Dokumentieren die Felsritzungen im Pürschlinggebiet: Franz Mandl und seine Frau Herta. foto: lory

Die Botschaft im Fels

Unterammergau - Die Schriftzeichen der Räter, die um 500 vor Christus gelebt haben, geben den Experten Rätsel auf. Der Fundort der Felsritzungen liegt im Pürschlinggebiet.

Sie sind fünf Millimeter tief und teilweise nicht mehr zu erkennen: Die Felsinschriften in den Bergen des Ammertals. Im Pürschlinggebiet hat der Österreicher Franz Mandl 2009 die Zeichen entdeckt und nun seinen Fund veröffentlicht (wir berichteten).

Eigentümer der Inschriften ist der Freistaat Bayern. „Die Abbildungen sind in den Fels gehauen und damit ein Bodendenkmal“, erklärt Dr. Martin Pietsch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München. Damit gehören sie zu 100 Prozent dem Freistaat. Anders sieht das bei den ausgegrabenen Sicheln, Pfeilspitzen oder Dolchen aus, die von 1992 bis 1993 am Döttenbichl bei Oberammergau gefunden wurden. Bei diesen historischen Entdeckungen wird das Recht an den Stücken geteilt: 50 Prozent gehören dem Finder, und die andere Hälfte behält der Grundstückseigentümer - in diesem Fall das Bundesland Bayern.

Für die Wissenschaft kommt die Entdeckung der Felsritzungen einer Sensation gleich. Denn alles weist darauf hin, dass sie aus der Zeit der Räter stammen. Jenes geheimnisvolle Bergvolk war ungefähr in der Zeit ab 500 vor Christus im mittleren Alpenraum - und damit auch im Ammertal - beheimatet. In der Region um Garmisch-Partenkirchen befand sich das Grenzgebiet zwischen Rätern und Kelten. Eine genaue Trennung der beiden Kulturen fällt jedoch schwer. „Sie hatten auf jeden Fall eine unterschiedliche Sprache“, sagt Dr. Werner Zanier von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Durch schriftliche Überlieferungen wurde die Bezeichnung „Räter“ in unsere Zeit getragen. Auf der Internetseite der freien Enzyklopädie Wikipedia wird die Herkunft des Namens erklärt. Demnach soll „Räter“ von „Raeti“, das seit dem zweiten Jahrhundert „Bewohner der Provinz Raetia“ bedeutet, abstammen. Nach ihrer Eroberung 15 vor Christus haben die Römer dem neu an das römische Reich angeschlossenen Gebiet - zu dem auch der Landkreis gehört hat - diesen Namen gegeben.

Die von Mandl gefundenen Felsinschriften sollen nun genau untersucht werden. „Die Datierung der Zeichen ist eine schwierige Aufgabe“, erklärt Pietsch. Mit einem sensiblen Gerät wird die Porosität innerhalb der Ritzungen gemessen. Damit kann der Stein analysiert und sein ungefähres Alter bestimmt werden. Aus diesem Grund soll noch nicht bekannt gegeben werden, wo sich der Fels befindet. „Sobald die Einkerbungen von Touristen berührt und nachgeritzt sind, ist eine Bestimmung der Herkunft nicht mehr möglich“, unterstreicht der Experte vom Bayerischen Denkmalsamt.

Eine weitere Besonderheit lässt den Fund einzigartig und gleichzeitig mysteriös erscheinen. Denn rund um die rätischen Inschriften finden sich zahlreiche andere Zeichen und Abbildungen. Diese stammen allerdings aus der Zeit zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert. „Das macht die ganze Sache schon komisch“, unterstreicht Zanier. Denn das bedeutet, dass 1500 Jahre an diesem Ort nichts geschah. Eine eindeutige Bewertung kann erst nach der wissenschaftlichen Aufarbeitung erfolgen. Dann soll die Botschaft der Räter entschlüsselt sein. (mst)

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