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Vom Bürgermeister zum Bau-Lobbyisten

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Von: Peter Reinbold

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Neuer Platz: Thomas Schmid am Schreibtisch in seinem Münchner Büro. © Andreas Mayr

Garmisch-Partenkirchen - Thomas Schmid, der bis Ende April Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen war, wechselt in die freie Wirtschaft und führt als Hauptgeschäftsführer den Bayerischer Bauindustrieverband.

Der Wechsel von Politikern in die freie Wirtschaft hat Methode und Tradition. Die jüngsten Beispiele: Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla sitzt in Zukunft auf einem Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn, der frühere FDP-Minister Dirk Niebel heuerte beim Rüstungskonzern Rheinmetall an. Was den Politikgrößen recht ist, ist Garmisch-Partenkirchens ehemaligem Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) billig. Auch er befindet sich jetzt auf der anderen Seite. Er hat den Slogan „Sei schlau, geh zum Bau“, mit dem früher Lehrlinge für den Maurer-Beruf geworben wurden, wörtlich genommen. Allerdings fängt Schmid nicht ganz unten, sondern ganz oben an. Seit dem 1. Juli bekleidet er den Posten des Hauptgeschäftsführers des Verbandes der Bayerischen Bauindustrie.

In einem schmucken, großzügig und nobel eingerichteten Büro am Oberanger 32 mit Blick über die Skyline von München residiert Schmid. Die Regale wirken noch etwas leer, für Erinnerungsstücke an seine Zeit als Rathauschef in Garmisch-Partenkirchen hat er allerdings schon einen repräsentativen Platz gefunden. „Ich sehe meine neue Arbeit als Herausforderung“, sagt der 53-Jährige. Schmid, dem nachgesagt wird, er liebe die Sicherheit und scheue das persönliche Risiko, hat mit seinem Wechsel zum Bayerischen Bauindustrieverband alle Weggefährten überrascht. Man hatte mit einer Rückkehr in den diplomatischen Dienst gerechnet. Vor seiner Zeit als Bürgermeister hatte Schmid für das Auswärtige Amt gearbeitet - zuletzt bei der Deutschen Botschaft in Kanada als Leiter der Rechts- und Konsularabteilung. „Das war eine Option, die ich verworfen haben, als ich das Angebot erhalten habe“, sagt er.

Der Verband der Bayerischen Bauindustrie hatte längere Zeit vergeblich nach einem Nachfolger für den bisherigen Hauptgeschäftsführer Gerhard Hess gesucht. Ein eingeschalteter Headhunter stieß schließlich auf Schmid und unterbreitete ihm das Angebot. „Das ist alles erst nach der verlorenen Wahl passiert. Zuvor hatte ich mich mit diesem Thema nicht beschäftigt“. Es folgten Gespräche, die recht schnell zu einem erfolgreichen Ende gebracht wurden. Damit ist Schmid auf der Karriereleiter mehrere Sprossen nach oben geklettert. Die Laufzeit seines Vertrages nennt er „sehr lange“. Und wie ist er dotiert? „Sie können sicher sein, dass ich viel mehr verdiene als als Bürgermeister.“

Schmid führt in Zukunft keine Behörde oder eine Verwaltung, er kümmert sich jetzt um die Angelegenheiten einer Schlüsselbranche. Mehr als 300 Betriebe sind im Verband der Bayerischen Bauindustrie organisiert. „Für die will ich das Beste erreichen.“ Sein Lebensmittelpunkt ist in Zukunft München. Seine Wohnung in der Garmisch-Partenkirchner Klammstraße hat er aufgelöst und nahezu alle Verbindungen - „außer zu guten Freunden“ - gekappt. Die Mitgliederversammlung des CSB am 15. Juli, dessen Vorsitzender er noch ist, wird er nicht besuchen, „da ich bereits andere Termine habe“. Auch zur Tagespolitik will er sich nicht mehr äußern. „Das habe ich meiner Nachfolgerin Frau Meierhofer versprochen.“ Nach Garmisch-Partenkirchen wird er aber immer mal wieder zurückkehren. „Das ist doch mein Heimatort. Vielleicht sehen mich einige Bürger, wenn ich irgendwann einmal den Hausberg hochjogge.“

Von Peter Reinbold

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