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Skurriles aus dem Gericht

Blutende Lippe nach Mülltonnen-Streit im Ammertal

Kann man sich wegen der blauen Papiertonne in die Haare bekommen? Kann man: Zumindest haben es zwei Männer im Ammertal geschafft. Sie landeten vor Gericht.

Ammertal – Aus dem Stoff könnte man ohne weiteres auch einen Schwank fürs Bauerntheater verfassen: Denn die beteiligten Personen nahmen die Angelegenheit zwar todernst, ihr Verhalten jedoch hatte durchaus komödiantische Züge. Da war laut einer Staatsanwältin im Garmisch-Partenkirchner Amtsgericht ein 69-jähriger Rentner, der sich in einem Ammertaler Mehrfamilienhaus berufen fühlte, die Müllabfuhr zu regeln, genauer gesagt die Tonnen zwecks Abfuhr an den richtigen Platz zu stellen. Doch prompt geriet er eines schönen Nachmittags wegen einer Meinungsverschiedenheit ausgerechnet um die blaue Papiertonne mit einem anderen Hausbewohner aneinander: War sie noch leer, war sie schon voll, und wo war in dem einen wie auch dem anderen Fall der richtige Abstellplatz?

Auf einmal lag – es war der 4. Oktober des vergangenen Jahres gegen 14 Uhr – einer der beiden Herren am Boden. Er soll angeblich Schmerzen gehabt haben und eine blutende Lippe. Die Staatsanwältin bezichtigte den besagten Rentner, er habe bei all dem Gezerre dem anderen Hausbewohner seinen Rucksack über den Rücken geschlagen, was dann prompt zum Sturz auf den Boden und den damit verbundenen Schmerzen geführt habe – ein Fall von Körperverletzung. Der Beschuldigte bekam daraufhin einen Strafbefehl über 300 Euro (20 Tagessätze à 15 Euro). Doch weil er sich zu Unrecht behandelt fühlte, erhob er Einspruch und saß darum jetzt vor dem Kadi.

Das Gegenteil sei der Fall gewesen, rief er wütend. Nicht er habe geschlagen, vielmehr habe der andere Hausbewohner beim beiderseitigen Kampf um die blaue Tonne mit dem Fuß nach ihm gestoßen und sei dabei hingefallen: „Ich selbst war’s nicht, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie jemanden was getan.“ Nicht genug der Verwirrung war auch eine ältere Dame, ebenfalls eine Hausbewohnerin, zugegen, die alles ganz anders gesehen haben will und als Zeugin aussagte. Sie habe, erklärte sie ganz genau gesehen, wie der Rentner dem anderen den Rucksack über den Rücken geschlagen habe. Wer hat da jetzt Recht, der Rentner oder der Mann, den er geschlagen haben soll und der trotz Vorladung nicht als Zeuge erschienen war? Amtsrichter Dr. Benjamin Lenhart fand schließlich eine kurze, aber sehr schlüssige Lösung dieser Mülltonnen-Komplikation: Er stellte das Verfahren kurzerhand ein – wegen Geringfügigkeit.

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