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In Erklärungsnot: Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting.

Meinung, Analyse, Hintergrund

Beutings verpatzter Flirt mit den Eliten

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Murnau - Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting ist für seine forschen Alleingänge bekannt. Diesmal wollte der ehrgeizige ÖDP-Mann offenkundig auf eigene Faust die lokalen Eliten in einem exklusiven und geheimen „Bürgerbeirat“ um sich scharen. Das Ganze ging mächtig schief. 

Der Murnauer Gemeinderat leidet, vorsichtig formuliert, häufig unter atmosphärischen Störungen. Doch jetzt scheint sich eine handfeste Vertrauenskrise zusammengebraut zu haben. Das Entsetzen über den jüngsten Vorstoß des ÖDP-Bürgermeisters ist groß. Und selbst unter seinen Sympathisanten ist man aufs Höchste irritiert. Nach Tagblatt-Recherchen präsentierte Beuting im nichtöffentlichen Teil der letzten Gemeinderatssitzung seinen neuesten Coup in Sachen Bürgerbeteiligung – und eckte damit mächtig an. Demnach hatte er, anscheinend ohne Absprache mit den gewählten Volksvertretern, eine Gruppe ins Leben gerufen, die er selbst als „Bürgerbeirat“ bezeichnete. Aber nicht irgendeinen, sondern, wie man hört, einen exklusiven Zirkel, besetzt mit Repräsentanten der lokalen Oberschicht. Offenbar sollte sich dieser elitäre Kreis – Spötter lästern bereits über Beutings Geheimloge – hinter verschlossenen Türen treffen, um sich regelmäßig und ungestört über Ortsthemen auszutauschen. Dem Vernehmen nach gab es bereits ein erstes Stelldichein standesgemäß im feinen Alpenhof. Die Aktion sollte anscheinend so diskret gehalten werden, dass Beuting erst nach hartnäckigen Nachfragen der Ortspolitiker mit den Namen der Teilnehmer an der edlen Runde herausrückte.

Viele Gemeinderäte fielen, so wird berichtet, aus allen Wolken, als sie von der neuerlichen Solo-Einlage ihres Bürgermeisters erfuhren – und protestierten. Der zentrale Vorwurf: Der Rathaus-Chef, der sonst so vehement für Transparenz eintrete, könne doch nicht einfach ohne politische Legitimation eine Art Schattenkabinett installieren, das möglicherweise aus dem Off heraus Einfluss auf die Ortsentwicklung nimmt. „Das geht gar nicht“, ärgert sich ein Insider. Beuting habe eindeutig den Bogen überspannt und viel Porzellan zerschlagen.

Vermutlich wurde dem Gemeinde-Oberhaupt die Sache zu heikel. Jedenfalls blies Beuting kurze Zeit nach der Bekanntgabe das Ganze wieder ab. „Das Projekt wurde eingestellt“, sagt er auf Tagblatt-Nachfrage. Der Rathaus-Chef zieht das Büßerhemd an und räumt ein, einen Fehler begangen zu haben: „Ich kann nachvollziehen, dass sich der Gemeinderat übergangen fühlt.“ Der Titel „Bürgerbeirat“ sei „unglücklich“ gewählt gewesen. Es sei ihm lediglich um einen „privaten Gesprächskreis“ mit einer „Gruppe an Privatleuten“ gegangen – zum „Ideen- und Gedankenaustausch“. Dieser hätte keine offiziellen Funktionen oder gar Kompetenzen gehabt, versichert er.

Wie dem auch sei: Beutings missglücktes Techtelmechtel mit den Vermögenden und Einflussreichen hat wahrscheinlich ein Nachspiel: Eine Gruppe von aufgebrachten Gemeinderäten hakte mit einem Fragenkatalog nach – und pocht auf eine Aussprache. Zu dem Schlagabtausch kommt es möglicherweise schon in der heutigen Gemeinderatssitzung (Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus). Das Ganze ist freilich eine willkommene Steilvorlage für Beutings Gegner. Sie wetzen bereits die Messer.

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