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Letzte Arbeiten vor dem Festakt: Michael Müller (Bauhof) befördert mit einer Schubkarre Kies ins Fundament des neuen Denkmals.

Festakt in der Murnauer Bildungseinrichtung

Christoph-Probst-Schule - nun ganz offiziell

Murnau - Geschäftiges Treiben herrscht in diesen Tagen in der Murnauer Christoph-Probst-Mittelschule. Kein Wunder, schließlich geht am Freitag um 11 Uhr der feierliche Festakt zur Namensgebung der Bildungseinrichtung über die Bühne. 100 Ehrengäste werden erwartet, darunter der bayerische Kultus-Staatssekretär Bernd Sibler (CSU). „Es ist ein Riesenakt“, sagt Rektor Peter Hälterlein. 

Auch Mitglieder der Familie Probst wollen nach Murnau kommen, unter anderem Vincent Probst. Er ist der Sohn des Widerstandskämpfers Christoph Probst. Der 74-Jährige hatte sich bereits im vergangenen Jahr einen Eindruck von der Lehranstalt gemacht. „Das war ein sehr nettes und ergiebiges Treffen.“ Dass Christoph Probst in der Marktgemeinde Schulpatron wurde, kommt bei der Familie offenbar gut an. „Wir freuen uns enorm und sind dankbar dafür, dass er gewissermaßen nach Murnau zurückkehrt. Ich finde das großartig.“ 

Vincent Probst, der in Hamburg wohnt, ist das einzige noch lebende Kind des Widerstandskämpfers, der in Murnau geboren wurde, der Weißen Rose angehörte und 1943 von den Nationalsozialisten umgebracht wurde. Die Geschwister Michael (1940 bis 2010) und Katharina (1943 bis 1959) sind bereits verstorben. 

Auf der Rednerliste steht am Freitag unter anderem Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Er hält große Stücke auf den neuen Schulpatron. „Sein Widerstand ist Symbol für Toleranz, Humanität und Zivilcourage. Wir möchten mit dieser Namensgebung ein Zeichen für Demokratie und Freiheit setzen.“ Darüber hinaus sei dies ein Schritt die NS-Vergangenheit Murnaus zu bewältigen. 

Rückblende: Rektor Hälterlein und das Schulforum hatten sich im Oktober 2015 einmütig für eine Umbenennung ausgesprochen und den Antrag beim Marktgemeinderat eingereicht. Dieser stimmte kurz darauf geschlossen für den neuen Namen. Die Regierung von Oberbayern befürwortete ebenfalls die Namensänderung, sodass diese bereits im Februar 2016 in Kraft trat. Der Schriftzug ist längst am Eingang angebracht. Nun fehlt noch der offizielle Festakt. 

Dass es zu der Umbenennung kam, daran hat unter anderem der Kaufbeurer Studiendirektor a.D. und Publizist Jakob Knab seinen Anteil. Im Juli 2011 betonte er, es stünde Murnau gut zu Gesicht, die Max-Dingler-Schule in Christoph-Probst-Schule umzubenennen. Damals flammte die Debatte um Dingler neu auf – und führte relativ schnell dazu, dass der Schulname getilgt wurde. Der Zoologe, Naturschützer und Mundartdichter war 1923 am Hitlerputsch beteiligt und Mitglied der NSDAP. Er gründete nach eigenen Angaben sogar deren Murnauer Ortsgruppe. Dennoch beschloss der Gemeinderat 1979, der neuen Hauptschule den Namen Max Dinglers (1883 bis 1961) zu geben. 

Heute hält Knab fest: „Der neue Schulpatron Christoph Probst verkörpert in vorbildlicher Weise das hohe Bildungsziel ,Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne‘.“ Nicht nur der Pädagoge setzte sich für Probst ein, auch das Werdenfelser Bündnis machte den Widerstandskämpfer immer wieder zum Thema. 

Der Festakt findet in der Turnhalle statt. Da nicht alle Schüler hineinpassen, wird die Feier in mehrere Klassenzimmer übertragen. Die Veranstaltung ist nur für geladene Gäste. Um 13 Uhr beginnt ein Schulfest. Ein neues Probst-Denkmal gibt es auch zu bestaunen. Es befindet sich vor dem Eingang. Geschaffen hat es Annemarie Bahr aus Bad Bayersoien. Die „Engelsharfe“, die bisher dort stand, ist in den Pausenhof umgezogen.

Roland Lory

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