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Steht in der Kritik: Bürgermeister Karl-Heinz Reichert.

„Ich habe nur meinen Job gemacht“

Breitseiten gegen Bad Kohlgrubs Bürgermeister

Bürgermeister unter Beschuss: Bad Kohlgruber Gemeinderäte kritisieren den Führungsstil von Karl-Heinz Reichert. Vor allem die Informationspolitik gefällt so manch‘ einem nicht.

Bad Kohlgrub – Anderl Wojciak sprach von einer „One-man-Show“, Kollege Nikolaus Onnich von einem Zustand, „der nicht mehr tragbar ist“. Und weil Onnich einem anderen Ratsmitglied mehrmals ins Wort fiel, stand gar eine Rüge von der Sitzungsleitung im Raum. Ordentlich zur Sache ging es in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Bad Kohlgrub, der immerhin rund 30 Bürger beiwohnten, und in den Fokus der Kritik geriet in erster Linie Bürgermeister Karl-Heinz Reichert. Verhältnisse, die man bisher eher von Zusammenkünften der Oberammergauer Bürgervertretung gewohnt war.

Bauausschuss nicht eingeschaltet

Vor allem „Niki“ Onnich erregte sich am Verhalten des Rathauschefs in jüngerer Vergangenheit. Dessen Auftragsvergabe an ein Ingenieurbüro für Planungen zur Sanierung der Leichtathletikanlagen im Sportzentrum missfiel dem Vertreter der Landwirtschaft-Liste: „Solche Sachen erfahren wir zu spät oder gar nicht. Das passiert immer und immer wieder und läuft schon lang so. Ich bin nicht zufrieden.“ Wojciak missfiel, dass hier der Bauausschuss nicht eingeschaltet worden sei: „So ein Vorgehen ist schon fragwürdig. Es ist im Vorfeld nicht ausgemacht worden, wie man es angeht.“ Der Mann von der Neuen Liste kritisierte außerdem das Prozedere bei der Sanierung des Lampl-Anwesens: „Da wird seit zwei Jahren für teures Geld gebaut, und kein Gemeinderat weiß wirklich, wie es drinnen aussieht.“ Eine „Bankrotterklärung“ nannte es Wojciak, wie der Ausbau der Tenne zum Saal vonstatten gehe: „Man kann da doch jetzt keine Spinde für Requisiten reinbauen.“

Nikolaus Onnich findet es darüber hinaus „nicht in Ordnung, dass bestimmte Architekten vom Bürgermeister immer wieder Planungsaufträge bekommen, von denen der Gemeinderat nichts weiß. Wir erfahren nichts mehr. So geht das nicht.“ Andere Gemeinderäte teilten die verbalen Rundumschläge nicht. Vize Franz Degele erklärte, dass er kein Problem mit dieser Vorgehensweise des Gemeindeoberhauptes habe.

Karl-Heinz Reichert traf die Kritik von Onnich und Wojciak an seinem Arbeitsstil doch einigermaßen überraschend. Zum Thema Leichtathletikanlagen meinte er kleinlaut: „Vielleicht habe ich hier etwas zu schnell und zu eigenmächtig gehandelt und bin übers Ziel hinausgeschossen. Aber ich habe es nur gut gemeint und wollte im Interesse der Sache, dass es vorangeht, und wir über Fakten diskutieren können. Ich nehme mir die kritischen Worte zu Herzen. Ich habe nur meinen Job gemacht. Aber ich verstehe auch, dass sich manche Gemeinderäte überfahren fühlten.“ Zu dem Vorwurf von Nikolaus Onnich, dass die ISA-Architekten „immer wieder Aufträge bekommen, von denen wir nichts mitbekommen oder wissen“, nahm Bürgermeister Reichert in besagter Sitzung nicht Stellung. Otto Fussenegger erklärte dazu nur, dass man mit der Arbeit dieser Planer stets zufrieden gewesen sei.

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