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Spannender Abend: Schauspieler Hans Sigl (r.) und Pianist Helmut Deutsch.

Schauspieler erzählt von Liebe und Leid

"Bergdoktor" Hans Sigl zeigt sich von der romantischen Seite

Elmau - Eigentlich kennen ihn seine Fans aus dem Fernsehen, jetzt konnten sie Hans Sigl live in Schloss Elmau erleben. Der Schauspieler präsentierte er sich als Rezitator romantischer Melodramen. Und auch damit kam er bei seinem Publikum an. 

Es ist mitunter spannend, wenn ein Schauspieler, den man aus dem Fernsehen kennt, leibhaftig auf einer Bühne steht. Und wenn er dann auch noch von Liebe und Leid, Lust und Wonne, Schauer und Schrecken erzählt, ist das etwas ganz Besonderes. Hans Sigl kennen viele als Ermittler bei der Soko Kitzbühel oder auch als „Bergdoktor“ in der gleichnamigen Serie. Im Konzertsaal von Schloss Elmau präsentierte er sich ganz anders: als Rezitator romantischer Melodramen. Dabei hatte er den renommierten Pianisten Helmut Deutsch an seiner Seite.

Diese Melodramen, Gedichte und Balladen, die mit musikalischer Begleitung vorgetragen werden, waren im 19. Jahrhundert eine spannende Abendunterhaltung. Darin findet sich alles, was man schon in der Romantik in Deutschland so liebte: Geister, unheimliche Visionen, aber auch Idyllen und Geschichten von ewiger Liebe. Zugegeben, die Emotionalität ist uns heute manchmal etwas fremd, auch wenn Sigl in seinem Vortrag nicht versuchte, die Gefühle, von denen er las, übertrieben hervorzuheben. Dafür sorgte schon die Musik, wenn sie sämtliche Situationen zu umschreiben suchte. Manchmal erinnerte das Ganze etwas an die Anfänge der Stummfilmzeit, als die ersten bewegten Bilder auf der Leinwand live mit Klaviermusik untermalt wurden.

In den Melodramen aus der Feder von Schumann, Liszt, Strauss und anderen werden zumeist innere Vorgänge, Träume, Erinnerungen oder Selbstgespräche thematisiert. Beispielsweise besteht das „Hexenlied“ von Max von Schillings, das von den Geschehnissen in einem Kloster berichtet, im dramatischen Hauptteil aus einer Art Beichte. Es spricht der Bruder Medardus, der im Sterben liegt und seinen Mitbrüdern zum ersten Mal von einem Mädchen erzählt, in das er sich vor 50 Jahren verliebt hat. Sie sollte als Hexe verbrannt werden, und er hat es damals nicht über sich gebracht, das Mädchen vor dem Tod zu retten.

Man kann wohl sagen, dass es den beiden Künstler in Elmau auf beeindruckende Weise gelungen ist, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Der Wechsel aus freiem und rhythmisch sehr genauem Vortrag sorgte dafür, dass viele Szenen dem Zuhörer lebendig vor Augen traten. Und augenzwinkernd verabschiedete sich Sigl: „Vielen Dank, dass Sie so freundlich waren, uns zu folgen in diese Abgründe.“

Heribert Riesenhuber

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