Stolz auf ihre Bier-Kreation: (v.l.) Sebastian Mergel, Andre Schleypen und Julian Schmidt. Foto: fkn

Bier extra bitter: Das Reinheitsgebot bewusst missachtet

Murnau - Der Ex-Murnauer Sebastian Mergel holte den Vize-Titel des zweiten internationalen Brauwettbewerbs in Berlin, organisiert von der studentischen Vereinigung „Campusperle".

Mergel und seine Mitstreiter konnten mit ihrem Bier „4Wedding“, einer gehörigen Portion bitteren Geschmacks sowie einem knallharten und unorthodoxen Werbespruch punkten. Denn dieser lautet „Halt die Fresse, das muss so schmecken!“

Mergel erklärt den provokanten Slogan folgendermaßen: „Wir wollten damit klarstellen, dass unser Bier kein Zufallsprodukt ist. Außerdem sollte der Spruch Bezug zu unserem Kietz haben.“ Mergel wohnt mit seinen Kollegen Andre Schleypen und Julian Schmidt im Berliner Stadtteil Wedding. Das sei das „Schmuddelkind Berlins“ und es gehe dort halt einfach „ein bisschen rauer“ zu.

Und so sollte auch das Bier sein: Die drei Studenten haben bei der Produktion ihres Bieres das deutsche Reinheitsgebot bewusst nicht befolgt. So haben sie zum Beispiel nicht gezögert, Reis als Brauzutat zu verwenden. Auch die alte Postleitzahl des Wedding, 65, ist von Bedeutung: Das „Wedding Pale Ale“ hat 65 Bittereinheiten. Zum Vergleich: Eines der bittersten deutschen Biere, das Jever, hat nur 40. Außerdem kochten Schleypen, Schmidt und Mergel das Bier exakt 65 Minuten lang.

Die gesamte Herstellung lief ansonsten relativ einfach ab: Gebraut wurde über den Dächern Berlins auf einer Terrasse, das Abgären fand in einem Keller statt. Da fuhren ihre Konkurrenten beim Wettbewerb teilweise schon andere Geschütze auf. Denn manche von ihnen hatten laut Mergel richtige „Armadas“ wie Brauereien und Uni-Labore im Rücken. Genau das wollten die Berliner nicht: „Wir wollten unser eigenes Ding machen und zeigen, dass man sich auch etwas trauen muss. Und der Erfolg hat uns Recht gegeben“, freut sich Mergel.

Der 24-Jährige hatte 2007 sein Abitur am Murnauer Staffelsee-Gymnasium absolviert. Danach folgte eine Ausbildung zum Winzer in der Pfalz. Anschließend arbeitete der Ex-Murnauer auf einem Weingut in Israel, bevor es ihn in die deutsche Hauptstadt verschlug. Dort studiert er nun im dritten Semester Brauerei- und Getränketechnologie an der Technischen Universität. Wie es mit dem „4Wedding“-Bier weitergeht, steht noch nicht ganz fest. „Wir machen momentan kleine Schritte“, sagt Mergel. Ob es das „Wedding Pale Ale“ auch irgendwann einmal in seiner alten Heimat Murnau zu kaufen gibt, kann er noch nicht sagen. Auf jeden Fall bringt er ein paar Flaschen davon mit, wenn er an Weihnachten nach Hause kommt.

Lena Thurn

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