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Herrscher von Oman: Sultan Qabus bin Said bin Taimur al Said.

Herrscher bleibt lieber ungesehen

Darum weilt der Sultan von Oman in Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen - Qabus bin Said al-Said ist wieder in Garmisch-Partenkirchen zu Gast. Privat. Seit 2014 aber finden die Deutschlandreisen des Sultans von Oman weltweit Beachtung. Aus politischen Gründen.

Für die meisten Garmisch-Partenkirchner ist er wie ein Phantom. Kaum einer hat Sultan Qabus bin Said al Said je persönlich kennen gelernt – geschweige denn gesehen. Dabei besitzt der Herrscher des Oman seit 1974 in der Marktgemeinde ein Anwesen. Damals soll er das Haus an der Maximilianshöhe für elf Millionen Mark gekauft und sukzessive zu einem kleinen Orient-Reich ausgebaut haben. Mittlerweile umfasst es wohl sieben Gebäude, darunter ein eigenes Gäste- und Ärztehaus. Dieses Refugium verlässt er nur weitgehend unbemerkt; er legt keinen Wert auf Händeschütteln mit den örtlichen und überörtlichen Honoratioren, auf Applaus und neugierige Blicke.

Genau so verhält es sich dieses Mal. Der Sultan bleibt ungesehen. Mitte Februar, am Valentinstag, flog Sultan Qabus (75) nach Deutschland. Das verkündeten Medien und beriefen sich auf eine offizielle Mitteilung der Regierung. Was sie nicht meldeten: Der Sultan reiste selbstverständlich nach Garmisch-Partenkirchen. Und er ist noch da. Das berichten Menschen, die es wissen müssen. Man erkennt’s wohl auch am vermehrten (Luxus-)Auto-Aufkommen unterhalb der Kramerspitze. Zum Spaß, zum Urlaubmachen, aber sind der Sultan und sein Gefolge nicht gekommen. Medizinische Routineuntersuchungen stünden an, hieß es. Sofort erinnern sich Medien und vor allem die Omanis selbst an die beunruhigenden Nachrichten vor über einem Jahr.

Lesen Sie auch: Sultan Qabus bin Said ist tot. Er starb im Alter von 79 Jahren. Der Herrscher des Oman hinterlässt eine große Lücke. Nicht nur in seinem Land, sondern auch in Garmisch-Partenkirchen.

Bislang besuchte der Sultan nur sporadisch sein Anwesen in Garmisch-Partenkirchen. 2008 etwa urlaubte er hier; zum ersten Mal nach neun Jahren. Vielleicht suchte er danach hin und wieder die Ruhe im Werdenfelser Land - der Öffentlichkeit jedenfalls blieb es weitgehend verborgen.

Zur gesundheitlichen Genesung verweilte der Sultan acht Monate in Garmisch-Partenkirchen

Weltweit bekannt wurde sein Besuch im Juli 2014. Wie jetzt ließ den Sultan auch damals die Gesundheit in die Marktgemeinde reisen. Im November wandte er sich in einer Videobotschaft an sein Volk. Er werde, erstmals in den 44 Jahren seiner Regentschaft - kein anderer arabischer Herrscher war so lange an der Macht - den Nationalfeiertag am 18. November und damit auch seinen 74. Geburtstag verpassen. „Aus Gründen, die Sie alle kennen.“ So vage, so eindeutig für die Mehrheit seiner Landsleute: Qabus war schwer krank, vielfach sprach man von einem heimtückischen Leiden. Angeblich in München und angeblich in der LMU-Klinik Großhadern ließ er sich behandeln. Gut acht Monate blieb er in Garmisch-Partenkirchen und kehrte offiziell geheilt in seine Heimat zurück. Gefeiert von seinem Volk. Die meisten Omaner schätzen, ja verehren ihren Sultan. Er hat seit seiner Machtübernahme 1970 die Armut bekämpft, hat sein Land wirtschaftlich vorangebracht und für die Welt geöffnet. Als er im März 2015 nach seiner langen Abwesenheit zwar zittrig, aber ohne fremde Hilfe in Maskat aus dem Flugzeug stieg und diese Bilder im Fernsehen übertragen wurden, jubelte ein ganzes Land.

Wer wird sein Nachfolger im Amt?

Doch Qabus’ Gesundheitszustand, wenn auch wie ein Staatsgeheimnis behandelt, ließ und lässt in den Medien eine Frage aufkommen: die nach der Nachfolge. Der Oman, in dessen Süden das Kriegsland Jemen liegt, spielt in Zeiten der politischen Instabilität eine wichtige Rolle, sein Herrscher eine umso größere. Jedoch scheint Qabus’ Nachfolge nicht geregelt, einen Kronprinzen, der nach und nach ins Amt eingeführt wird, gibt es nicht.

So wird künftig jede Deutschlandreise des omanischen Sultans und damit jeder Aufenthalt in Garmisch-Partenkirchen mit Interesse verfolgt. Nicht nur im Oman, nicht nur in der Marktgemeinde, sondern auf der ganzen Welt. Denn die Besuche haben eine politische Dimension bekommen.

Katharina Bromberger

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