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Im indischen Operationssaal: das deutsche Interplast-Team, darunter die Chirurgin Gaby Fromberg (knieend vorne links), hilft in Haridwar. Unterstützt wird es von indischen Kollegen.

Weltweite Hilfe bei Verbrennungen und Missbildungen

Nach Säure-Attacke: Murnauer Chirurgin beschert Frau neues Leben

Sie werden mit Säure übergossen, haben vernarbte Gesichter oder völlig verbrannte Hände ohne Finger. Ärzte aus Deutschland geben diesen Menschen im indischen Haridwar neue Hoffnung und manchmal ein neues Leben. Unter ihnen: Dr. Gaby Fromberg, Chirurgin mit Praxis in Murnau.

Murnau – Vor einem Jahr kam eine junge Frau mit entstelltem Gesicht in ein deutsches Ärzte-Camp im indischen Haridwar. Die damals 21-Jährige war fünf Jahre zuvor mit Säure übergossen worden. Die unbehandelten Wunden waren mittlerweile vernarbt. Wegen der fehlenden Augenlider drohte die junge Frau zu erblinden. Doch das Ärzte-Team konnte ihr durch Hauttransplantationen helfen. Nun, ein Jahr später, kam die Frau wieder ins Ärzte-Camp. „Diesmal in bunten Saris und ohne Brille“, erzählt Dr. Gaby Fromberg. „Sie versteckt sich nicht mehr.“ Die junge Inderin hat sogar ihre Ausbildung wieder aufgenommen.

Fromberg ist Chefärztin für plastische Chirurgie und Handchirurgie am Penzberger Krankenhaus und betreibt eine Praxis in Murnau. Sie gehört der Hilfsorganisation „Interplast“ an. Diese hilft weltweit Menschen mit Verbrennungen und Missbildungen. Zum achten Mal war ein „Interplast“-Team im Mela-Hospital in Haridwar. Zu den zehn deutschen ehrenamtlichen Helfern gehörte Gaby Fromberg.

Bereits vor einem Jahr hatte die Ärztin die von einer Säure-Attacke entstellte Inderin behandelt. „Die fürchterliche Entstellung können wir natürlich nicht ungeschehen machen“, sagte Fromberg damals. Aber jetzt traut die junge Frau sich wieder unter Menschen. Laut Fromberg wurde sie nun nochmals operiert. Und auch beim nächsten Mal werde sie bestimmt wiederkommen. „So eine horrende Verletzung erfordert mehrere Operationen.“

Fromberg traf bei ihrem jüngsten Einsatz in Haridwar auch auf die kleine Munni. Das Mädchen hatte schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Händen erlitten und dabei seine Finger verloren. Gaby Fromberg hatte sie bereits in den vergangenen zwei Jahren operiert. Sie habe jetzt beidseits eine „Fausthandschuh-Greiffunktion“, erzählt die Medizinerin. Munni habe sich „von einem traurigen, stummen „Little Buddha“ zu einem geschwätzigen kleinen Mädchen entwickelt“.

Achteinhalb Operationstage hatte das „Interplast“- Team für seinen Aufenthalt in Nordindien angesetzt. Die Ärzte nahmen 182 Eingriffe vor. 70 Patienten seien operiert worden, zum Teil mehrfach, so Fromberg. Elf weitere Patienten bekamen Lagerungsschienen, um die in der Operation erreichte Position von Hand oder Sprunggelenk zu fixieren, oder sie erhielten Kompressionsstrümpfe, nachdem abgestorbenes beziehungsweise infiziertes Gewebe entfernt worden war. Fromberg blieb danach mit einem Kollegen noch weitere fünf Tage, um die aufwendigen Verbände zu wechseln und kleinere Korrektureingriffe vorzunehmen.

Es seien viele Patienten gekommen, die man vor einem Jahr habe vertrösten müssen, erzählt die Ärztin. Beobachtet hat sie, „dass Verbrennungen nicht weniger werden und auch Säure-Attacken weiterhin vorkommen“. Von diesen Säure-Angriffen sind allein Mädchen und junge Frauen betroffen – zumindest habe sie noch keinen Mann und keine alte Frau nach solchen Attacken gesehen, so Fromberg. Ebenso behandelten die Ärzte Knochenbrüche und chronische Wunden an den Beinen. Im Gegensatz zu früher gab es laut Fromberg mehr Patienten mit Narben im Gesicht, deren Gewebe sich stark zusammengezogen und verhärtet hatte. Diese „Narbenkontrakturen“ rührten von Verbrennungen, Unfällen oder Infektionen her.

In dem Hospital herrscht laut Fromberg, außer während der Pilgerzeit, wenig OP-Aktivität. Deshalb gebe es kein festes Personal. Was im Umkehrschluss bedeutet: Es war genug Platz für das zehnköpfige Team. Zur Seite standen ihm zwei indische Sterilisationsexperten und Helfer vom Rotary-Club, der den Einsatz unterstützte. Eine „deutliche Arbeitserleichterung“, so Fromberg, brachten zwei mobile OP-Lampen, die vom Ebersberger Förderverein Interplast (EFI) gestiftet und von der Ebersberger Herstellerfirma geliefert wurden.

Im Herbst will Fromberg wieder nach Haridwar reisen. Es seien bis zum letzten Tag neue Patienten gekommen, viele komplexe Fälle benötigten weitere Eingriffe, erzählt sie. Die OP-Pläne sind eigentlich schon voll.

Wolfgang Schörner

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