Massive Vergehen gegen das Tierschutzgesetz

Schafe gestohlen, gequält und brutal geschlachtet

Landkreis -  Sie hatten keine Skrupel und richteten mit einem Vorschlaghammer ein Blutbad an: Sieben junge Leute bekommen harte Strafen vor Gericht.

Der Fall ist ebenso ungewöhnlich wie brutal: Einbruchsdiebstahl, Hausfriedensbruch und massive Vergehen gegen das Tierschutzgesetz. Dafür mussten sich sieben junge Leute zwischen 23 und 26 Jahren, fünf Männer und zwei Frauen, vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verantworten. In zwei Nächten hatten sie in wechselweiser Besetzung aus einem Stall bei Mittenwald Hühner, Hasen und fünf Lämmer gestohlen und zwei davon auf brutale Weise geschlachtet, nachdem sie den Stall aufgebrochen hatten. Dies alles gefördert durch starken Alkoholgenuss. Insbesondere die aus Mittenwald, Krün und Garmisch-Partenkirchen stammenden Männer ließen sich erst aus einer Vierliter-Wodkaflasche vollaufen und folgten dann den Anregungen des 23-jährigen Initiators.

Die Urteile waren nach achtstündiger Verhandlung dementsprechend hart: Der Anführer bekam eine einjährige Bewährungsstrafe samt 160 Stunden Sozialarbeit, seine gleichaltrige Freundin muss 2300 Euro Geldstrafe zahlen, ein 24-Jähriger wurde zu 6000 Euro verdonnert, ein 26-Jähriger zu 7000, ein ebenfalls 26-Jähriger zu 3500 Euro. Gegen zwei weitere Angeklagte wurden die Verfahren wegen Geringfügigkeit und gegen Zahlung von 1700 beziehungsweise 1200 Euro Geldauflage eingestellt. Die sieben jungen Leute hatten sich, erläuterte Staatsanwalt Thomas Lenz zum Auftakt, zunächst in der Wohnung des 23-Jährigen getroffen. Eine eher lose Gruppe, die sich teils erst Tage vorher kennengelernt hatte. „Der 23-Jährige hatte dann die Idee“, sagte Richter Paul Georg Pfluger. „In der Nacht auf den 9. November 2014 seine zwei Hühner, die angeblich durch einen Fuchs abhanden gekommen waren, durch andere zu ersetzen und er wusste auch wo: Am Hoffeld südlich von Mittenwald gibt’s einen Stadel mit Stall...“. Also seien sechs von ihnen dorthin gefahren, fanden dort sechs Hühner und stopften sie höchst brutal in ein leeres Plastikfutterfass. Gleichzeitig stahlen sie noch zwei Hasen aus dem Stadel.

Kaum eine Woche später fand dann in der Nacht auf den 15. November wieder eine alkoholgeschwängerte Feier beim Rädelsführer statt, der nun den Wunsch nach einem Lamm verspürte. Zu sechst ging’s erneut zum Hoffeld. Der 23-Jährige hatte kein Problem mithilfe eines Bolzenschneiders das diesmal zugesperrte Schloss am Stall zu knacken und fünf Schafe in den engen VW-Bus zu treiben, mit dem die verängstigten und schreienden Vierbeiner nunmehr samt der angetrunkenen Täter nach Kaltenbrunn befördert wurden. „Die Tiere erlitten dabei erhebliche Schmerzen und Qualen“, unterstrich Pfluger. Ein Veterinärgutachter bestätigte diese Einschätzung. Drei der Schafe ließ der junge Mann frei. Die beiden anderen tötete er mit einem Vorschlaghammer und zerwirkte sie ohne fachliche Kenntnisse mit einem Messer, um die Einzelteile im Kinderzimmer der Wohnung zu deponieren. Mit den heimischen Rechtsanwälten Ingo Kaus, Franz Grabo, Christian Langhorst, Axel vom Brocke, Michael Röhrig, Winfried Folda und Christian Zimmermann als Verteidigern räumten die Angeklagten zunächst die ihnen zur Last gelegten Delikte ein. Bei dreien lag Grund zur Strafmilderung vor, denn sie hatten sich auf einen Zeitungsaufruf der Polizei hin selbst angezeigt. Zudem leisteteten sie dem betroffenen Landwirt Zahlungen zur Wiedergutmachung und entschuldigten sich für ihr unverständliches Verhalten. Als der Rädelsführer während der Verhandlung versuchte, sich ebenfalls noch zu entschuldigen, lehnte der Geschädigte dies ab.

Wolfgang Kaiser

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