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Anhänger und ihr „Meister“: Bruno Gröning (r.) wurde in den 1950er Jahren durch vermeintliche Massenheilungen bekannt. Foto: Archiv mm

Bruno-Gröning-Freundeskreis: Die gescheiterte Werbeaktion

Murnau - Aus einer Werbeaktion des umstrittenen Bruno-Gröning-Freundeskreises wird nichts: Der Betreiber des Murnauer Kinos sagte die Filmvorführung über den angeblichen Wunderheiler ab.

Seine Anhänger verehren ihn als Wunderdoktor, in den Augen von Kritikern war er nichts weiter als ein Scharlatan: Die Rede ist von Bruno Gröning (1906 - 1959), der im Nachkriegsdeutschland als Geistheiler öffentlich auftrat und kurzzeitig in Uffing lebte. Selbst Jahrzehnte nach seinem Tod gibt es so genannte Freundeskreise, die seine Lehre weitergeben und einen bizarren Personenkult betreiben. Sektenexperten warnen vor dieser esoterischen Bewegung.

Die katholische Kirche registrierte vor einigen Jahren eine verstärkte Mitgliederwerbung dieser Gemeinschaften. Eine davon trifft sich regelmäßig in Seehausen und wollte am Sonntag, 13. November, eine PR-Kampagne in Murnau starten. Geplant war, im Griesbräu-Kino einen mehrstündigen Werbefilm über das Wirken ihres „Meisters“ zu zeigen.

Doch daraus wird nichts: Kino-Betreiber Georg Betzmeir hat die seit Wochen angekündigte Vorführung kurzfristig abgeblasen, nachdem das Tagblatt nachgefragt und er sich über den dubiosen Gröning-Kult informiert hatte. Er habe anfangs die Film-Matinee für eine harmlose, religiöse Veranstaltung gehalten, berichtet der Geschäftsmann. Inzwischen ist er anderer Meinung: „Das wäre ein Image-Schaden für mein Kino gewesen.“

Bekannt wurde Gröning in den 1950er Jahren durch vermeintliche Massenheilungen. Trotz gerichtlicher Verurteilungen, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, wurde von seinen Anhängern ein weltweites Netz aufgebaut. Seine Jünger glauben, dass bei schwerer Krankheit der von Gröning propagierte göttliche „Heilstrom“ hilft. Selbst der besagte Film soll schon wirken.

Für Fachleute ist das freilich alles Humbug - ein gefährlicher noch dazu. Eine Kommission des Deutschen Bundestages listete bereits 1998 in einem Bericht über „Sekten und Psychogruppen“ die Bruno-Gröning-Freundeskreise auf - direkt nach Scientology. Die Behauptung Grönings, „es gibt kein unheilbar“, werde völlig unkritisch übernommen, heißt es darin. „Dadurch wird ein Heil- und Wunderglaube an Menschen herangetragen, der im extremsten Fall dazu führen kann, medizinische Beratung im Krankheitsfall nicht anzunehmen.“

Auch die Kirchen sind alarmiert. 2008 brachte das Bistum Augsburg der katholischen Kirche in einem Amtsblatt eine offizielle Warnung heraus. „In dieser neuoffenbarerischen und esoterischen Heilungsbewegung tritt Bruno Gröning an die Stelle Jesu Christi“, schreibt die Fachstelle für Religions- und Weltanschauungsfragen. Es würden „naive Heilungshoffnungen“ geweckt, was unverantwortlich sei.

Unklar ist, ob es einen Ersatztermin für die in Murnau geplante Film-Vorführung gibt. Vielleicht zeige man den Streifen im privaten Rahmen, sagt Angela Wohletz. Die Grainauerin leitet den 15-köpfigen Gröning-Kreis in Seehausen. Sie kann die Kritik nicht nachvollziehen, spricht von Vorurteilen und Engstirnigkeit. „Wir wollen nur informieren“, betont sie - ohne Zwang oder finanzielle Interessen.

Ganz uneigennützig ist die weltweit aktive Bewegung nicht. Über einen Verlag werden Bücher, CDs, Filme und Zeitschriften vertrieben, etwa auf Esoterik-Messen. Zudem sollen jedes Jahr Spendeneinnahmen in Millionenhöhe zusammenkommen. (as)

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