit entsprechenden Leinen gesichert – eine Lebensversicherung, wie Steinmetz weiß. „Sollte etwas passieren oder jemand die Orientierung verlieren, dann können wir ihn mit diesem Seil wieder hoch ziehen.“

Denn in absoluter Dunkelheit ist schnell einmal vergessen, wo oben und unten ist. Maximal sechs Meter tief wird getaucht – zum Schutz der Fische. Denn diese gehen im Winter ebenfalls auf Tauchstation und vegetieren am Boden des Ferchensees. Sie dürfen deshalb nicht aufgeschreckt werden, lautet die Auflage des Landratsamtes.

Um überhaupt zum See zu gelangen, mussten die drei grünen Lkw mit Schneeketten ausgestattet werden. Die Vorbereitungen für die Tauchgänge dauerten insgesamt einen halben Tag. Geübt wurden verschiedene Suchverfahren. Wenn es ernst wird, sind die Taucher bei „der Suche nach Personen und auch nach Gegenständen“ bundesweit beteiligt, erläutert der Einsatzleiter.

Während des G7-Gipfels im vergangenen Jahr hatten die Bundespolizisten ebenfalls im Fünf-Sterne-Plus-Hotel Elmau Bereitschaftsdienst. „Da mussten wir jeden noch so kleinen Teich auf dem Schlossgelände absuchen“, erinnert sich Steinmetz. Zudem inspizierten sie vor dem Treffen der Superlative die großen Wasserbehälter.

Doch der Grund war nicht der Gipfel im Juni 2015, warum die Taucher sich heuer für den Ferchen- und Walchensee entschieden. „Durch den aktuellen Flüchtlingsstrom konnten wir unsere sonstige Übungsstätte, den Spitzingsee im Kreis Rosenheim, leider nicht besuchen“, klärt Steinmetz auf. Denn die Unterkünfte in den Rosenheimer Kasernen seien allesamt belegt. Josef Hornsteiner

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