+
Perle der Natur: Das Murnauer Moos gehört zu den wichtigsten Schätzen des Landkreises.

Landkreis will Bewerbung bald voranbringen

UNESCO-Weltkulturerbe: Die Stimme der Landwirte zählt

Landkreis - Keine Zeit zum Trödeln: Der Landkreis möchte die Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe weiterverfolgen. Doch es standen noch viele offene Fragen im Raum. Antworten und Ratschläge hatte nun eine Expertin vom Auswärtigen Amt in Berlin.

Lange hat es nicht gedauert. Ungefähr eine Stunde. Dann waren sie überzeugt von Dr. Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt in Berlin. Von ihrer Fachkompetenz, ihren Tipps und vor allem von ihrer Bereitschaft, dem Landkreis bei einer möglichen Bewerbung als UNESCO-Weltkulturerbe weiterhin beratend zur Seite zu stehen. Die Abgeordnete der Kultusministerkonferenz und international gefragte Expertin auf diesem Gebiet hatte im Oktober einen Abstecher in die Region gemacht und bei einem inoffiziellen Treffen die Teilnehmer, darunter die Mitglieder der Steuerungsgruppe, Vertreter des Landkreises und des bayerischen Kultusministeriums, Fragen rund um dieses Thema geklärt. Ihre Antworten – aufschlussreich und so etwas wie ein Fahrplan für das weitere Vorgehen.

Die Ergebnisse des Besuchs erläuterte Peter Strohwasser nun dem Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Kreises. Birgitta Ringbeck „hat tiefen Einblick in die UNESCO-Gremien“, betonte der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Eine Frau mit langjähriger Erfahrung. Deshalb besichtigte man mit ihr die „markanten Stellen“, erzählte Strohwasser. Nicht die Highlights. Vorwiegend die Bereiche, bei denen Unsicherheit herrscht, ob man sie miteinbeziehen sollte. Denn abgeraten wurde, den „Landkreis als gesamte Kulisse“ ins Rennen zu schicken.

Wichtige Erkenntnis: Abgrenzung des Geltungsbereiches

Damit spielte der Sachgebietsleiter schon auf eine der wichtigsten Erkenntnisse an: die Abgrenzung des Geltungsbereiches. Der Landkreis als Träger, stellvertretend für die Landwirte, darf frei entscheiden, was Welterbe werden soll. Ob Wiesen, Weiden, Gebäude – ganz egal. „Wir definieren alles selbst“, betonte Strohwasser. Die favorisierten Gebiete müssen auch nicht zusammenhängen, aber „wir sollten schon schauen, dass es nicht zu zerfranst wird“.

Der Fokus richtet sich allerdings nicht nur auf besondere Flächen. Die Geschichte sei von Bedeutung, sagte der Garmisch-Partenkirchner Kreisrat Josef Glatz (CSU). Zum Beispiel das Genossenschaftswesen, die Weide- oder Holzrechte oder die Almwirtschaft. „Das, was uns unsere Vorfahren überlassen haben, wollen wir weiterführen“, ergänzte Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Ziel sei es nicht, Weltnatur- sondern -kulturerbe zu werden. Denn nichts schreckt mehr ab als weitere Schutzzonen mit Auflagen. Wichtige Punkte nannte in diesem Zusammenhang Nikolaus Onnich, der als Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) der Sitzung beiwohnte, beim Namen: die Buckelwiesen in Mittenwald, das Murnauer Moos, die Ammertaler Wiesmahd, die Stadellandschaft um Garmisch-Partenkirchen sowie das Rechtlerwesen.

„Die, die wollen, sollen. Wir zwingen aber niemanden“

Doch bei der Entscheidung über die geeigneten Schätze des Landkreises sollen die Landwirte und Kommunen nicht das Nachsehen haben. „Die, die wollen, sollen. Wir zwingen aber niemanden“, machte der Bad Kohlgruber deutlich – und erfuhr durch und durch Zustimmung. Allen voran von Landrat Speer. „Wir wollen die Gemeinden einbinden und nicht, dass sie in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt werden.“

Bereits Anfang dieses Jahres veranstaltete der BBV, der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern und das Landratsamt mehrere Informationsversammlungen, speziell für die Landwirtschaft in den Talschaften. Geladen wurden auch die jeweiligen Bürgermeister. Das Fazit: Die Mehrheit der anwesenden Bauern steht dem Vorhaben, den Titel zu erhalten, grundsätzlich offen gegenüber. Im Winter sind weitere intensive Gespräche geplant. Erstens, um noch einmal zu informieren und die Vor- und Nachteile einer Bewerbung zu diskutieren. Zweitens, um einen Vorentwurf für einen gemeinsam unterstützten Geltungsbereich zu erarbeiten. Und drittens als vorläufiger Abschluss der Willensbildung. Erst nach der Zustimmung der Landwirtschaft soll eine breite Information der Kommunen, Verbände und Öffentlichkeit stattfinden. Auch der Kreistag wird den förmlichen Antrag erst stellen, wenn die Mehrheit der Landwirte grünes Licht gibt.

Mit dem nächsten Schritt nicht zu lange warten

Allzu viel Zeit will Strohwasser aber nicht mehr ins Land gehen lassen – und beherzigt damit eine Empfehlung Ringbecks. „Sie hat zu einer zügigen Bearbeitung geraten.“ Deshalb würde er gerne den nächsten Schritt in die Wege leiten. Damit meint er, die „Werte“ zu definieren, die dem Antrag zugrundegelegt werden sollen. Danach würde die UNESCO-Expertin für ein moderiertes Gespräch bereitstehen. Ziel dann: klären, ob das Papier den Kriterien der UNESCO entspricht.

Das Gremium jedenfalls ist sich bereits einig: Kann der Landkreis mit dem Pfund Weltkulturerbe wuchern, eröffnet das Chancen. „Förderungen können gesichert werden“, sagte Speer eindringlich. Beispielsweise aus dem Kulturlandschaftsprogramm oder dem Vertragsnaturschutz. Zudem wäre es für den Tourismus „Werbung ohne Ende“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Skifahrerin kommt mit Klage gegen Zugspitzbahn nicht durch
Sie ist vor Gericht gescheitert: Die Grainauerin bekommt von der BZB kein Schmerzensgeld. Das Bergbahn-Unternehmen trifft keine Schuld an ihrem Unfall auf der Piste.
Skifahrerin kommt mit Klage gegen Zugspitzbahn nicht durch
Mangel an Blutspendern
Es ist mittlerweile eine schwierige Sache: In vier Dörfern tut sich das BRK hart, ausreichend Bürger zu aktivieren, die zum „Abzapfen“ kommen.
Mangel an Blutspendern
Magdalena-Neuner-Fanclub feiert Zehnjähriges
Ihre sportliche Karriere hat sie bereits beendet. Das ist für die Anhänger von Magdalena Neuner längst kein Grund, den Fanclub aufzugeben. Im Gegenteil: Er ist sehr …
Magdalena-Neuner-Fanclub feiert Zehnjähriges
Jungbauernschule Grainau feiert 60. Geburtstag
Die Jungbauernschule in Grainau wird 60 Jahre alt. Sogar aus dem Ausland kamen Gäste, die in besonderer Beziehung zu dem Haus stehen, um den Tag zu feiern. Mit der …
Jungbauernschule Grainau feiert 60. Geburtstag

Kommentare