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Anno 1930 hat Georg Johann Lang das Bühnenhaus-Ensemble mit Bögen und Treppen geschaffen.

Drei Oberammergauer Frauen wollen „ein Wahrzeichen erhalten“

Kommt ein Bürgerbegehren gegen den Umbau der Passionsbühne?

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Müssen sich die Bürger Oberammergaus wenige Monate vor Beginn der Passionsspiele noch auf einen Bürgerentscheid einstellen?

Oberammergau – Es geht mal wieder um die Passion. Drei Frauen, nämlich Maria Blaschke, Irmi Fischer und Elisabeth Kemper, sind die Initiatorinnen des Bürgerbegehrens. Sie fordern, „die bestehende, einzigartige Bühne des Passionsspielhauses zu erhalten“ und die Umbau-Pläne der Gemeinde ad acta zu legen. Würde dieses Votum Realität, wäre es das elfte in Oberammergau: Zuletzt stimmte die Bevölkerung vor vier Jahren über die weitere Verwendung des Ammergauer Hauses ab und entschied mit 54,5 : 45,5-Prozent, dass das Rathaus dort nicht einzieht.

In den letzten Wochen hatte das Thema Bühnen-Umbau in den politischen Gremien in Oberammergau immer wieder für Missmut und Verärgerung gesorgt. Vor allem die Freien Wähler um Ludwig Utschneider kritisierten Gesinnungswechsel, fehlende Transparenz und Tempo bei diesem Projekt. In der Werkausschusssitzung vergangene Woche hatte Utschneider gepoltert: „Es gibt keinen Beschluss des Gemeinderates dafür!“ Zu diesem Bauantrag des Eigenbetriebs Kultur hatte Erster Bürgermeister Arno Nunn sogar eine Eilordnung erlassen, die das Landratsamt jedoch bei der nachträglichen Prüfung einer Aufsichtsbeschwerde als unwirksam und unzulässig niederschmetterte.

Nach diesem Modell der Spielleitung soll der Umbau der Bühne erfolgen.

Kostenkalkulation bei 250 000 Euro

Spielleitung und Bühnenbilder Stefan Hageneier beabsichtigen folgende Veränderungen auf der großen, 41 Meter breiten Freilichtbühne: die Rundbögen zu den Gassen entfernen, die Bogentreppen der beiden seitlichen Tempelhäuser (Annas-/Pilatushaus) absenken beziehungsweise um drei Stufen verringern und die Sturzhöhe der Mittelbühne auf beide Seiten fortsetzen. Der Eigenbetrieb geht bei der Finanzierung des Umbaus von Gesamtkosten in Höhe von rund 250 000 Euro aus. Diese Zahl wurde im Werkausschuss genannt.

„Ein Wahrzeichen der Passion“

Nicht vorrangig der Faktor Geld war für die Initiatorinnen des Bürgerbegehrens maßgeblich, den Widerstand gegen das Projekt anzustoßen. Maria Blaschke: „Uns geht es in erster Linie darum, das historische, zur Passion 1930 von Georg Johann Lang gebaute Bühnenhaus zu erhalten. Es ist das Wahrzeichen der Oberammergauer Passion, ja ein heimisches Kulturdenkmal. Zehn Passionsaufführungen und die Rosner-Prob haben hier stattgefunden. Die Bürgerschaft Oberammergaus kann bei einer so wichtigen Entscheidung nicht einfach übergangen werden.“ Auch Elisabeth Kemper positioniert sich klar gegen diesen Umbau: „Diese einzigartige Bühne darf nicht zerstört werden. Außerdem hat die Art und Weise, wie die Sache im Gemeinderat behandelt wurde, nichts mehr mit Demokratie zu tun, wenn Gemeinderäte keine verlässlichen Zahlen über die Kosten erhalten.“

Huber vermutet „Kalkül dahinter“

Erst von der Tagblatt-Redaktion hat Zweiter Bürgermeister Eugen Huber am Dienstag von einem möglichen Bürgerbegehren erfahren: „Bis jetzt war niemand im Rathaus.“ Erwartet hat er so etwas nicht: „Gut, man muss das akzeptieren. Dieses Mittel sieht unsere Demokratie vor. Aber wenn die nötigen Unterschriften tatsächlich erreicht werden, ist es sehr fraglich, ob das Vorhaben überhaupt noch bis zum Beginn der Passion realisiert werden kann. Ich vermute, dass dahinter Kalkül steckt.“ Den neuen Bühnenentwurf von Stefan Hageneier findet Huber sehr gelungen: „Aus den drei bisherigen Elementen wird eine große, durchgehende Tempelanlage. Dadurch entstünde eine große Klarheit.“

Um als Bürgerbegehren zugelassen zu werden, müssen die drei Frauen in den nächsten Wochen 460 Unterschriften sammeln. Sie werden laut Blaschke „mit den Listen rumgehen“. Außerdem können sich Bürger beim „Klepper“ (Lang sel. Erben, Dorfstraße 20) eintragen.

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