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Abgerutscher Hang im Kainzenbad: Seit Monaten ist nichts passiert

Im Idyll herrscht Aufregung

Besucher verärgert über Zustand des Kainzenbades

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Garmisch-Partenkirchen - Es brodelt unter den Besuchern des Kainzenbads. Manche vermuten, die Gemeinde komme ihren Aufgaben nicht nach. Im Rathaus sieht man das anders. Bis zum Sommer soll alles so sein wie immer.

Das Kainzenbad ist ein Idyll mit einer prächtigen Aussicht. Wer sich auf der Liegefläche rekelt und die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, hat dabei einen wunderschönen Blick auf die nahegelegene Sprungschanze von Garmisch-Partenkirchen und im Hintergrund auf die Waxensteine. „Das Bad war immer ein Juwel, so etwas hat man weit und breit nicht gefunden“, sagt Monika Zollner (73). Der derzeitige Zustand des Naturfreibads hat für Zollner und Ingeborg Anwander (80) den Blick auf die Schönheiten der Berge getrübt. Das Kainzenbad, das Zollner seit Kindesbeinen an besucht, biete derzeit „ein Bild des Jammers“. Als sie an Fronleichnam, dem Tag der Eröffnung, die Anlage betrat, wollte sie ihren Augen nicht trauen. Der Hang, der im vergangenen Jahr abgerutscht war – immer noch nicht ausgebessert, Gras wuchert im Kiesstrand, der zur 12 500 Quadratmeter großen Wasserfläche führt, in den Blumentrögen, in denen in der Vergangenheit die buntesten Blumen die Augen der Besucher entzückten, herrscht gähnende Leere, ebenso in den Rosenrabatten. „Früher war alles besser“, sagt Zollner.

"Die Gemeinde lässt das Bad, das ein Schmuckstück war, verkommen"

Gras sprießt, wo einige Besucher kein Gras sehen wollen.

Mit dieser Einschätzung steht sie nicht alleine. Dem Tagblatt liegen Unterschriftenlisten von Besuchern vor, die den Zustand des Kainzenbads beklagen. Die Algenproblematik, die Elisabeth Koch, CSU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat und ebenfalls eifrige Kainzenbadbesucherin, publik gemacht hatte, sorgt ebenfalls weiter für erhitzte Gemüter. Als „unangenehm“ schildern Heidemarie Schierbel und Brigitte Barth in einem Leserbrief „den grünen Algenteppich, wenn sich beim Schwimmen die Schlingpflanzen um die Beine wickeln und beim Verlassen des Wassers die Badebekleidung ganz grün ist.“ Die Algen stören auch Monika Zollner. „Die Gemeinde lässt das Bad, das ein Schmuckstück war, verkommen“, befürchtet sie.

Dem widerspricht Florian Nöbauer ganz energisch. Er erklärt die Ist-Verhältnisse damit, dass sich das Kainzenbad derzeit noch nicht „im Hochbetriebszustand befindet“. Ein Rohrbruch habe viel Zeit gekostet und Manpower gebunden. „Wir haben alles getan, um das Bad zum versprochenen Zeitpunkt zu öffnen“, sagt der Rathaus-Sprecher. „Und wir nehmen jede Beschwerde erst.“ Dass noch Blumen fehlen, sei keine „böse Absicht. Die Kosmetik kommt am Schluss“. Zuerst müssten die dringend notwendigen Arbeiten erledigt werden. Man lege bei einem Hausbau ja auch nicht zuerst den Garten an und decke danach das Dach. Allerdings räumt Nöbauer ein, das beim abgerutschten Hang monatelang nichts passiert ist. Das soll sich jetzt so schnell wie möglich ändern. In naher Zukunft werde etwas geschehen. „Die Gabionen sind schon da.“

Glyphosat-Verbot macht Pflege schwieriger, das Bad natürlicher

Das wuchernde Gras hingegen dürfte schwerer in den Griff zu bekommen sein. Zollner hat bei ihrem ersten Besuch selbst Hand angelegt, gezupft und das Ergebnis ihrer Arbeit gut sichtbar platziert. Die Männer des Bauhofs waren schon vor ihr tätig. „Was maschinell gemacht werden konnte, ist gemacht“, sagt Nöbauer. Dass früher der Kies fast klinisch sauber war, kein Halm sprießte – das Ergebnis von Glyphosat. Der Einsatz des umstrittenen Herbizids – Wissenschaftler sind sich uneins, ob es krebserregend ist oder nicht – ist in öffentlichen Bäder nicht mehr erlaubt. „Für uns macht’s das schwieriger, dafür ist das Kainzenbad jetzt natürlicher“, meint Nöbauer.

Erklärungsversuche, die die Kritiker nur bedingt gelten lassen. Sie vermuten Kalkül. Die zentrale Theorie, warum die Gemeinde so handelt, wie sie handelt: Teile des Bades müssten dem Bau der Turnhalle weichen, die der TSV Partenkirchen, das Klinikum, die Lech-Mangfall- Kliniken und der Olympiastützpunkt in unmittelbarer Nähe planen. Nöbauer nennt das „an den Haaren herbeigezogen“. Kein Mensch wisse, ob oder wann die Halle komme. „Es gibt keinen Beschluss.“ Und: Das Kainzenbad sei ein Volksbad. „Es gibt keine Anzeichen, daran etwas zu ändern“, macht er deutlich.

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