Hermann Baier kümmert sich um die Sicherheit. foto: vro

Bozner Markt: Seit Duisburg ist alles anders

Mittenwald - Sicherheit geht vor. Das gilt nach der Loveparade-Tragödie 2010 auch für den Bozner Markt (4. bis 12. August). Ein entsprechendes Notfall-Konzept liegt inzwischen vor.

Der 24. Juli 2010 - für viele ist dieses Datum mit einer Tragödie verbunden. Es ist der Tag der Loveparade, bei der nach einer Massenpanik 21 Menschen starben und über 500 teilweise schwer verletzt wurden. Doch der 24. Juli veränderte nicht nur in Duisburg die Welt. Auch der Bozner Markt 2012 in Mittenwald wird ein anderer sein. Für die mittelalterliche Großveranstaltung, zu der tausende Besucher erwartet werden, wurde eigens ein Sicherheits- und Verkehrskonzept ausgearbeitet.

Denn im Ernstfall will man vorbereitet sein. Es sind Bilder, die Hermann Baier auch heute noch nachdenklich stimmen. Bilder vom Bozner Markt 2007, auf denen „nur noch Köpfe zu sehen sind“, beschreibt der Ordnungsamtschef diese Massenszenen. Menschen drängten sich im Obermarkt, teilweise gab’s kein Durchkommen mehr. Glücklicherweise sei trotz des Ansturms nie etwas passiert.

Doch herausfordern will Baier Fortuna nicht. Und so gehören die Bilder des prall gefüllten Ortszentrums der Vergangenheit an. Denn in Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr sowie dem Roten Kreuz entwickelte Baier ein ausgeklügeltes Konzept. Rettungswege wurden definiert, Fluchtwege gekennzeichnet, ein privater Sicherheitsdienst, „der sich dezent im Hintergrund halten wird“, engagiert sowie ein Sanitätszentrum und eine Zentrale für die Feuerwehr eingerichtet.

Baier sowie die übrigen Verantwortlichen möchten sicher sein, falls eine Großschadenslage eintreten sollte - wie es im Verwaltungsjargon heißt -, „das Menschenmöglichste getan zu haben“. Auf rund 30 000 Euro beziffert Baier die Mehrkosten, die auf die Kommune zukommen. Zudem haben andere Bereiche, wie der künstlerische Aspekt, teils das Nachsehen. „Das ist ein permanenter Kompromiss“, sagt Baier. Immerhin soll das Markttreiben zwar sein ungezwungenes Mittelalter-Flair behalten und nichts an Authentizität einbüßen. Zugleich jedoch gilt es, mögliche Gefahrenstellen zu beseitigen.

So muss, um eine Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge zu gewährleisten, der Marktbach an jenen Stellen abgedeckt werden, an welchen er nicht, etwa für das Handwerk, benötigt wird. „Da haben wir nur zähneknirschend zugestimmt“, berichtet Baier. Denn eigentlich sei der Bach fester Bestandteil des historischen Ensembles im Ortszentrum.

Weitere Neuerung: Auch der Stand des Spielmannszugs wurde verlegt. So sei die Landsknechtschänke in der Vergangenheit ein neuralgischer Punkt gewesen. „Dort war es immer sehr eng“ - ein Gefahrenpunkt, der beseitigt werden konnte. Und noch etwas hat es bei den Veranstaltungen bisher noch nicht gegeben: Einlasskontrollen. Falls der Eindruck entsteht, es seien zu viele Menschen vor Ort, „werden die Tore vorübergehend geschlossen“.

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