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Gute Zusammenarbeit: Der ADAC-Rettungshubschrauber wird oft bei Einsätzen benötigt.

Viel Arbeit für Bereitschaft Mittenwald

Bergwacht: 2016 schon 90 Einsätze

Mittenwald - 2016 fordert viel von den Kameraden der Bergwachtbereitsschaft Mittenwald. Die Zahl der Einsätze ist enorm. Zu der traurigen Bilanz gehören vier Bergtote.

Ein schwüler Tag im Juli. Am Nachmittag ziehen über dem Karwendel Gewitter auf. Gegen 17 Uhr wird die Bergwacht alarmiert. Der Notruf kam von der Biwakschachtel am Mittenwalder Höhenweg, in der Jugendliche einer Berufsfeuerwehr aus Köln Schutz vor Donner, Blitz und Regen gesucht haben. Die Gruppe – ein Erwachsener als Leiter und sechs Jugendliche zwischen erst 10 und 14 Jahren – wollte zur Brunnsteinhütte und hatte um 17 Uhr erst die Hälfte des Wegs hinter sich gebracht. Die Bergwacht Mittenwald musste den Wanderern zu Hilfe eilen. Wie so oft in diesem Sommer.

Am Einsatz beteiligt war auch der Rettungshubschrauber RK II mit einem Notarzt aus Reutte in Tirol an Bord. „Es gab zum Glück keine Verletzten“, erinnert sich Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer. „Die Rettung ins Tal war aber wegen des Gewitters für Hubschrauber und Retter eine gefährliche Angelegenheit. Die Gruppe hätte viel früher losgehen müssen.“ Dann hätte sie weder sich noch die Helfer vor Ort derart in Gefahr gebracht.

Zu insgesamt 90 Einsätzen zwischen Januar und August mussten die Mittenwalder Kameraden, unterstützt von den Rettungshubschraubern des ADAC, der Bundeswehr und Polizei, schon ausrücken. Die Zuständigkeit der Bergwacht erstreckt sich vom Wettersteingebirge (Marktgraben und Wetterstein-Alm) über den Tonihof dem Karwendel bis zum Brunnstein. „Eigentlich reicht unser Flurgebiet bis nach Vorderriß“, erklärt Pfeffer, „wegen der kürzeren Ausrückzeit wurde dieser Teil an die Bergwacht Krün abgegeben“.

Im vergangenen Winter waren die Mittenwalder an jedem Wochenende mit sechs Mann im Einsatz. Dazu kamen Vorsorgedienste bei Skirennen, dem Karwendel-Berglauf und Zugspitz-Ultrateil, bei den „24 Stunden von Bayern“, Bergeübungen und Ausbildungsabende. „Stundenzahlen haben wir schon lange nicht mehr notiert“, sagt der Bereitschaftsleiter. „Wir sind jedenfalls stark belastet.“ Ruhiger wird es im Sommer auch nicht wirklich – wegen des Wetters gab es schon ein Dutzend Gewitter-Einsätze. Die traurige Bilanz: vier Tote. Gerade bei solchen Bergungen ist von den ehrenamtlichen Bergwachtmännern viel Professionalität gefordert. „Wir werden zwar geschult, es bleibt aber eine große Belastung.“

Um die seelischen und körperlichen Anstrengungen besser verkraften zu können, biete die Bergwacht Bayern für jedes Mitglied Lehrgänge in der Zentrale für Sicherheit und Ausbildung in Bad Tölz an, die es jährlich zu wiederholen gilt. Daneben muss jeder der in Mittenwald tätigen 17 Einsatzleiter noch ein jeweils zweieinhalb Tage dauerndes Modul „Einsatzleitung im Sommer und Winter“ sowie ein eintägiges Praktikum in der Integrierten Leitstelle (ILS) in Weilheim absolvieren. „Die Lehrgänge für die anderen Bergwachtmänner sind Pflicht geworden“, erklärt Pfeffer. Grund dafür ist, dass die Bereitschaften vor drei Jahren vom bayerischen Innenministerium in das Rettungsdienstgesetz integriert worden sind. „Der Vorteil ist, dass jetzt dem Arbeitgeber unsere Einsätze – 2015 waren es alleine 150 – während der Arbeitszeit vergütet werden.“ Auch kommt das Ministerium für die Einsatzfahrzeuge auf. Die Krankenkassen übernehmen finanziell die Einsätze der Bergwacht, bei der Menschen zu Schaden kommen. Alles andere muss sich die 85 Mann starke Bergwacht Mittenwald – aufgeteilt in vier Einsatzgruppen mit 20 Mann – immer noch selbst finanzieren. „Mit den Erlösen diverser Feste und Veranstaltungen sowie den Spenden von immerhin 330 Förderern schaffen wir unsere Ausrüstung und Bekleidung an“, verdeutlicht Pfeffer. „Wie wichtig beides ist, hat sich heuer schon gezeigt“ – und das nicht nur einmal.

Wolfgang Kunz

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