Regierungspräsident Christoph Hillenbrand überreicht Christian Stückl den Integrationspreis. Foto: fkn

Christian Stückl mit Integrationspreis ausgezeichnet

Oberammergau - Für "Verdienste um die Völkerverständigung" würdigte die Regierung von Oberbayern jetzt das Wirken von Passionsspielleiter Christian Stückl aus Oberammergau.

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand erwischte ihn am Handy, irgendwo in Südindien. Dort war er gerade mit ein paar einheimischen Studenten unterwegs. Was an sich symptomatisch für seine Lebensphilosophie ist. Christian Stückl (49) darf mit Fug und Recht als Oberammergauer aus voller Überzeugung beschrieben werden, er liebt seine Heimat. Und dennoch zeigt er sich offen für andere Kulturen, Religionen und Gesinnungen. Kirchturmdenken widerspricht Stückls Grundhaltung von Weitblick und Toleranz.

Dafür erhielt der Spielleiter der Oberammergauer Passion und Intendant des Münchner Volkstheaters am Sonntag eine hohe Auszeichnung - den Ehrenpreis der Regierung von Oberbayern für eine besondere Integrationsleistung, der zum zweiten Mal von Präsident Hillenbrand überreicht wurde. Der bald 50-Jährige ist bereits Träger des Bayerischen Verdienstordens sowie des Oberbayerischen Kulturpreises, den er ebenfalls in diesem Jahr bekam.

In seiner Laudatio würdigte der oberste Vertreter der Regierung von Oberbayern Stückl als einen Mann, „der sich in besonderer Weise um die Völkerverständigung weit über unsere unmittelbaren Grenzen hinaus und um die Integration von Menschen unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft verdient gemacht hat“. Immer wieder in seinem Schaffen, ob am Volkstheater, bei den Passionsspielen oder weiteren künstlerischen Inszenierungen habe Christian Stückl Brücken geschlagen - zwischen den Kulturen, den Religionen oder zwischen Einheimischen und Migranten. Hillenbrand bezeichnete den Oberammergauer „als eine Art Weltkulturbürger“.

Tatsache auch: Aufgrund des intensiven Dialogs mit Vertretern jüdischen Glaubens (woran auch Dramaturg Otto Huber beträchtlichten Anteil hatte) gab es bei den Passionsspielen 2010 von dieser Seite so gut wie keine Kritik an der Darstellung von Leben und Leiden Jesu. Seit dem Jahr 2000 dürfen bei der Passion auch Muslime mitspielen, wofür sich Stückl stark gemacht hatte. „Das war für Oberammergau eine kleine Kulturrevolution“, blickte Hillenbrand bei dem Festakt zurück. Und der Regierungspräsident erinnerte in dem Zusammenhang an die Geschichte mit dem kleinen Abdullah. Als Stückl vor der Passion 2000 zu dessen Vater gegangen sei, um diesen zu überreden, dass der Bub unbedingt mitspielen müsse, habe das Familienoberhaupt geantwortet: „Okay, wenn Chef sagt, Abdullah soll spielen, dann soll Abdullah spielen. Aber mach mich nicht katholisch . . . !“ Heute ist Abdullah Karaca (22) einer von drei Regie-Assistenten am Münchner Volkstheater. Für Christian Stückl Normalität.

Der Laudator schloss seine Rede mit den Sätzen, dass Integration im Kleinen beginne, oft abseits und unentdeckt von der Öffentlichkeit, und dass echte Integration keine einseitige Bringschuld sei, sondern jedes Mitglied einer Gemeinschaft gleichermaßen fordere. Dies werde vom Preisträger gelebt, der sein Herz für Fremde öffne und Mut zeige im Angesicht einer Gesellschaft mit vielen Reserviertheiten.

Ludwig Hutter

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