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Eine von zahlreichen Auszeichnungen: Im Oktober 2015 erhielt Magdalena Neuner den Bayerischen Verdienstorden. Er bedeutet der Wallgauerin viel. 

Interview mit dem Biathlon-Star

Magdalena Neuner: „Als wäre das in einem anderen Leben passiert“

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Nach wie vor ist Biathlon-Star Magdalena Neuner überaus beliebt und bekannt. Das überrascht sie selbst manchmal, verrät sie im Interview. Genauso erzählt sie, was ihr die Aufnahme in die Hall of Fame bedeutet, wie sich ihr Leben und sie selbst seit ihrem Karriereende verändert haben und warum sie noch ein Zimmer bräuchte. 

Wallgau – Als Mitglied 104 wird Magdalena Neuner (30) in die Hall of Fame der Deutschen Sporthilfe aufgenommen, gemeinsam mit Michael Schumacher. Das entschieden Leser der Bild-Zeitung: 48 Prozent der 177.104 Stimmen entfielen auf die zweifache Biathlon-Olympiasiegerin, 67 Prozent auf den siebenfachen Formel-1-Weltmeister. Der Festakt mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière findet am Montag, 10. Juli, in der Schumacher-Ausstellung in Marburg statt. Im Vorfeld trafen wir die Wallgauerin zu Hause. Auf der Terrasse erzählte sie – einen grinsenden Sohn Seppi (acht Monate) auf dem Schoß, eine redselige Tochter Verena (3) im Garten – von Vorbildern, E-Bike-Touren und einem neuen Leben.

Frau Neuner, über 85.000 Leser haben Sie gewählt.

Magdalena Neuner: Ja. Wahnsinn, oder?

Sie haben also nicht mit dem Ergebnis gerechnet?

Neuner: Gar nicht. Ich bin Wintersportlerin. Das ist was Spezielles, eine Nische. Und hier hat ein bunter Kreis aus ganz Deutschland abgestimmt.

Wundert es Sie denn, dass Sie fünf Jahre nach Ihrem Karriereende immer noch so populär sind?

Neuner: Manchmal schon. Weil ich gerade in den sozialen Netzwerken nicht so aktiv bin. Trotzdem haben mich die Leute nicht vergessen. Ich frage mich selber, warum das so ist.

Stört es Sie manchmal?

Neuner: Im Gegenteil, das freut mich. Ganz oft erkennen mich die Leute gar nicht – was ja nicht so verkehrt ist (lacht). Doch sie kennen den Namen. Und viele meine Stimme. Was ich besonders schön finde: Überall werde ich nett empfangen, die Leute verbinden scheinbar etwas Positives mit mir.

Sie werden gemeinsam mit Michael Schumacher in die Hall of Fame des Sports aufgenommen. Haben Sie ihn mal kennengelernt?

Neuner: Leider nein. Aber an seinem Schicksal habe ich natürlich Anteil genommen. Wie wohl jeder. Und ich muss sagen: Dass ich neben ihm gewählt wurde, das erhöht den Wert des Preises noch. Schließlich ist er einer der bekanntesten und erfolgreichsten Sportler Deutschlands.

Das ist wahrlich nicht Ihre erste Auszeichnung – im Grunde fehlt nur noch eine Wachsfigur.

Neuner: Stimmt eigentlich. . .

Wahrscheinlich ändern Sie dafür zu oft Ihre Frisur.

Neuner: Ja, da bin ich wohl zu wechselhaft – ein Chamäleon (lacht).

Welche Ihrer Ehrungen bedeutet Ihnen denn am meisten?

Neuner: Ich kann und will das nicht gewichten. Man kann sie alle gar nicht vergleichen. Was Besonderes war der Bayerische Verdienstorden. Ihn bekommt nicht jeder. Und ich war auch eine der Jüngsten.

Das dürften Sie in der Hall of Fame auch sein.

Neuner: Ja (lacht), das ist wohl mein Schicksal. Ich war früh erfolgreich und hab’ früh aufgehört. Da hat sich bei mir alles nach vorne verschoben.

Haben Sie Ihre früheren Vorbilder auch auf der Liste entdeckt?

Neuner: Nein. Bislang wurde ja nur eine weitere Biathletin aufgenommen (Antje Harvey, geborene Misersky, Anm. d. Red.). Und ich habe Magdalena Forsberg und Martina Glagow (heute Beck, Anm. d. Red.) nachgeeifert.

Warum den beiden?

Neuner: Die Schwedin Magdalena Forsberg war die Allerbeste, als ich mich als Kind entschieden habe, Biathlon zu machen. Sie hat einfach alles gewonnen – und blieb dabei immer so wahnsinnig sympathisch. Und Martina hat man auch mal im Training getroffen. Das war für uns natürlich – wow! Eine Weltcup-Sportlerin! Vor uns in der Loipe! An ihr haben wir auch gesehen, wie schnell man im Weltcup laufen muss. Außerdem war sie auch immer so nett zu uns Kindern, total nahbar. Und heute sind wir gut befreundet.

Mit wem aus dem Biathlon-Zirkus von früher haben Sie noch Kontakt?

Neuner: Mit Simone Hauswald ein bisschen, mit Kathrin Lang (früher Hitzer, Anm. d. Red.). Man hört sich drei-, viermal im Jahr, trifft sich mal – und freut sich dann riesig. Aber es verläuft sich. Dasselbe gilt ja für die Heimmannschaft. Wie mit Matthias Bischl – der jetzt in der Nachbarschaft wohnt, und wir sehen uns trotzdem nie. Oder mit Nadine Horchler – nach drei Monaten haben wir’s jetzt mal auf einen Kaffee geschafft. Und wie oft hab’ ich mir schon vorgenommen, dass ich mal im Training vorbeischau. Aber – man ist plötzlich raus, die haben weiterhin ihren Sportleralltag, ich hab’ meinen Alltag hier.

Wie weit weg ist das Leben als Biathletin schon?

Neuner: Es hat sich alles verändert. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre die ganze Biathlon-Geschichte in einem anderen Leben passiert. Obwohl sie erst fünf Jahre her ist.

Haben auch Sie sich verändert?

Neuner: Allein wegen der Kinder auf jeden Fall. Und als Sportler lebt man schon sehr in seiner Welt.

Inwiefern?

Neuner: 24 Stunden am Tag dreht sich alles um den Sport. Das Essen, das Weggehen, alles. Im Winter bin ich zum Beispiel nie ins Kino gegangen, weil da ja jemand husten und ich krank werden könnte. Da gibt es viele Mosaike, da ist der Sportler einfach eigen. Man nimmt sich auch unheimlich wichtig. Schließlich zählt vor allem das eigene Wohl, damit man gesund bleibt. Zudem ist auch der Druck für den Erfolg natürlich immer da. Man will ja gewinnen.

Haben Sie das während Ihrer Karriere auch so wahrgenommen?

Neuner: Gar nicht. Das ist mir erst danach aufgefallen. Da hab’ ich auch erst gemerkt, wie viel Druck abfällt. Im Jahr nach dem Rücktritt war ich ja noch richtig aktiv – Berni (Bernhard Kröll, Heimtrainer in Mittenwald, Anm. d. Red.) hat immer gesagt, ich könnte sofort wieder einsteigen (lacht). In der Zeit hab’ ich es so genossen, ohne Plan und ohne Uhr loszuziehen. Und trotzdem: Ich würde wieder alles genauso machen, würde wieder Biathletin werden.

Gibt es bei Ihnen im Haus einen Raum, der Sie an die Zeit erinnert? In dem Urkunden, Medaillen, Pokale ausgestellt sind?

Neuner: Ja, den Speicher (lacht).

Dort liegt alles?

Neuner: Ich brauch das nicht, dass in der Wohnung alles hängt oder steht. Und für ein eigenes Zimmer fehlt aktuell der Platz.

In Ihrem Haus wird es so ein Zimmer geben?

Neuner: Wenn wir mal bauen (ein Antrag ist gestellt, Anm. d. Red.), hätte ich im Keller gerne ein kleines Zimmer zum Sporteln, in dem zumindest ein Radl drinsteht. Und da würd’ ich eine Vitrine aufstellen und die Weltcup-Kugeln und WM-Medaillen wieder auspacken. Dafür habe ich hart gearbeitet, deshalb bedeuten sie mir viel. Nur die olympischen Medaillen als Unikate bleiben im Tresor.

Zu wie viel Sport kommen Sie überhaupt noch?

Neuner: Ich versuche schon, aktiv zu bleiben, gehe abends ab und zu laufen, gehe einmal die Woche ins Fitness. Und sonst probier ich, die Kinder zu integrieren. Wir fahren viel mit dem Rad, die beiden sitzen dann im Anhänger.

Und das funktioniert, ohne dass sie sich streiten?

Neuner: Er findet seine große Schwester sowieso total super, sie kann alles machen. Und gemeinsam da hinten drin – das taugt ihnen. Gell (spricht mit ihrem Buben, der auf dem Schoß sitzt), Du himmelst dann Deine Schwester an und sie schenkt Dir immer wieder an Duzi.

Und die Mama kutschiert die zwei durch die Gegend.

Neuner: Genau (lacht). Wobei ich zugeben muss: Ich hab’ mir ein E-Bike gekauft. Weil der Anhänger mit den zwei Kindern drin schon schwer ist. Und bei uns ist’s halt dann auch noch ziemlich bergig.


Das Gespräch führte Katharina Bromberger.

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