Imposante Kulisse: Das Anzünden der Feuer beginnt, wenn der Tag endet. foto: privat

Die Berggipfel leuchten wieder

Garmisch-Partenkirchen - An diesem Samstag brennen die Johannifeuer rund um Garmisch-Partenkirchen.

Bei Einbruch der Dunkelheit geht es los: Mit literweise Öl bepackt, machen sich viele Einheimische auf den Weg nach oben - zu den Berggipfeln der Region. Die Johannifeuer werden entzündet. Ein verbreiteter Brauch im Raum Garmisch-Partenkirchen. „Jedes Jahr am 23. Juni brennen die Feuer auf den Bergen“, erzählt Josef Karg.

Der Garmisch-Partenkirchner lebt diese Tradition seit seiner Jugend. „Mit 13 Jahren war ich das erste Mal dabei.“ Jetzt ist er 53. Der alteingesessene Garmischer geht traditionell auf den Kramer. Am Grat brennen die Feuer. Für die verschiedenen Plätze gibt es eine Art Hierarchie: „Ich hab’ ganz unten mit dem Feuer angefangen und mich dann bis zum Gipfelkreuz hochgearbeitet‘“, erzählt Karg.

Er selber hat vor ein Paar Jahren den höchsten Punkt aber wieder abgegeben, „um den jüngeren Generationen die Chance zu geben“. Der Kramergipfel ist es auch, der „den Startschuss“ gibt. Brennt das Feuer ganz oben, sind nachfolgend erst der Schafwankl, Mittergern und der Königsstand an der Reihe.

„Meist nimmt man ein aufgeschnittenes Stahlblechfass, füllt es mit Rapsöl und zündet das Ganze mit einem Leinentuch an“, sagt Karg. Recht bequem - verglichen mit früher. „Ältere Generationen haben immer erzählt, wie mühsam es gewesen ist, das Holz nach oben zu schaffen - vor allem wenn man oberhalb der Baumgrenze stationiert war“, erinnert sich Andreas Baumann vom Werdenfels Museum. Bei Regen oder schlechter Sicht fällt das Spektakel ins Wasser, doch das passiert selten. „In meinen 40 Jahren ist es nur zweimal ausgefallen“, erinnert sich Karg. Und wenn doch? „Wird es auf gar keinen Fall verschoben!“ Dieser Meinung schließt sich Anton Vogg an. Er ist einer der passionierten Anzünder in Grainau. „Bei uns geht es nur um die Tradition. Es ist keine Tourismusveranstaltung wie in Österreich.“ In Ehrwald nehme man es mit dem Datum auch nicht so genau. „Die machen’s, wenn das Wetter passt.“ Viele Einheimische und Besucher staunen Jahr für Jahr, sobald die lodernden Flammen aus der Dunkelheit hervorleuchten. Damit wird der Geburtstag von Johannes dem Täufer geehrt. „Der Brauch stammt noch aus der heidnischen Zeit“, erzählt Baumann. „In Mundart spricht man vom Sommer-Hansel.“ Sein Pendant ist der Winter-Hansel am 27. Dezember. Die Gedenktage sind Symbol für die Sonnenwende. Während der Geburtstag von Johannes dem Täufer am 23. Juni das Zeichen für die kürzer werdenden Tage ist, gilt es beim Geburtstag vom Apostel Johannes genau umgekehrt: „An den Evangelisten erinnert man am 27. Dezember - also dann, wenn die Tage wieder länger werden“, erklärt Baumann.

Seit Generationen wird Johannes der Täufer in der Gegend sehr verehrt: „Früher hat in der Nacht von 23. auf 24. Juni die ganze Nacht die Glocke der Farchanter Kirche geläutet“, erinnert sich der Museumsleiter. Auch wenn die Verehrung des Heiligen „nicht mehr an erster Stelle steht“, wie Baumann findet, so hat sich der Brauch doch über die Jahrhunderte erhalten. Und viele Einheimische machen sich auch an diesem Samstag wieder auf den Weg und bringen die Berggipfel rund um Garmisch-Partenkirchen zum Leuchten.

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