Volles Haus: Bürgermeister Rolf Beuting (r.) vor den Gästen des Neujahrsempfangs im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum. Foto: seiler

Beuting: „2016 wird das Jahr der Flüchtlinge sein“

Murnau - Die Flüchtlingskrise macht auch vor der Marktgemeinde Murnau nicht Halt: Heuer wird die Gemeinde Kapazitäten für 200 bis 300 Migranten schaffen müssen.

Dies kündigte am Donnerstagabend Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in seiner Rede an, die er im Rahmen des Neujahrsempfangs im Kultur- und Tagungszentrum hielt. Für den Rathaus-Chef steht fest: „2016 wird das Jahr der Flüchtlinge sein“ - und damit eine große Herausforderung.

Bislang nahm Murnau - angesichts seiner Einwohnerzahl von rund 12 000 - verhältnismäßig wenige Menschen auf. Seit etwa einem Jahr leben lediglich an die 50 Asylbewerber im Ortsteil Moosrain im ehemaligen CVJM-Freizeitheim. Die Prognose für den gesamten Landkreis lag zuletzt bei über 1400. Die Anzahl der in der Staffelsee-Gemeinde zu betreuenden Personen wird sich deutlich erhöhen.

Wie berichtet, hat die Gemeinde bereits zwei zusätzliche Unterkünfte ins Auge gefasst: Zum einen ist dies das alte, leerstehende Gemeinde-Krankenhaus. Das Gebäude soll multifunktional genutzt werden - als Standort der Kreativbranche, als Ausweichquartier für die Verwaltung während der Zeit des Rathausumbaus und vorübergehend auch als Heim für rund 50 Flüchtlinge. „Als Gemeindeverwaltung stellen wir damit unter Beweis, dass wir bereit sind, die Solidarität, die wir von anderen einfordern, auch selbst zu erbringen“, sagte Beuting. Zudem soll das BRK-Seniorenheim „Seehaus“, das auf Seehauser Flur liegt, belegt werden - mit bis zu 140 Hilfesuchenden.

Weitere Unterkünfte sollen laut Beuting im Laufe des Jahres folgen. „Unsere Strategie bei der Unterbringung von Flüchtlingen ist, dass wir keine übergroßen Einheiten an einem Ort schaffen wollen und zum zweiten dass wir die Kontingente gerecht über alle Ortsteile im Norden, Süden, Osten und Westen verteilen werden“, erklärte der Rathauschef.

Beuting betonte, dass eine Integrationsbereitschaft „auf der aufnehmenden Seite“ und auch bei den Asylbewerbern erforderlich sei. „Dazu gehört, möglichst schnell Deutsch zu erlernen, sich mit unserer Kultur auseinanderzusetzen und sich an die geltenden Regeln zu halten.“ Die Menschen, die zu uns kommen, sollten eines Tages ihren Lebensunterhalt möglichst selbst bestreiten können. Beuting zeigte sich optimistisch, dass dies alles gelingt. „Richtig umgesetzt kann die Integration der Migranten langfristig für unser Gemeinwesen und unsere Wirtschaft ein großer Gewinn sein.“ Entscheidend sei die Unterstützung durch Ehrenamtliche. Beuting räumte ein, dass viele staatliche Behörden die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hätten.

Die Murnauer Polizei blickt indessen der steigenden Zahl an Migranten gelassen entgegen. Dadurch ergebe sich kein erhöhtes Sicherheitsrisiko, sagt Inspektionsleiter Joachim Loy auf Nachfrage. „Ich sehe das entspannt.“ Aus seiner Sicht ist es wichtig, die Leute auf mehrere Standorte zu verteilen. „Es darf keine Ghettobildung geben.“ Auch komme es auf die Betreuung durch Helferkreise und Präventivmaßnahmen wie einen Runden Tisch an, um aufkeimende Probleme frühzeitig zu erkennen und anzugehen. Die Polizei zeige zudem vor den Unterkünften täglich Präsenz.

„Zustände wie in Großstädten wird es bei uns nicht geben“, ist sich Loy sicher. Die Zuwanderer verhielten sich nicht auffälliger als die heimische Bevölkerung. Seinen Angaben zufolge gab es bislang im Gebiet der Murnauer Inspektion kein einziges angezeigtes Sexualdelikt im Zusammenhang mit Flüchtlingen. Das Thema ist in den öffentlichen Fokus gerückt - nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen, zu denen es jüngst in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten kam. Viel deutet darauf hin, dass vor allem enthemmte Migrantengruppen die Täter waren, wohl aus Nordafrika und dem arabischen Raum.

Dem Murnauer Polizeichef ist das gestiegene Misstrauen der Bürger gegenüber der Staatsmacht bewusst - und er versucht gegenzusteuern: „Es gibt bei uns keinen Maulkorb. Jeder Vorfall wird gemeldet“, versichert Loy. (as)

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