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Bedingungslose Verehrung

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Die Spiele sind eröffnet: Vom Balkon des Olympia-Hauses aus sprach Adolf Hitler kurz zu den Zuschauern. Foto: archiv
Die Spiele sind eröffnet: Vom Balkon des Olympia-Hauses aus sprach Adolf Hitler kurz zu den Zuschauern. Foto: archiv

Garmisch-Partenkirchen - Trotz Redeverbots bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 1936 feierten die Massen Adolf Hitler frenetisch. Die bloße Anwesenheit des damaligen Reichskanzlers sorgte für Jubel.

Nur ein einziger Satz war es, den Adolf Hitler am 6. Februar 1936 vor den etwa 60 000 Menschen sagen durfte. „Ich erkläre die IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen für eröffnet.“ Ein einziger Satz. Mehr nicht. „Er war deshalb ziemlich wütend“, weiß Historiker Alois Schwarzmüller. „Er hätte gern mehr Worte an die Zuschauer gerichtet.“ Doch das Schimpfen des Reichskanzler nutzte nichts. Henri de Baillet-Latour, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, machte ihn kurz vor Beginn der Eröffnungsfeier noch einmal darauf aufmerksam, dass die Charta der Spiele ausschließlich die zehn Worte für das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes vorsah. Es blieb dabei. Nur ein Satz.

Seine Anwesenheit reichte für viele der Zuschauer sowieso schon aus. „Jubelnde Heilrufe steigerten sich zum Orkan, als Adolf Hitler auf dem Ehrenbalkon des Olympia-Hauses erschien“, heißt es in dem offiziellen Bericht von 1936 über die Ankunft des Ehrengastes.

Doch Hitler blieb nicht die gesamte Zeit in Garmisch-Partenkirchen, reiste stets nur für einzelne Veranstaltungen an. Direkt von Oberbayern aus fuhr er unter anderem nach Schwerin. „Dort wurde der NS-Statthalter Wilhelm Gustloff beerdigt“, erzählt Schwarzmüller, früher Lehrer am Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen. Gustloff war in der Schweiz von einem jüdischen Medizinstudenten erschossen worden. In seiner Grabrede soll sich Hitler zurückgehalten haben - vor allem, weil wegen der Sportveranstaltung in Garmisch-Partenkirchen alle Welt nach Deutschland blickte und sich so die Chance ergab, sich friedlich und freundlich zu präsentieren. Antisemitische Plakate im Ort wurden abgenommen, die Verfolgungen im Werdenfelser Land vorerst eingestellt - alles im Sinne der Olympischen Werte. „Dabei hasste Hitler eigentlich das internationale Prinzip des Sports“, betont Schwarzmüller. Der Kanzler sei davon ausgegangen, dass es irgendwann rein Deutsche Olympische Spiele geben würde.

Neben der Eröffnungsfeier war Hitler auch bei einzelnen Wettkämpfen zugegen. So sah er am 13. Februar die Sieges-Kür von Maxi Herber und Ernst Baier im Eiskunst-Paarlauf. Auch ein Eishockeyspiel schaute sich das Nazi-Oberhaupt an. Immer zugegen: Zahlreiche Besucher, die Hitler um Autogramme baten. Besonders großen Andrang gab es zur Schlussfeier am 16. Februar 1936. Zwischen 130 000 und 150 000 Zuschauer waren gekommen. „Ein großer Teil des Publikums marschierte nicht ab, um den Führer zu sehen“, heißt es in einem Bericht. Die Massen durchbrachen die Absperrungen und stürmten den Vorplatz - dass damit die Abfahrt der Ehrengäste blockiert wurde, war egal. Zu groß war die Verehrung Hitlers. Wohin diese führte, ist bekannt. (kma)

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