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Volles Haus: das Festzelt Garmisch ist seit Jahren für gute Stimmung bekannt. 

Organisator Ruf: „Es soll kein Volksfest sein“

Festwoche Garmisch: Brauchtum und Tradition stehen im Zentrum

Zum 67. Mal laden die Garmischer Trachtler ab Samstag, 29. Juli, ins Bierzelt ein. Neun Tage Musik, heitere Stimmung und bayerische Schmankerl. Im Zentrum des Festes stehen weiterhin Tradition und Brauchtum.

Garmisch-Partenkirchen. – „Man derf ja nix vergessen.“ Der eindringliche Ausdruck in den Augen und das bestätigende Kopfnicken zeigen, dass es Christian Ruf ernst ist. Beim Chef des Garmischer Trachtenvereins laufen auch in diesem Jahr alle Fäden zusammen: Zum sechsten Mal organisiert er die Garmischer Festwoche. Ab Samstag, 29. Juli, laden die Trachtler zum 67. Mal neun Tage ins Bierzelt am Wittelsbacher Park ein.

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Zelt und Bühne müssen aufgebaut werden. Unzählige Holzbalken sind dafür notwendig. „Das machen wir alles selbst“, sagt Ruf. Dass er sich auf die Jugend des Trachtlervereins auch dieses Jahr verlassen kann, macht ihn stolz. „Alle helfen immer zusammen, nur so klappt es.“ Um die 170 Tische müssen aufstellt und geputzt sein, wenn am Samstagabend die ersten Gäste kommen. An die 9000 erwarten Ruf und seine Mannschaft über die Festwoche.

Erst seit dem Zweiten Weltkrieg ein Zelt

„Diese Art zu feiern, gibt es eigentlich schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts“, erzählt er. Anfangs hieß es Parkfest und fand im Freien statt. Am Riessersee und später am Sonnenbichl. Erst seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es Ruf zufolge ein großes Zelt. Der Flexibilität wegen. So kann bei jedem Wetter gefeiert werden. 1951 fand die Festwoche zum ersten Mal am aktuellen Platz statt, am Wittelsbacher Park. Der Beginn der modernen Zeitrechnung für die Garmischer Trachtler.

Und diese lange Tradition verpflichtet. „Das Fest ist jedes Jahr in erster Linie für uns“, sagt Ruf. Brauchtum und Vergangenheit werden bei ihm großgeschrieben. „Danach erst denke ich auch an unsere auswärtigen Gäste.“ Nur so kann Tradition mit dem Wandel der Zeit gehen: durch die Bewahrung alter Wurzeln mit einem Bewusstsein für die Gegenwart. „Es soll kein Volksfest sein“, das betont Ruf vehement.

Party mit Tromposaund und Dreisam

Um nichtsdestotrotz zeitgemäß zu sein, spielt jedes Jahr eine neue Band am sogenannten Zeltabend. 2017 ist es „Tromposaund“. Sechs Burschen vom Starnberger See mit Trompeten und Posaunen sorgen am Donnerstag, 3. August, unter dem Motto „griabig – schmissig – lässig“ für Partystimmung. Auf die einheimischen jungen Musikgruppen aus den Reihen des Vereins ist Ruf allerdings besonders stolz. Die „Garmischer Gunglmusi“, „De Griabigen“ und „Viermalig“ sind an verschiedenen Abenden (siehe Programm) für ebenso zünftige Unterhaltung zuständig. Auch die Fest- und Heimatabende dürfen im Garmischer Zelt nicht fehlen. Übrigens die Lieblingsabende von Organisator Christian Ruf. Traditionelle Auftritte wie der historische „Alte Tanz“, die Schuhplattler, die Holzhacker und die Musikkapelle Garmisch sind nicht wegzudenken. Außerdem sorgt auch heuer die Band „Dreisam“ für ausgelassene Laune im Bierzelt.

Steinheben besonders beliebt

Die Fingerhakler von Garmisch sind ebenfalls wieder im Programm vertreten: Sie richten erneut das große Steinheben um den Alpenpokal aus. „Das ist besonders beliebt bei den Bierzeltgästen“, weiß Ruf. Noch am Abend der Veranstaltung können sich Mutige – Männer wie Frauen – zu dem Wettbewerb anmelden, bei dem ein 509 Pfund schwerer Stein in die Luft gehoben werden muss. Je höher, desto besser.

Das Programm der 67. Garmischer Festwoche steht also. „Ob wir etwas vergessen haben?“ Nein, eine Panne gab es aber allemal. Auf dem ersten Schwung gedruckter Plakate zur Veranstaltung wurde der 19. Juli als Startdatum angegeben – und nicht korrekterweise der 29. Juli. Einige Exemplare hingen bereits am Ortseingang. „Über zwei Wochen Bierzelt? Das wäre sogar mir zuviel“, scherzt der langjährige Organisator. Die Liebe zur Festwoche steht ihm ins Gesicht geschrieben und spricht aus jedem Wort. „Das ist Glanz und Höhepunkt für Garmisch jedes Jahr.“

Martina Baumeister

Das Programm

Samstag, 29. Juli 

19.15 Uhr: Aufstellung von Volkstrachtenverein, Musikkapelle und Trommlerzug am Josefsplatz; Abmarsch durch die Fußgängerzone über den Richard-Strauss-Platz zum Festzelt.
20 Uhr: Eröffnung der 67. Garmischer Festwoche durch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer, anschließend Heimatabend mit der Musikkapelle Garmisch, der Jugendgruppe, den Schuhplattlern, den Holzhackern und dem„Alten Tanz“.

Sonntag, 30. Juli 
20 Uhr: Bayerischer Heimatabend, gestaltet von der Musikkapelle Garmisch, der Jugendgruppe, den Schuhplattlern, den Holzhackern, dem Historischen „Alten Tanz“ und „Viermalig“. 

Montag, 31. Juli 
20 Uhr: Großes Steinheben um den Alpenpokal in vier Gewichtsklassen. Umrahmt von der Musikkapelle Garmisch. 

Dienstag 1. August 
20 Uhr: Partystimmung am Bierzeltabend mit der Kultband „Dreisam“, Eintritt acht Euro, Einlass ab 16 Jahre. 

Mittwoch 2. August 
15.30 Uhr: Kindernachmittag mit Schaustellerbetrieb am Festplatz.
16.30: Eppisburger Puppentheater.
20 Uhr: Bayerischer Heimatabend. 

Donnerstag, 3. August 
20 Uhr: Zeltabend mit „Tromposaund“ vom Starnberger See – ganz nach dem Motto „griabig – schmissig – lässig“. 

Freitag 4. August 
20 Uhr: Tag der Betriebe, Vereine und Stammtische; zum Tanz und zur Unterhaltung spielt das beliebte „Werdenfels-Sextett“ aus Garmisch-Partenkirchen; Heitere Einlage mit „De Griabign“ und den Garmischer Schuhplattler-Madln und -Buam. 

Samstag, 5. August 
20 Uhr: Bayerischer Heimatabend. 

Sonntag, 6. August 
20 Uhr: Abschlussabend

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