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Eifrig gezählt wird im Rathaus Garmisch-Partenkirchen. 

Bundestagswahl 2017 - Vorbei die goldenen Zeiten

Innerhalb von 15 Jahren verliert CSU über 25 Prozent

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Die Bundestagswahl 2017 bringt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen feste Gefüge ins Wanken. Einen desaströsen Sonntagabend erleben dort CSU-Anhänger. Ebenso jene der SPD. Ganz anders die Fans von FDP und AfD. Sie jubeln.

Landkreis – Wo sind sie hin? Diese Zeiten, als Bayern im Allgemeinen, der Landkreis Garmisch-Partenkirchen im Besonderen und das Obere Isartal im ganz Speziellen CSU-Bastion war? Uneinnehmbar für eine Partei mit einer anderen Buchstabenkombination? Nun – diese Zeiten gibt es schon noch. Kein Grund zur Panik. Aber: Die Bastion hat erste Risse bekommen. Das allein – dürfte eben doch für Panikattacken sorgen. 45,67 Prozent der Wähler im Landkreis gaben am Sonntag ihre Zweitstimme den Christsozialen – bei einer hohen Wahlbeteiligung von 80,14 Prozent.

Um das desaströse Abschneiden zu begreifen, lohnt sich ein Blick ins Jahr 2002, als Edmund Stoiber (CSU) gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Bundeskanzlers kämpfte. Im Landkreis konnten die Schwarzen vor 15 Jahren kaum laufen vor Kraft und Selbstbewusstsein.

Bronzene Zeiten würden schon reichen

Wie heute trat Alexander Dobrindt als Direktkandidat an. Damit war’s das aber mit den Gemeinsamkeiten. Dobrindt holte 72,1 (fast 20 Prozent mehr als am Sonntag), seine Partei 71,4 Prozent. In der CSU-Hochburg Mittenwald machten 79 Prozent ihr Kreuz bei den Schwarzen, in Krün 80,5, in Wallgau 83,6. Wie sehr wünschen sich die CSU-Anhänger wohl die goldenen Zeiten zurück. Ach, sie müssten ja gar nicht so golden sein. Silber, sogar bronzen würde reichen. Wie 2013 zum Beispiel.

Um im Oberen Isartal zu bleiben, dem Gradmesser für den aktuellen CSU-Zustand: 2017 hielten in Mittenwald nur noch 52,12 Prozent ihrer Partei die Treue. In Wallgau, stets eine der schwärzesten Gemeinden Bayerns, nur 54,94, Prozent – macht 14,34 beziehungsweise 16,87 Prozent weniger als 2013.

AfD punktet bei konservativen Stammwählern 

Wo laufen sie hin, die konservativen Stammwähler? Die Antwort ist so offensichtlich wie unangenehm: Sie rennen zur AfD, der Alternative für Deutschland. Vor vier Jahren noch war sie als euroskeptische Protestpartei aufgetreten. Man wusste nicht recht, wie man sie einordnen, wie man mit ihr umgehen sollte. Einen Direktkandidaten stellte sie im Wahlkreis nicht – und doch erreichte sie im Landkreis auf Anhieb 5,5 Prozent. Die Mittenwalder (4,4) und Wallgauer (5,0) fanden deren Ideen damals wenig überzeugend. Anders als heute: In beiden Gemeinden (Mittenwald 12,93, Wallgau 15,39 Prozent) hat die AfD ihre Stimmen etwa verdreifacht. Die AfD-Hochburg: Oberau mit 16,89 Prozent.

Schon 2013 hatten die Vertreter der etablierten Parteien gewarnt vor dieser Alternative. Genutzt hat es nichts. Mit ihren provokanten und zugespitzten Thesen zur Flüchtlingspolitik hat die AfD Gehör gefunden, mit ihrem deutschnationalen Ton im Wahlkampf überzeugt.

FDP träumt schon von erfolgreichen Kommunalwahlen

Vor dieser krachenden Niederlage auf der einen und dem herausragenden Sieg auf der anderen Seite treten andere Misserfolge und Erfolge fast in den Hintergrund. Etwa der Jubel der FDP. Vor vier Jahren flog sie aus dem Bundestag, auch im Landkreis lag die FDP-Welt nach dem 6,1-Prozent-Ergebnis (elf Prozent weniger als 2009) in Trümmern – aus denen die Liberalen nun auferstehen. Mit 11,25 Prozent haben sie allen Grund zu feiern. Ihr Kreisvorsitzender André Göllrich fühlt gar schon „Rückenwind für die Kommunalwahlen 2020“. Sowohl in Murnau als auch Mittenwald will er danach im Gemeinderat vertreten sein.

Keine Spur von Feier-Stimmung dagegen bei der SPD. Zurecht spricht Direktkandidat Enrico Corongiu von einem erschütternden Ergebnis – bei 9,26 Prozent der Zweitstimmen. 2013 bekamen die Sozialdemokraten im Landkreis zumindest 12,3 Prozent. Ebenfalls mager. Aber besser als das Desaster jetzt.

CSU und SPD im Leid vereint

In ihrem Leid sind CSU- und SPD-Anhänger vereint: Auch die Roten dürften sich das Jahr 2002 zurückwünschen. Immerhin 15,5 Prozent schafften sie damals im Landkreis. Und vor allem stellten sie den Bundeskanzler.

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