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Meist eingleisig unterwegs sind die Züge, die durch den Landkreis fahren.

Blick auf die Werdenfelsbahn nach dem Zugunglück in Bad Aibling

Zweigleisig ist nicht sicherer

Garmisch-Partenkirchen - Das Zugunglück von Bad Aibling hat den Sicherheitsaspekt in den Fokus gerückt. Auch, weil der Unfall auf einer eingleisigen Strecke passierte. Davon gibt es in der Region einige. 

Die wenigsten denken darüber nach. Über die Technik, das Schienennetz, die Planung. Die meisten steigen einfach in den Zug und hoffen, dass er sie pünktlich von A nach B bringt. In diesen Tagen aber hat sich dieses Selbstverständnis verändert. Nach dem verheerenden Zusammenstoß zweier Züge bei Bad Aibling am Dienstag rücken plötzlich Fragen nach den technischen Systemen im Hintergrund ins Zentrum. „Darüber machen sich die Leute Gedanken, sie diskutieren darüber.“ Das hört Norbert Moy, Vorsitzender des Regionalverbands ProBahn Oberbayern, dieser Tage bei seinen Zugfahrten. Er bemerkt, wie die Fahrgäste das Unglück bewegt. „Ich sehe hier einen großen Informationsbedarf“, sagt er. Dem versucht die Deutsche Bahn in diesen turbulenten Tagen nachzukommen.

Dieses System im Hintergrund, das nun so große Aufmerksamkeit erlangt, heißt „Punktförmige Zugbeeinflussung“ (PZB). Es dient der Sicherheit, „sorgt dafür, dass Züge zum Stehen kommen, wenn beispielsweise Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden“, heißt es in einer Erklärung der Bahn. Mittlerweile kommt PZB deutschlandweit auf 96 Prozent des Schienennetzes zum Einsatz, bayernweit überall. Damit auch auf der Strecke zwischen Kolbermoor und Bad Aibling, wo sich das verheerenden Unglück am Dienstagmorgen ereignet hat. Und so auch im Bereich der Werdenfelsbahn.

Täglich 22 Züge pro Richtung im Werdenfels-Netz unterwegs

Ohnehin sind die beiden Netze grundsätzlich vergleichbar: Die Züge verkehren – wie etwa auf der Hälfte des bayernweit rund 6000 Kilometer langen Schienennetzes – überwiegend eingleisig und im Stundentakt. Auf den Linien des Werdenfels-Netzes sind täglich 22 Züge – drei als Verstärker während des Berufsverkehrs – in einer Richtung unterwegs; ihnen kommen genauso viele entgegen. In den Bahnhöfen können die Züge jeweils über ein Ausweichgleis aneinander vorbeifahren.

Der DB-Sprecher aber betont in diesem Zusammenhang ausdrücklich: Bei den Sicherheitseinrichtungen unterscheide die Bahn nicht nach ein- und zweigleisigen Strecken. „Deshalb ist auch die Aussage, eingleisige Strecken seien weniger gesichert, nicht richtig.“ Hier pflichtet ihm der Fahrgastverband ProBahn ausdrücklich bei.

Genau analysieren und Ursache untersuchen

Seit Jahren fordern die Mitglieder im Bereich der Werdenfelsbahn den verstärkten Ausbau auf zwei Gleise, wie sie laut Bahnsprecher aktuell etwa ab Tutzing in Richtung München sowie – als Überbleibsel aus früheren Zeiten – auf einer Länge von etwa drei Kilometern zwischen Murnau und Hechendorf verfügbar sind. Doch stellt Moy ausdrücklich klar: Bei seinem Ansinnen auf einen Ausbau habe ProBahn die Zukunft im Blick, wonach das Verkehrsaufkommen steigt und zunehmend auf Schienen verlagert werden soll. Mit der Sicherheit habe das nichts zu tun. Die Diskussion dürfe hier nicht in eine falsche Richtung laufen. „Man kann nicht sagen, dass die Eingleisigkeit gefährlicher wäre.“

Viel wichtiger ist Moy: „Dieses Unglück erschüttert uns alle. Jetzt muss man genau analysieren, was genau passiert ist – und dann dort nachbessern, wo es möglich und nötig ist.“ Auch in diesem Punkt sprechen der Fahrgastverband und die Deutsche Bahn eine Sprache. Noch kann niemand beantworten, was genau zu dem Zugunglück geführt hat. Die Untersuchungen laufen. Vor diesem Hintergrund gibt der Bahnsprecher auch keine genaueren Auskünfte zum Sicherheitssystem PZB. Etwa dazu, inwieweit man das System umgehen kann. Oder wie bei Verspätungen verfahren wird. Noch vor wenigen Tagen hätte das auch niemanden wirklich interessiert.

Katharina Bromberger

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