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Meinungsaustausch: Andreas Lotte (r.) ist Wohnungs-Experte der SPD.

Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Murnau

Sechs Millionen Euro für günstige Wohnungen

Murnau - Es ist mit das drängendste Problem in Murnau: der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) behagt dies gar nicht. Nun will er dem Marktgemeinderat vorschlagen, in den kommenden vier Jahren sechs Millionen Euro für den Wohnungsbau auszugeben. Dies gab er im Rahmen einer Mitgliederversammlung der SPD bekannt.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Parteimitglieder bei Veranstaltungen der „Konkurrenz“ zugegen sind. Beuting ist das Thema jedoch so wichtig, dass er die Einladung der Genossen annahm. „Es ist ein Riesenproblem, deshalb müssen w10ir alles aktivieren, was geht“, betonte der Rathauschef im Kultur- und Tagungszentrum.

Die Tendenz bei den Preisen zeigt nur nach oben. Für einen Quadratmeter Wohnraum sind in der Marktgemeinde mittlerweile 6000 Euro zu bezahlen. Das kann sich kein Normalverdiener leisten. Ein Projekt ist bereits angelaufen. Die Wohnbau Weilheim GmbH, bei der Murnau Gesellschafter ist, will in den nächsten zehn Jahren östlich der Eichendorffstraße mehrere alte Häuser wegreißen und durch neue ersetzen. Unterm Strich kommen 18 Wohnungen dazu. Weitere Unterkünfte sollen auf einer gemeindeeigenen, 3000 Quadratmeter großen Wiese am Längenfeld entstehen. Doch das wird dauern: Der Flächennutzungsplan muss geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

Die erwähnten sechs Millionen Euro seien primär für dieses Projekt gedacht, sagte Beuting dem Tagblatt. „Das ist momentan unser einziges Grundstück, auf dem man sich effektiv dem Thema widmen kann.“ Möglicherweise gebe es noch angrenzende Flächen, die man einbeziehen könnte. Beuting würde gerne noch ein drittes Vorhaben auf den Weg bringen. Doch es mangelt an verfügbaren Grundstücken. Bei ihm haben sich nach eigenen Angaben auch schon Genossenschaften gemeldet, die bereit wären, in Murnau zu bauen. „Ich weiß, es pressiert“, machte der Bürgermeister deutlich. Das Thema schlage jeden Tag bei ihm auf. „Aber man kann das Ruder nicht von heute auf morgen herumreißen.“ Es gibt weitere Ideen, dem Problem zu begegnen.

Die SPD regte im April per Antrag an, für Murnau ein Gesamtkonzept in puncto Wohnungsbau zu entwickeln. Die Bürgermeisterpartei ÖDP/Bürgerforum schlug hingegen Richtlinien für eine „sozial gerechte Bodennutzung“ vor. Das Ganze funktioniert, vereinfacht gesagt, wie eine Art „Deal“, von dem beide Seiten etwas haben: Wenn die Kommune Bauland ausweist, schafft sie für den Eigentümer einen in der Regel gewaltigen Vermögenswert. Dafür verlangt sie dann eine soziale Gegenleistung. So könnte der Besitzer einen Teil der Fläche günstig für soziale Wohnbauprojekte zur Verfügung stellen, etwa für eine Genossenschaft oder andere Förderformen.

Beuting hofft im Gemeinderat auf einen breiten Konsens. Das Konzept ist aus seiner Sicht „nur sinnvoll, wenn es für die nächsten Jahrzehnte gilt“. SPD-Schriftführerin Claudia Groll-Hoffmann mutmaßte, dass das Thema in Murnau für einen „Aufschrei“ sorgen könnte. Dies könne schon sein, fand der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Lotte. „Das legt sich aber schnell.“ In München gebe es keine Partei, die das Konzept in Frage stellt.

Für den Münchner Wohnungs-Experten steht fest: „Die Kommunen sind gefragt.“Aber auch der Freistaat Bayern, indem er Anreize biete. Das Land müsse darüber hinaus selber bauen. Einblick in die Arbeit der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg präsentierte der Aufsichtsratsvorsitzende Albert Hingerl, der auch Bürgermeister von Poing ist. Die Genossenschaft, die über rund 630 Wohnungen verfügt, habe stets zwei bis drei Baustellen am Laufen. Knackpunkt: „Man muss schauen, dass man die Grundstücke her–bringt.“ Das ganze Thema ist seiner Meinung nach „in den letzten Jahrzehnten verschlafen worden“. Dies sei der „größte Skandal".

Roland Lory 

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