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Experte: Dr. Volker Zahner, Dozent an der Hochschule in Weihenstephan (l.), spricht zum Thema „Biber als Landschaftsgärtner“ im Gasthof Zum Stern. 

Biber: Situation im Landkreis 

Schädling oder genialer Ingenieur?

Seehausen - Des einen Freud, des anderen Leid: Für Naturfreunde ist er ein „Ökosystem-Ingenieur“, der durch seine Aktivität neue Lebensräume schafft. Für Land- und Forstwirte oder Waldbesitzer ein Schädling. Über den Biber, der sich seit etwa 20 Jahren im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wieder heimisch fühlt und sich stetig vermehrt, gehen die Meinungen weit auseinander.

Das wurde bei einem Vortag der Regionalgruppe des „Landesbundes für Vogelschutz“ einmal mehr deutlich. Neue Perspektiven auf das vor allem nachtaktive Nagetier zu eröffnen, das bis zu 1,3 Metern lang und 30 Kilogramm schwer werden kann, hatte sich Dr. Volker Zahner, Dozent an der Hochschule Weihenstephan, bei seinen Ausführungen zum Thema „Biber als Landschaftsgestalter“ vorgenommen. Dazu waren rund 50 Zuhörer in den Seehauser Gasthof Stern gekommen. Sie erfuhren, dass die Tiere durch ihre Baumfällungen und den Bau von Dämmen Tümpel und Teiche aufstauen, wobei sie für zahlreiche Amphibien, Reptilien, Insekten, Säugetiere und Vögel neue Lebensräume schaffen, sagte der Referent. „Zudem gräbt der Biber immer wieder neue Gewässer. Hauptprofiteur ist dabei der Grasfrosch, der wiederum Beutetier für viele Fische, Schlangen, Iltisse und Marder ist.“ Vehement verteidigten die Biber ihre Territorien, die zwischen einem und mehreren Kilometern Umfang haben könnten. Überstaute Flächen in ihren Revieren fielen immer wieder trocken, wenn die Tiere etwa zu Tode kämen oder wegen Nahrungsmangel abwanderten. Dann entstünden die so genannten „Biberwiesen“, die eine große Artenvielfalt aufwiesen.

Dass der ruhelose Nager rund um den Staffelsee nicht nur Freunde hat, bewiesen mehrere Landwirte und Grundbesitzer, die in der anschließenden Diskussion ihrem Unmut Luft machen. „Auf der Kleinen Birke hat er schon den halben Birkenbestand vernichtet“, ärgerte sich einer von ihnen. „Hier muss er nichts aufstauen, er hat nichts zu tun und macht alles kaputt. Und wer zahlt die Schäden?“ 

Wenn der Biber einen Baum gefällt habe, solle man diesen nicht sofort ernten, sodass das Tier Zeit habe, die Äste und die Rinde abzunagen, entgegnete Hans-Joachim Fünfstück, Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz. „Denn wenn sein Baum weg ist, fällt er gleich den nächsten.“ Biber-Berater Martin Kleiner vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen fügte hinzu, dass es durchaus Entschädigungszahlungen gebe, die bei der Kreisbehörde beantragt werden müssten. Rund um den Staffelsee gäbe es elf Biber-Reviere, im Landkreis insgesamt 89. 

Was aber ist mit dem Biber im Seidlpark? Wie könnte er daran gehindert werden, weitere Schäden anzurichten? „Ich kenne die Lage vor Ort nicht so genau“, sagte Zahner gegenüber dem Tagblatt, „aber da gibt es verschiedene Möglichkeiten.“ Etwa bekomme man vom Straßenbauamt Schnitt- oder Rindenmaterial, das man ihm hinlegt, damit er beschäftigt ist und keine Bäume fällt. „Für größere Bäume gibt es Drahthosen, und auch ein Elektrozaun könnte ihn von der Wasserseite her abschrecken.“ Weiterhin könnten Blinklichter, wie sie beim Straßenbau verwendet werden, die „Mönche“ (die Überlaufschächte) schützen. Allerdings gäbe es auch Situationen, in denen der Biber entfernt werden müsste: „2015 wurden in Bayern mit Sondergenehmigungen etwa 1000 Exemplare entnommen."

Heino Herpen

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