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Stand bis zuletzt leer: Die Futterstelle nahe der Brandlalm hat erst seit einigen Tagen Heu.

Forst in der Kritik

Leere Futterkrippe alarmiert Tierschützer

Mit schweren Vorwürfen wird der Forstbetrieb Bad Tölz derzeit konfrontiert: Der Grund: Die aktuelle Lage an der Rotwildfütterung nahe der Brandlalm verstoße gleich gegen mehrere Gesetze.

Mittenwald – Tessy Lödermann befürchtet ein Drama. „Es ist nicht nachvollziehbar, wie man ruhig schlafen kann, wenn man wissentlich Tiere dem Hungertod ausliefert.“ Harte Vorwürfe gegen die Bayerische Staatsforsten. Dabei bezieht sich die Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen auf die Situation, der das Rotwild rund um die Fütterungsstelle nahe der Brandlalm (1132 Meter) an der Soiernspitze im Karwendel, ausgesetzt ist.

Ihre Alarmglocken schrillen auch wegen der Vorgeschichte: Die Zustände vor Ort sorgten bereits im Winter 2004/05 für Aufsehen. Im Frühjahr waren dort acht Stück Rotwild verendet. Damals hatte man versucht, die Tiere zu niedriger gelegenen Futterkrippen zu locken. Dass zu so später Jahreszeit auch so weit oben am Berg noch Rotwild zugegen war, hatte sich der Kenntnis des Forstbetriebs entzogen. Eine Fehleinschätzung, die die Verantwortlichen bedauert hatten.

Die aktuelle Lage erinnert Lödermann an den damaligen Skandal, daher auch ihre Besorgnis. Skitouren-Geher haben ihr vor Weihnachten Fotos zukommen lassen und berichteten von zahlreichen Tierspuren. „Im Stadel ist Heu eingelagert, aber nicht ausgelegt“, betont sie.

Damaliges Drama: Bereits 2004/05 sind in dem Bereich Tiere verendet. 

Laut Bundesjagdgesetz ist derjenige, der die Jagd ausüben darf, auch zur Hege verpflichtet. Außerdem, ergänzt Lödermann, verstoße das Vorgehen gegen das Tierschutzgesetz, wonach niemand einem Lebewesen Leid zumuten darf. „Tiere dem Hungern aussetzen, ist größtmögliches Leiden.“ Gegen diese Gesetze liegen in den Augen der Tierschützerin „eindeutige“ Verstöße vor. Für sie sieht es so aus, als füttere der Forst bewusst nicht, um die Futterkrippe an der Brandlalm auflösen zu können. In einem Schreiben an Franz Mangold von der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen bat die Tierschützerin daher um eine „umgehende“ Fütterungsanordnung für die Brandlalm.

Auch Christine Miller, Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern, sieht ein Versäumnis seitens der Verantwortlichen. „Seit dem ersten starken Schneefall hätte man der Hegepflicht nachkommen müssen.“ Auf Nachfrage hat sie vom Landratsamt allerdings schon Entwarnung bekommen: Seit dem 26. Dezember wird Nahrung für das Wild bereitgestellt, hat man ihr versichert. Miller stimmt Lödermann in ihren Vermutungen zu und ergänzt: „Eventuell war die Absicht, den Abschuss zu erreichen.“

Dass sowohl Lödermann als auch Miller die Lage des Rotwilds an der Brandlalm umtreibt, versteht Rudolf Plochmann, Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz. „Aber die Sorge ist unbegründet“, macht er deutlich. „Keiner will, dass dort oben Tiere verenden.“ Wöchentliche Inspektionen von Karl Hörmann, dem zuständigen Berufsjäger des Gebiets, sollen das verhindern.

Ähnlich wie im Winter 2004/05 besteht seitens des Forsts die Absicht, das Rotwild zu tiefer gelegenen Futterkrippen zu locken. „Wenn wir gleich zu Beginn des Winters dort oben viel Heu auslegen, sehen die Tiere keine Notwendigkeit weiterzuziehen.“ Die Futterkrippe an der Brandlalm sei abgelegen und schwer zu erreichen. Das ist nach Angaben des Forstbetriebs der Grund dafür, das Wild umzulenken. Miller vermutet, dass auch eine Kosten- und Aufwandsersparnis der Grund für das Handeln der Zuständigen ist. Eine Unterstellung, die Plochmann nicht bestätigt. Sobald Hörmann Bedarf sieht, handelt er sofort, bekräftigt der Betriebsleiter. Diese Taktik verfolgt der Forstbetrieb seit Ende 2005. „Das funktioniert gut so“, betont Plochmann.

Er räumt jedoch ein, dass erst seit den Weihnachtsfeiertagen Heu ausgelegt ist. Vor diesem Zeitpunkt sei das nicht nötig gewesen. „Wildtiere stellen sich auf die Saison ein, fahren ihren Energieverbrauch runter und brauchen ergo weniger Futter.“ So früh im Winter leiden sie also keinen Hunger. In Plochmanns Augen sei das eine Fehleinschätzung seitens der Tierschützer.

Lödermann wird sich damit nicht zufrieden geben. Sie plant ein Rundschreiben an alle Verantwortlichen, um die Gesetzeslage noch einmal deutlich zu machen.

Martina Baumeister

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