Publikumsmagnet: der Murnauer Christkindlmarkt. Foto: Königbauer

Christkindlmarkt: Streit um angeblich verbaute Schaufenster

Murnau - Der Murnauer Christkindlmarkt sorgt im Nachgang für mächtig Ärger: Veranstalter berichten von wüsten Beschimpfungen einiger Geschäftsleute.

Stocksauer und frustriert über das Unverständnis von mehreren Geschäftsleuten bei der Traditionsveranstaltung zeigt sich Michael Montag, Mitwirkender und Erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr. „Die freiwilligen Helfer investieren hier hunderte von Stunden und teilweise ihren Urlaub für das gute Gelingen der Veranstaltung und müssen sich unverschämte Beschimpfungen anhören, weil manche nur ihr eigenes Geschäft im Sinn haben“, macht er seinem Ärger Luft. „Da überlegt man sich schon, ob man überhaupt noch weitermachen soll.“

Der Hintergrund: Laut Montag haben einige Geschäftsinhaber behauptet, die Stände des Christkindlmarkts, der am dritten Adventswochenende stattfand, seien geschäftsschädigend und würden ihre Schaufensterauslagen versperren. Konkrete Namen will er nicht nennen. Der engagierte Feuerwehrmann kann die Kritik nicht nachvollziehen. Er und seine Helfer hätten betroffene Geschäfte beobachtet und festgestellt: „Da sind in einen Laden 70 Leute in einer Dreiviertelstunde reingelaufen.“

Angelika Rebholz, Vorstandsmitglied im Verein zur Wirtschaftsförderung, stimmt Montag zu, dass leider viele Geschäftsleute glauben, dass Märkte ihnen an diesen Tagen Umsatz wegnehmen würden. „Das glaube ich nicht. Auch ohne den Christkindlmarkt hätte es am Wochenende nicht mehr Geschäft gegeben“, ist Rebholz überzeugt. „Es waren soviele Besucher in Murnau, die diesen Ort sympathisch in positiver Erinnerung mitnehmen und vielleicht schon bald in Murnau einkaufen.“

Bereits am Freitagmittag beim Aufbau seien die Beschimpfungen losgegangen, berichtet Montag. Und auch von anderen Helfern habe er gehört, wie sie von erbosten Geschäftsinhabern beleidigt worden seien. Künftig wünscht sich Montag bereits beim Aufbau Unterstützung von Gemeindevertretern, um sich gegen Vorwürfe dieser Art nicht länger alleine zur Wehr setzen zu müssen.

„Immerhin liegt allen Geschäftsinhabern die Gemeindesatzung vor, die besagt, dass bei Veranstaltungen Flächen vor dem Geschäft nicht nutzbar sind“, erklärt CSU-Gemeinderat Josef Bierling, der als Sprecher der Vereinsgemeinschaft das Verhalten besagter Geschäftsinhaber nicht versteht. „Wenn man diejenigen, die hier freiwillig alles organisieren, so ärgert, muss man sich nicht wundern, wenn die Helfer keine Lust mehr haben, künftig weiterzumachen“, warnt er. Die Aufgabe des Christkindlmarktes wäre ein großer Verlust für Murnau und alle Geschäfte, sagt Bierling, der das Besucheraufkommen am Wochenende auf mindestens 10 000 schätzt.

Montag und Bierling sind sich einig: „Der Christkindlmarkt ist eine attraktive Veranstaltung für den ganzen Ort, die Geschäfte profitieren früher oder später davon.“ Mit dem Gros der Geschäftsleute und den Wirten funktioniere auch die Zusammenarbeit. „Die haben den Sinn des Christkindlmarktes für Murnau erkannt“, so Bierling.

Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger gibt sich indessen diplomatisch: Er verstehe, wie frustrierend Beschimpfungen für engagierte Helfer seien. Andererseits habe er auch Verständnis für den Einzelhandel, dessen wichtigster Umsatzmonat der Dezember sei. „Wir möchten deshalb ein befriedigendes Konzept erstellen, um dieses Streitthema künftig aus der Welt zu schaffen“, sagt er. Dem Wirtschaftsförderer schwebt dabei eine Lösung vor, die mit neuen Buden in der Mitte des Marktes genügend Platz für das Vorbeiflanieren an den Schaufenstern zulässt. Dass der Christkindlmarkt für die Wirtschaft Murnaus ein wichtiger Bestandteil sei, darüber seien sich er und Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) einig, was sie auch in einem Schreiben an die Vereinsgemeinschaft zum Ausdruck gebracht hätten. (kö)

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