Brücke geht in die Luft

Sprengung auf der A95: Spektakuläres Video

Großweil - Ein Rums, viel Staub, dann war alles vorbei: Innerhalb weniger Sekunden wurde am Montagabend gegen 19 Uhr die nördliche Autobahnbrücke an der Anschlussstelle bei Großweil dem Erdboden gleichgemacht – mit 90 Kilo Dynamit.

Es ist kurz vor 19 Uhr: An die 50 Großweiler und Auswärtige, darunter viele Kinder, haben sich auf einer Hangwiese oberhalb der Autobahnmeisterei versammelt. Es ist eine der wenigen Stellen, von der man aus sicherer Entfernung das Spektakel an der A 95 mitverfolgen kann. Einziges Manko: Die neue Südbrücke verdeckt die alte im Norden, die direkt daneben steht. Nichtsdestotrotz: Die Explosion ist ein Dorfereignis, das Interesse groß. Viele Zuschauer sind mit Kameras angerückt, einige haben Sitzkissen und Brotzeit dabei. Martin Karner und Simon Summer sind extra aus Krün angereist. „Sowas sieht man nicht jeden Tag“, sagen sie.

Feuerwehrleute und Polizisten sorgen dafür, dass niemand die Sicherheitszone im Umkreis von 300 Metern betritt – auch nicht in den Waldgebieten. Zu groß ist die Gefahr, dass Bruchstücke herumgeschleudert werden. Die Staatsstraße 2062 und die Autobahn sind komplett gesperrt. Nichts geht mehr.

Dann wird es ernst – und auf der Wiese sehr still. Der Apfeldorfer Sprengmeister Eduard Reisch, der sich hinter einem Container etwa 200 Meter von der Brücke entfernt verschanzt hat, gibt die akustischen Sprengsignale – ein langes, zwei kurze. Dann zündet er um 19 Uhr elektrisch. Ein dumpfer Knall ist zu hören, dann sind mehrere Erschütterungen zu spüren. Eine riesige Staubwolke steigt auf. Was die Zuschauer nicht genau erkennen können: Die tonnenschwere Nordbrücke krachte zusammen wie ein Kartenhaus. Erst wurden die Pfeiler pulverisiert, dann brach der Überbau mit der zweispurigen Fahrbahn in der Mitte auseinander und stürzte in die Tiefe. Die Begeisterung unter den Schaulustigen ist groß: „Das war beeindruckend“, sagt etwa der Penzberger Werner Splistisser.

Hier geht der Beton-Koloss in die Knie

Brücke auf der A95 gesprengt - Bilder

Alles lief wie geplant. Bereits um 19.15 Uhr rollt wieder der Verkehr auf der Autobahn. Sprengchef Reisch ist zufrieden: „Wunderbar, perfekt“, sagt er nach getaner Arbeit. Mit technischer Präzision hatte er zusammen mit seinen Mitarbeitern die Detonation vorbereitet. Dazu war der pastenartige Sprengstoff in die 160 Bohrlöcher eingebracht worden. Die Aktion war nicht ganz einfach: Die neue Südbrücke direkt daneben musste mit Matten geschützt werden. Um die Fahrbahn darunter nicht zu beschädigen, war ein eineinhalb Meter hohes Kiesbett aufgeschüttet worden. In den nächsten Tagen soll der Schutt zerkleinert und abtransportiert werden.

Zur Erinnerung: Im Sommer 2012 hatte es beim Abbruch der südlichen Brücke einen tragischen Unfall gegeben. Zwei Bagger rutschten ab, einer der Fahrer wurde schwer verletzt. Daraufhin entschlossen sich die Autobahndirektion Südbayern und die beauftragte Baufirma, die Überquerung zu sprengen. Der gut 60 Meter langen und zwölf Meter hohen Nordbrücke ereilte jetzt das gleiche Schicksal. Der Neubau soll im Herbst fertig sein. Kostenpunkt für beide Brücken: rund fünf Millionen Euro. Die Investition ist notwendig, da die alten Konstruktionen in die Jahre gekommen waren. Sie stammten aus den 1970er Jahren, Beton und Stahl hatten bereits erste Verschleißerscheinungen gezeigt.

Von Andreas Seiler

Rubriklistenbild: © BSE-Pictures.de

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