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offt auf eine Rolle in „Jugend ohne Gott“: Birgit Kölbl (l.) aus Eschenlohe bewirbt sich bei Sarah Schiel von der Casting-Agentur.

Auf Horváths Spuren

Casting für "Jugend ohne Gott"

Garmisch-Partenkirchen - „Jugend ohne Gott“ – ein Buch, das viel Bezug zum Landkreis hat. Das Hochlandlager, das Ödon von Horváth darin thematisiert, stand bei Aidling. Jetzt wird der Roman verfilmt und dazu werden Komparsen gesucht. Das Interesse am Casting in Garmisch-Partenkirchen war groß.

Jeder große Filmstar hat mal klein angefangen. Das mögen sich einige gedacht haben, die zum großen Casting ins Mercure Hotel nach Garmisch-Partenkirchen gekommen waren. In den dortigen Räumlichkeiten konnten sich Hobbyschauspieler und Filmfans am Samstag für Kleinrollen bei der cineastischen Umsetzung von Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott“ bewerben. Die Produktion – bei der bekannte Schauspieler wie Fahri Yardim, Anna Maria Mühe und Emilia Schüle mit von der Partie sind – soll im Mai und Juni im Landkreis gedreht werden. Immerhin spielt der Roman, den der von den Nationalsozialisten verfolgte Horváth 1937 aus dem Exil verfasste und in dem er die damalige Politik sowie Gesellschaft in Deutschland stark kritisierte, auch in Riegsee.

Auf der Suche nach Komparsen und Kleindarstellern hatte die Agentur „Du Bist Film“ aus München zum Casting aufgerufen. Gesucht wurden sportliche Jugendliche zwischen 18 und 24 sowie sportliche Männer und Frauen zwischen 35 und 50 Jahren. Um eine Auswahl treffen zu können, nahmen Assistentinnen die Personalien der Interessierten auf. Anschließend wurden Fotos und – bei besonderer Eignung – gegebenenfalls auch Videoaufnahmen gemacht. Dass das Casting speziell in Garmisch-Partenkirchen stattfand, hat für Martin Hebner von der Münchner Kleindarstelleragentur ganz praktische Beweggründe. „Wir suchen meistens in den Gegenden, in denen auch gedreht wird. Die Leute die hier wohnen, sind natürlich flexibler als Mitwirkende, die extra aus München oder sonst wo anreisen müssen.“ Die genaue Anzahl der zu besetzenden Kleinrollen stehe noch nicht fest. Falls es für die Bewerber für diesen Film nicht klappen sollte, werden die Daten ihm zufolge trotzdem in der Datenbank der Agentur gespeichert. „Vielleicht ergibt sich etwas für eine andere Produktion.“

Aus dem Landkreis und zum gewünschten Termin flexibel ist unter anderem Hannes Biersack aus Garmisch-Partenkirchen. Der 54-Jährige hat schon in mehreren Filmproduktionen als Komparse mitgespielt. „Film ist einfach ein Hobby von mir“, erzählte er. Augenzwinkernd und mit einem Lächeln fügte er hinzu: „Ich versuche heute einfach mal mein Glück. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt – vielleicht werde ich jetzt entdeckt.“ Auch Andreas Stadler probierte, eine Rolle zu ergattern. Der 21-jährige Oberammergauer hat ebenfalls bereits einige Erfahrungen am Filmset gesammelt. Unter anderem wirkte er schon in drei Folgen der BR-Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“ mit. Auch dieses Mal scheint es gut für ihn auszusehen. Nach dem Fotoshooting, musste er sich gleich bei Filmaufnahmen beweisen. Höhenflüge hat der selbstständige Finanzberater aber trotzdem nicht – die Sache mit dem „großen Durchbruch“ sieht er ganz realistisch. „Ich glaube, hauptberuflich davon zu leben wäre schwierig. Ich sehe es als ein Hobby.“

Unter den gleichen Gesichtspunkten erschien Birgit Kölbl in dem Garmisch-Partenkirchner Hotel. Die 27-jährige Verwaltungsfachangestellte und Tochter des Eschenloher Bürgermeisters Anton Kölbl (CSU) sieht die vermeintliche Karriere sehr gelassen. Auf einen Durchbruch in der Traumfabrik Film hofft sie nicht: „Ach Quatsch. Ich dachte, ich probier’s einfach. Mehr als Nein sagen können sie ja nicht.“ Im Vordergrund steht für die junge Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes nicht die mögliche Filmkarriere, sondern ihre Familie. Sie spiele „einfach gerne Theater“ und habe sich „ganz spontan“ zum Casting angemeldet. „Ich war gerade einkaufen und bin dann hergekommen.“ Falls Kölbl nicht bei der Horváth-Verfilmung dabei sein kann, wäre sie auch offen für andere Projekte. „Aber nur, wenn es zeitlich gut hineinpasst. Oberste Priorität hat das mit dem Schauspielern bei mir nämlich nicht."

Magdalena Kratzer

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