Die ganze Arbeit umsonst: Tobias Baab muss die Strecken auf eigene Kosten wieder zurückbauen. foto: pritzl

Bikepark Oberammergau: Betreiber zieht sich aus Frust zurück

Oberammergau - Für Tobias Baab ist die Angelegenheit erledigt: Nachdem er sich mit der neuen Kolben-GmbH nicht einigen konnte, muss er auf eigene Kosten die Strecke des Bikeparks zurückbauen.

Am Fuße des Kolben deutet nur wenig darauf hin, dass hier mal ein florierender Bikepark betrieben wurde. Die ehemaligen Strecken liegen gut im Wald versteckt, die aufgeschütteten Sprünge und Steilkurven sind teilweise schon wieder überwachsen, die Holzkonstruktionen verrotten allmählich. Die Talstation der Kolbensesselbahn, vor der sich bis vor zwei Jahren noch Biker tummelten, wirkt wie ausgestorben. Es ist ein tristes Bild.

„Das ist schon bitter“, sagt Tobias Baab, der den Oberammergauer Bikepark bis Ende 2009 betrieben hat: „Mir hat’s einfach Spaß gemacht.“ Damals wollte die Gemeinde Oberammergau dem 45-Jährigen keinen langfristigen Vertrag geben. Die geringe Planungssicherheit war Baab zu riskant.

Mit dem neuen Eigentümer, der Kolben-Besitz-GmbH, sah es zunächst nach einer Einigung aus. Biker in einschlägigen Internetforen schöpften wieder Hoffnung - nun ist aber auch diese Zusammenarbeit ein für alle mal gestorben. „Die Bedingungen waren für mich nicht tragbar“, erklärt Baab. Und geht noch einen Schritt weiter: „Ein möglicher Betreiber, der noch nie einen Bikepark geführt hat, ruiniert sich mit dem aktuellen Angebot.“

Bei Klement Fend, Geschäftsführer der Kolben-Besitz-GmbH, haben sich eigenen Angaben zufolge „bereits mehrere Interessenten gemeldet“. Er hält die ausgeschriebenen Rahmenbedingungen für fair: Die Bau- und Planungskosten übernimmt der Eigentümer. Der Betreiber erhält 30 Prozent der Bruttoeinnahmen und kann im Kassengebäude an der Talstation des Sessellifts einen Bike-Verleih mit Werkstatt mietfrei einrichten. Doch da gehen für Baab die Probleme schon los: „Die Bikes und die Ausrüstung kosten mindestens 25 000 Euro, die Einrichtung und das Werkzeug noch gar nicht mitgerechnet.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Nutzung des Liftes, der nicht nur die Biker, sondern auch die Benutzer des geplanten Alpine Coasters befördern muss. Bei einem Engpass kann der Eigentümer über die Reihenfolge entscheiden. Baab sieht die Biker dabei klar im Nachteil: „Als der Park noch offen war, kam es bereits an Spitzentagen im Herbst zu Wartezeiten. Und wen soll es dann treffen? Sicher nicht die Rodelbahnbenutzer, für die man drei Millionen Euro investiert hat.“

Auf eine Ablösesumme für den Park inklusive aller Genehmigungen und Lizenzen konnten sich die beiden Parteien nicht einigen. Fend liegt eine Auflistung von zirka 38 000 Euro an Baukosten vor. Baab spricht von wesentlich mehr: „Ich habe meine Baukosten mit 70 000 Euro angegeben. Davon sind die zirka 38 000 Euro Fremdkosten, der Rest sind Eigenkosten. Mein Stundenanteil lag bei rund sechs Monaten Bauzeit bei zirka 1200 Stunden.“

Fend will davon nichts wissen: „Uns gegenüber wurden keine Aussagen über die Höhe der Eigenleistungen getroffen und wir haben diesbezüglich auch keine Unterlagen und Informationen erhalten. Wie jetzt von 70 000 Euro die Rede sein kann, ist für uns nicht mehr nachvollziehbar.“ Die Debatte dreht sich im Kreis.

Tobias Baab hat die Genehmigungen für den Park mittlerweile bei den Behörden aufgelöst und muss nun die verbliebenen Strecken auf eigene Kosten zurückbauen. „Das sind nochmal zwei Wochen Arbeit und zirka 2000 Euro Kosten. Und das alles, damit ein anderer es dann vielleicht irgendwann wieder aufbauen kann.“ Der Oberammergauer möchte keinen Unmut schüren und einen neuen Park auch nicht verhindern. Er hat nur die persönlichen Konsequenzen aus der Affäre gezogen: Für ihn ist Schluss. „Ich wünsche dem neuen Betreiber viel Erfolg. Hoffentlich mehr, als es mir vergönnt war.“ Nicht nur die jahrelange Arbeit und das Herzblut, das er in seinen Park gesteckt hat, sind dahin. Baab geht auch „mit einem dicken Minus aus der ganzen Sache“. Doch neben einem weinenden Auge hat der leidenschaftliche Biker auch ein lachendes. „Ich bin froh, dass es vorbei ist. Das ist wieder Freiheit.“

Baab gibt seine Erfahrung nun in anderen Parks weiter. „Es wäre schön, wenn es wieder einen Bikepark in Oberammergau geben würde, aber mit ehrlichen Konditionen für den Betreiber.“ Er kann sich noch gut an die Worte von Fend zu Beginn ihrer Verhandlungen erinnern: „Wenn wir es beide wollen, finden wir eine Einigung.“

Tassilo Pritzl

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