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Schnell dran gewohnt: (v.l.) Matthias Strobl, Dora Carli und Maximilian Scharffenberg (r.) - 2.v.r. Abt Barnabas Bögle.

Motto in Klosterschule: Samstags immer

Ettaler Gymnasium: Bleibt der Samstagsunterricht?

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Ettal - Zu einer Umfrage waren die Eltern am Benediktinergymnasium in Ettal aufgerufen: Es galt, über die Beibehaltung des Samstagsunterrichts abzustimmen.

Auf den ersten Blick winken viele Eltern und Schüler wohl ab: „Samstagsunterricht? Nein, danke! Fünf Tage reichen vollauf.“ Als einzige Schule im Landkreis müssen Kinder und Jugendliche am Benediktinergymnasium Ettal auch am sonst überall freien sechsten Tag in der Woche die Schulbank drücken. „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, beschreibt es Abt Barnabas Bögle.

Dennoch stellte die Abtei diesen Sonderstatus jetzt auf den Prüfstand, „um die Entwicklung im Auge zu behalten und vielleicht nicht krampfhaft an etwas festzuhalten, was schon überholt ist“, so der Leiter der Mönchsgemeinschaft. Unter den Eltern wurde eine Befragung initiiert, ob der Samstagsunterricht auch in Zukunft beibehalten werden soll. Das Ergebnis: Eine deutliche Zwei-Drittel-Mehrheit plädiert für eine Fortführung. Für Abt Barnabas „eine Bestätigung unseres Kurses“. Das Ettaler Modell beinhaltet nicht nur den Samstag. Damit einher geht auch die Praxis, dass durch die Verteilung des Unterrichts auf sechs Wochentage die Nachmittage frei bleiben. Nach Ansicht Bögles würden gerade in Zeiten, in denen die Schule immer mehr von den Heranwachsenen fordere, Freiräume immer wichtiger, für Hobbies wie Musik oder Sport, Mitwirkung in Vereinen, soziale Kontakte oder einfach nur zum chillen (ausspannen). Das Modewort dafür lautet: Entschleunigung.

Die Regelung am Benediktinergymnasium beinhaltet auch, dass grundsätzlich keine schriftlichen Hausaufgaben von Samstag auf Montag aufgegeben werden und die Schüler zum Ausgleich an Allerheiligen, Fasching und im Sommer immer ein paar Tage länger Ferien haben. Der Vorsitzende des Elternbeirats, Bernhard Winter, betont: „Wer die Vorteile des Samstagsunterrichts erstmal kennengelernt hat, möchte sie nicht mehr missen.“ Schüler-Mutter Johanna Fabricius aus Oberau ergänzt: „So bleibt Zeit für Musik, Sport und soziales Engagement.“

Vorteil: Länger Ferien

Auch die Schüler selbst, die mitunter manchmal von Kameraden, die auf andere Schulen gehen, etwas aufgezogen werden, haben sich mit der speziellen Ettaler Situation arrangiert. Wie die angehende Abiturientin Dora Carli aus dem Kreisort: „Ich hatte mich schnell daran gewohnt und möchte es nicht mehr anders haben.“ Matthias Strobl aus Schlehdorf und Maximilian Scharffenberg aus Murnau finden es „eine Super-Sache, weil daher bei uns Ferien oft früher beginnen. Da werden wir von unseren Kumpels von anderen Schulen dann schon darum beneidet.“ Nochmal Scharffenberg: „Man lernt es zu schätzen, das bringt viele Vorteile mit sich.“ Allerdings: Für ältere Schüler, die am Freitagabend fortgehen, auf Partys oder in Kneipen, stellt der samstägliche Unterricht in Ettal mitunter schon ein kleines Problem dar, wenn bei kurzen Nächten am nächsten Tag in der Früh der Wecker klingelt . . .

Sollte die Regelung irgendwann tatsächlich einmal gekippt werden, „haben wir“, so weiß Internatsleiter Frater Gregor Beilhack, „schon ein Alternativ-Modell in der Schublade“.


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