Weltcup-Flair in der Garmischer Fußgängerzone: Evi Sachenbacher-Stehle und Simon Schempp. foto: sehr/Archiv

City-Biathlon: Nur noch in abgespeckter Version

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Garmisch-Partenkirchen - IBU verlangt 20 000 Euro Lizenzgebühr, die der Skiclub Garmisch nicht zahlen will - Rennen ohne Italien und Schweiz

Die größten deutschen Biathlon-Stars waren schon am Start: Magdalena Neuner, Kati Wilhelm, Martina Beck, Miriam Gössner, Evi Sachenbacher-Stehle, Simon Schempp und Michael Greis sowie internationale Größen wie Christoph Sumann (Österreich) und Lukas Hofer (Italien). Vor 10 000 Zuschauern skateten und schossen sie meist kurz vor Silvester in der Garmischer Fußgängerzone. Der City-Biathlon, veranstaltet vom Skiclub Garmisch, besaß schon Kult-Status als an die Rennen AufSchalke noch niemand einen Gedanken verschwendete. Allerdings scheint diesmal am 27. Dezember und in Zukunft nur noch eine abgespeckte Version möglich zu sein, weil die Internationale Biathlon-Union (IBU) querschießt. Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbands (DSV) und IBU-Vizepräsident, teilte Peter Fischer mit, dass 20 000 Euro Lizenzgebühr entrichtet werden müssen. Zudem habe die Veranstaltung beim internationalen Verband angemeldet werden müssen, weil der Chef des SC Garmisch Athleten aus vier Nationen eingeladen hat. „Wir können das Geld nicht bezahlen. Wir sind froh, wenn wir mit einer schwarzen Null aus der Veranstaltung rausgehen“, sagt Fischer. Die Zuschauer sehen das Spektakel zum Nulltarif, die Sportler erhalten Aufwandsentschädigungen. „Ich habe gute persönliche Beziehungen zu Magdalena Neuner und Miriam Gössner. Deshalb sind sie bei uns gelaufen.“

Schon 17 Mal hat Fischer den Touristen zwischen den Jahren mit großem Sport die Zeit vertrieben. Nie wollte die IBU Geld sehen, nie musste Fischer eine Lizenz erwerben. Das hat er auch diesmal nicht getan - und den DSV ebenfalls nicht informiert, wie es seine Pflicht gewesen wäre. „Ich habe es schlichtweg nicht gewusst“, entschuldigt sich Fischer. „Und es hätte uns auch jemand mal etwas sagen können, dass wir das tun müssen.“ Peer Lange, der Kommunikationsdirektor der IBU, hält dagegen, „dass man so unbedarft doch nicht sein darf“. Pfüller hatte Fischer in einem Telefongespräch am Dienstag mitgeteilt, dass er sein Teilnehmerfeld auf zwei Nationen reduzieren müsse. Geschehe das nicht und gehen die Sportler an den Start, würden sie mit einer dreimonatigen Sperre belegt.

Darauf will es Fischer natürlich nicht ankommen lassen. „Also lade ich wieder ein paar aus.“ Durch das Raster fallen der Schweizer Ivan Joller und die die beiden Italiener Lukas Hofer und Karin Oberhofer. „Ich konzentriere mich jetzt nur noch auf Deutsche und Österreicher.“ Das Vorgehen der IBU kritisiert Fischer, der als OK-Geschäftsführer die alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2011 organisierte und der jedes Jahr die Weltcup-Rennen auf der Kandahar ausrichtet, hart. „Das ist eine Entscheidung gegen den Sport und gegen die Sportler. „Wir haben kurzfristig vor der Veranstaltung einfach einen vor den Latz geknallt bekommen.“ Bei der IBU sieht man das in der Zentrale in Salzburg ganz anders. Für Peer Lange schützt Unwissenheit vor Strafe oder Sanktionen nicht. „Da hat jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht“, sagt er an Fischers Adresse. „Ein formales Schreiben hätte genügt. Zuerst an den DSV. Meines Wissens ist das bis heute nicht geschehen.“

Über die Gründe, wieso die IBU plötzlich die Daumenschrauben ansetzt, was jahrelang stillschweigend geduldet wurde, wird heftig spekuliert. Es gibt sogar eine Verschwörungstheorie. Hinter dem plötzlichen Aktionismus, so vermutet man in Garmisch-Partenkirchen, stecke die Biathlon-Show in der Gelsenkirchner Arena AufSchalke. 40 000 Zuschauern im Stadion und zig Millionen vor den TV-Bildschirme fühlen sich bestens unterhalten. Und doch sollen die dortigen Organisatoren ein bisschen die kleine Konkurrenz aus Garmisch-Partenkirchen fürchten, weil die Besten wie Neuner und Gössner die Fußgängerzone der Stadionatmosphäre vorziehen. Für Lange „totaler Quatsch“. Er räumt allerdings ein, dass Deutschland mit zwei Weltcup-Standorten (Oberhof und Ruhpolding), dem Sommerrennen in Püttlingen sowie Gelsenkirchen und Garmisch-Partenkirchen überproportional mit Wettbewerben ausgestattet sei. „Russland hat zum Beispiel nur zwei. Dort moniert man schon dieses Ungleichgewicht.“ Peter Reinbold

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