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Da liegt die Zukunft: (v. r.) Unternehmensberater Wolfgang Zimmermann, Bürgermeister Thomas Schmid und Dritter Bürgermeister Hannes Krätz sehen die Bilanz des „Profils 2010“ als Grundlage für einen neuen Prozess im Ort.

Bürgerbeteiligung "Profil 2010": Hier können Sie die Bilanz lesen

Garmisch-Partenkirchen - Bürgermeister Thomas Schmid spricht sich für eine erneute Bürgerbeteiligung aus. Beginnen soll der Prozess aber erst nach der Kommunalwahl 2014 - dann mit einer neuen Kultur. Die Bilanz von "Profil 2010" finden Sie hier zum Download.

Wolfgang Zimmermann nennt sein Papier einen „Spiegel“. Der Unternehmensberater aus Murnau hat von Herbst 2002 an den Bürgerbeteiligungsprozess „Profil 2010“ in Garmisch-Partenkirchen begleitet. Vor einem Jahr hat er dann den Auftrag bekommen, Bilanz zu ziehen. Erstellt hat er ein Papier mit „Auswertung und Empfehlungen“, das man auch als vernichtendes Urteil des Projektes sehen kann. So möchte es Zimmermann freilich nicht verstanden wissen. Es gehe darum, „dem Umgang mit der Ortsentwicklung, der Handels- und Wirtschaftsentwicklung und dem Tourismus ein Stück weit den Spiegel vorzuhalten“, heißt es in Kapitel 3 des 35-seitigen Papiers. Er hat es nach Gesprächen mit der Marktverwaltung und nach der Berichterstattung im Tagblatt als „Vorbemerkung zu den Ergebnissen“ dem Entwurf hinzugefügt. „Es war auf keinen Fall gedacht, auf jemanden mit dem Finger zu zeigen“, betonte Zimmermann bei einer Pressekonferenz am Freitag im Rathaus. „Das kann man natürlich für eine parteipolitische Abrechnung verwenden, aber da habe ich keine Karten im Spiel.“

Zimmermann hat die Teilnahme der Bürger im „Profil 2010“ anfangs als „sehr engagiert, auch mutig“ erlebt. Wie viele andere Prozesse zur Bürgerbeteiligung sei auch der in Garmisch-Partenkirchen verflacht. Für seine Bilanz hat er erneut Vertreter der Kommune und von Verbänden sowie einige Mitarbeiter von damals befragt. Dabei hat er in Garmisch-Partenkirchen zum einen festgestellt: „Wenn man sich hier Ziele setzt, setzt man sich relativ hohe Ziele. Das macht’s manchmal schwierig, sie zu erreichen.“

Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) sieht viele verwirklichte Projekte: etwa die Umkehrung der Fahrtrichtung in der historischen Ludwigstraße oder auch die Garmischer Fußgängerzone und den Mohrenplatz; manches erfolgreiche Vorhaben werde Schmid zufolge gar nicht mehr mit dem „Profil 2010“ in Verbindung gebracht. „Und anderes wird jetzt erst fertig“, sagte er. Zum anderen, meint Zimmermann, sei in dieser Bilanz „die Selbsteinschätzung der handelnden Personen etwas kritischer“ als möglicherweise notwendig gewesen wäre.

Für den Bürgermeister sind das „Profil 2010“ und die Erkenntnisse von Zimmermann eine Grundlage für einen neuen Prozess. „Die Leute wollen mehr integriert werden und mehr Mitsprache haben“, sagte er. Allerdings will er das „Profil 2020“, oder wie es auch heißen möge, erst nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2014 anstoßen – der Prozess soll nicht durch den Wahlkampf und parteipolitische Auseinandersetzungen beschädigt werden. Nach der Wahl, sagte Dritter Bürgermeister Hannes Krätz (Freie Wähler) gebe es vielleicht neue Leute, die sich engagieren wollen. „In einem Bürgerbeteiligungsprozess darf niemand ausgeklammert werden.“

Eine der „zentralen Herausforderungen“ bei einer zweiten Auflage hat Zimmermann für den Ort bereits formuliert: „Jedes Gemeinwesen muss die Balance finden zwischen Bewahren und Verändern. Das war hier schon immer schwierig.“ Der Experte plädiert für eine neue Kultur im Markt: ein sinnvolles Miteinander mit einem realistischen Blick auf das Machbare und einer guten gesellschaftlichen Streitkultur, aber auch mit der Bereitschaft: „Wenn’s entschieden ist, wird es auch getragen.“

Matthias Holzapfel

Hier finden Sie – mit freundlicher Unterstützung des Marktes Garmisch-Partenkirchen – die gesamten Auswertungen sowie Empfehlungen des Murnauer Unternehmensberaters Wolfgang Zimmermann zum Download.

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