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Reinstes Gebirgswasser steckt im Ettaler Klosterbier. Dieses Wasser wird nun Teil eines einmaligen Projektes. 

600 Hektoliter des "Gesamtkunstwerks" sollen entstehen

Ettal liefert Wasser für einmaliges Bierprojekt

Ettal - Ein vergleichbares Projekt gibt es nicht: Für die Bayerische Landesausstellung in Aldersbach werden zwei Biere gebraut – mit Wasser aus zwölf Klosterbrauereien, darunter Ettal.

Die Kamera läuft, das Wasser auch: 50 Hektoliter zapft Braumeister Florian Huber ab.

Wasser: Es bringt jeden Brauereilehrling ins Schwitzen. „Das ist das gefürchtetste Thema in der Ausbildung.“ Der Ettaler Braumeister Florian Huber weiß das aus Erfahrung. Immerhin ist Wasser mit 92 Prozent der Hauptbestandteil von Bieres – im Sudprozess kann da allerhand danebengehen. Deshalb kann Huber die Gefühlslage seines Kollegen Peter Wagner in diesen Tagen bestens nachvollziehen. „Er war schon entspannter“, sagt Monika Uhl über den Braumeister im Kloster Aldersbach. Kein Wunder, arbeitet er doch an einem in der Brauereigeschichte einmaligen Projekt, das er mit Uhl initiiert hat: Zur Bayerischen Landesausstellung „Bier in Bayern“, die am 29. April in Aldersbach im Passauer Land startet, stellt er nach altem Rezept extra zwei Biere her. Das Wasser liefern zwölf Klosterbrauereien im Freistaat. Und niemand weiß, wie sich dieses Gemisch beim Brauen verhält. Daraus will Wagner „ein Gesamtkunstwerk“ schaffen, das Pforten- und das stärkere Konventbier.

„Was gab es 1516, was es heute noch gibt?“

Die Idee dazu kam Uhl, die als Beraterin und Marketingexpertin arbeitet. Nachdem die Landesausstellung „Bier in Bayern“ ganz im Zeichen von 500 Jahre Reinheitsgebot steht, überlegte sie sich: „Was gab es 1516, was es heute noch gibt?“ Genau: die Klöster, „die Mütter der Biere, die die Biergeschichte geprägt haben“. Bis auf Andechs zeigten sich alle Klosterbrauereien im Freistaat begeistert von diesem Gemeinschaftsprojekt. „Das ist eine super Sache“, sagt Huber. „Eine echte Rarität.“

Rund 300 Hektoliter, also 60 000 Flaschen, werden pro Sorte aus dem einzigartigen Wassergemisch entstehen. Am Etikett bastelt der Grafiker noch. Auch er schwitzt. Denn alle zwölf Brauereien muss er irgendwie unterbringen.

In diesen Tagen holt der Lkw aus Aldersbach das bayerische Wasser ab. Am Freitag hielt er in Ettal und befüllte seinen Tank mit 50 Hektoliter reinsten Gebirgswassers, das sogar für Babynahrung zugelassen ist. Beste Voraussetzungen also.

Brauerei-Koryphäe an Projekt beteiligt

Damit das gewünschte Gesamtkunstwerk entsteht, hat ein Team aus Experten – mit Professor Ludwig Narziß arbeitet eine wahre Brauerei-Koryphäe mit – an der Rezeptur getüftelt. Eine Wissenschaft. Allein zehn verschiedene, alte Hopfensorten werden verwendet. Einen Testlauf gab es bereits; Uhl hat probiert – und schwärmt. „Das haben sie so elegant gemacht, ich war begeistert.“ Allerdings: Da gab’s nur eine Wassersorte zu.

Ganz seinem Schicksal überlassen wollen Huber und seine Kollegen ihr Wasser nicht. Deshalb kommen sie am 3. Februar alle nach Aldersbach, wenn das Bier gebraut wird. „Da schauen wir schon, dass alles richtig gemacht wird“, sagt Huber und lacht. Nicht nur das: Jeder der zwölf Braumeister hilft mit; Huber wird für Ettal den Hopfen zugeben.

Eigentlich heißt’s ja: Viele Köche verderben den Brei. Bei diesem Bier aber verhält es sich anders, prophezeit Huber. Da gilt: „Viele Köche machen’s noch besser."

Katharina Bromberger

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