Aus alt mach neu: Derzeit ist die Fassade vom Haus des Gastes in Bad Kohlgrub recht bunt gestaltet. Die Planung sieht Schindeln aus Holz vor. 

Fassadenplanung in der Kritik  

Bürgerbegehren in Bad Kohlgrub: Hürde genommen

Bad Kohlgrub –  Bad Kohlgrub steuert auf seinen ersten Bürgerentscheid zu: Die Unterschriftenlisten sind voll. Womöglich entscheidet sich aber erst im September, ob das Haus des Gastes eine Schindelfassade bekommt oder nicht.

Wenn es in Oberammergau mal wieder einen Bürgerentscheid geben soll, dann ist der Weg dorthin fast schon vorgezeichnet. Der Startschuss für das Sammeln der Unterschriften fällt in der Regel medienwirksam, im Ort wird für die Sache getrommelt, es gibt fleißige Leserbriefschreiber und einen Fototermin mit der Heimatzeitung, wenn die vollen Unterschriftenlisten im Rathaus abgegeben werden. Was in Oberammergau nach zehn Abstimmungen so was wie guter Brauch ist, interessiert in Bad Kohlgrub nicht. Zumindest Josef Niklas und Andreas Lindauer nicht. Die beiden haben, wie berichtet, ein Bürgerbegehren gegen die geplante Fassadengestaltung beim Umbau vom Haus des Gastes gestartet. Und gehen ihren Weg in aller Stille.

Inzwischen liegen die Unterschriftenlisten im Rathaus. Wie viel Unterstützung es konkret von den Bad Kohlgrubern gab? „Das haben wir nicht genau nachgezählt“, sagt Lindauer. Etwa 500 Einträge gab es. 430 davon sind gültig, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Reichert (parteifrei). In der Verwaltung sind die Unterlagen vor wenigen Tagen abgegeben worden. Ohne großes Foto-Schnickschnack.

„Wir haben die Listen inzwischen geprüft“, erzählt Reichert. Am 11. April kommt das Thema wieder in den Gemeinderat, der die Zulässigkeit per Beschluss bestätigen muss.

Eigentlich sollte es in den drei Monaten danach, ruft Reichert in Erinnerung, zur Abstimmung kommen. „Der 9. Juli ist ein Termin.“ Reichert hätte aber einen guten Alternativvorschlag: Der Bürgerentscheid könnte auf den Tag der Bundestagswahl am 24. September gelegt werden. Dann wäre für die Initiatoren mit einer sehr breiten Wahlbeteiligung zu rechnen. Und diese wäre besonders bei diesem Bürgerentscheid wichtig. Schließlich geht es um eine Geschmacksfrage.

Niklas und Lindauer gehen gegen den Gemeinderatsbeschluss vor, das Haus des Gastes nach seiner Modernisierung mit einer Schindelfassade aus Holz zu versehen. Die Pläne dafür hatte der einheimische Architekt Clemens Böhmer vom Büro „BöhmerLaubender Architektur und Stadtplanung“ den Lokalpolitikern im Februar vorgestellt. Als Ansprüche nannte er dabei, dass die Gestaltung „naturnah“ und „nachhaltig“ sein soll. Beides finde sich in der Planung wieder.

In den Augen von Lindauer und Niklas passt eine solche Fassade „nicht ins Ortsbild“. Deshalb haben sie die Unterschriftenaktion gestartet. Über die Reaktionen der Bad Kohlgruber wollen sie gar nicht groß reden. „Die Zahl ist doch Aussage genug“, sagt Lindauer mit Blick auf 430 gültige Einträge. 220 wären nötig gewesen, damit es zu einem Bürgerentscheid kommen kann. Ob sie den September-Vorschlag annehmen, wissen die Initiatoren noch nicht. Jetzt soll sich erst einmal der Gemeinderat mit dem Thema befassen. Das ist ihnen wahrscheinlich schon Aufmerksamkeit genug.

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